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Eishockey

02.05.2019

Tim Wohlgemuth: Zwei Zähne für Deutschland

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Feierte sein Debüt im Trikot der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Ingolstadts Angreifer Tim Wohlgemuth. Im Testspiel gegen Tschechien verlor der 19-Jährige zwei Zähne, konnte aber im Anschluss schon wieder lachen.
Bild: DEB

Der Youngster spricht im NR-Interview über sein erstes DEL-Jahr beim ERC Ingolstadt, die Premiere in der A-Nationalmannschaft sowie zahlreiche Zahnarzt-Besuche in den kommenden Wochen

Wer beim ERC Ingolstadt nach den Gewinnern und Aufsteigern der Saison 2018/2019 sucht, kommt an einem Akteur definitiv nicht vorbei: Tim Wohlgemuth. Vor dieser Spielzeit vom Zweitligisten ESV Kaufbeuren zu den Panthern gekommen, entwickelte sich der 19-jährige Stürmer auf Anhieb zum Stammspieler und brachte es darüber hinaus in der Play-off-Serie gegen Köln auf drei Treffer. Als Belohnung wurde Wohlgemuth von Bundestrainer Toni Söderholm für die WM-Vorbereitung der DEB-Auswahl inklusive Testspiele nominiert, wo er eine erstklassige Figur abgab – auch wenn es schließlich nicht ganz für den endgültigen Kader reichte.

Herr Wohlgemuth, DEL-Stammkraft im ersten Jahr, dreifacher Torschütze in den Play-offs und Berufung in die A-Nationalmannschaft! Wie wäre Ihre Reaktion ausgefallen, wenn Ihnen das vor Saisonbeginn jemand vorhergesagt hätte?

Wohlgemuth: Nun, geglaubt hätte ich das auf keinen Fall! Ich hatte ja damals mit dem Hintergrund beim ERC Ingolstadt unterschrieben, dass ich noch ein oder zwei weitere Jahre in Kaufbeuren spielen kann. Von dem her hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich letztlich keine einzige Partie in der abgelaufenen Saison in Kaufbeuren absolvieren beziehungsweise auch noch sechs Länderspiele bestreiten würde. Damit konnte man absolut nicht rechnen.

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Was würden Sie als Ihr persönliches Highlight in der vergangenen Spielzeit beschreiben?

Wohlgemuth: Über mein erstes DEL-Tor am vierten Spieltag in Nürnberg habe ich mich schon tierisch gefreut. Das ist ja etwas, über das man sich bereits im Vorfeld immer wieder Gedanken macht. Der Puck liegt übrigens immer noch bei mir daheim. Aber auch mein erstes Länderspiel für die A-Nationalmannschaft in Kaufbeuren zählt zweifelsohne zu meinen bisherigen Karriere-Highlights – auch wenn meine Profi-Laufbahn ja noch nicht so lange ist (lacht).

In welchen bestimmten Bereichen sehen Sie bei sich noch am meisten Steigerungspotenzial?

Wohlgemuth: Durch die zahlreichen Länderspiele beziehungsweise unsere NHL-Jungs merkt man doch relativ schnell, woran es einem noch fehlt. Gerade in Sachen Geschwindigkeit – und damit meine ich jetzt gar nicht unbedingt den läuferischen Bereich, sondern vielmehr die Puckverarbeitung oder auch das Lesen bestimmter Spielsituationen – ist schon noch ein gewisser Unterschied vorhanden. Aber auch in den allgemeinen Bereichen wie Kraft und Ausdauer, wo jeder arbeitet, kann ich mich sicherlich auch noch verbessern, um auf hohem Niveau spielen zu können.

Feierte sein Debüt im Trikot der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Ingolstadts Angreifer Tim Wohlgemuth. Im Testspiel gegen Tschechien verlor der 19-Jährige zwei Zähne, konnte aber im Anschluss schon wieder lachen.
Bild: imago Images/MIS

Welche Erkenntnisse haben Sie sonst noch aus Ihrer Zeit beim Nationalteam gewonnen?

Wohlgemuth: Gerade die Testspiele und Trainings, in denen die NHL-Profis Leon Draisaitl, Dominik Kahun und Korbinian Holzer dabei waren, haben mir extrem viel gebracht. Man weiß ja, dass diese Jungs richtig gut sind, da sie nicht umsonst in der NHL ihr Geld verdienen. Darüber macht man sich eigentlich nie einen großen Kopf. Aber wenn man diese drei Akteure auf dem Eis sieht beziehungsweise mit welcher Professionalität sie dabei auftreten, dann ist das schon beeindruckend. Da nimmt man speziell als Neuling und junger Spieler alles mit, was möglich ist.

Während Ihres dritten Länderspiels gegen Tschechien haben Sie allerdings auch eine etwas „unliebsame“ Erfahrung gemacht: Plötzlich standen Sie ohne zwei Zähne auf dem Eis! Wie ist das passiert?

Wohlgemuth: Ja, das stimmt! Das war vom Bully weg in der offensiven Zone. Nachdem wir dieses gewonnen hatten, wollte ich zum Puck gehen. Im gleichen Moment wollte mein Gegenspieler meinen Schläger unten hochheben, hat diesen aber nicht erwischt, sondern mit vollem Schwung nur mein Gesicht. Dabei habe ich einen Schneidezahn und einen weiteren daneben verloren. Auch wenn sich die Schmerzen in Grenzen hielten, war es trotzdem extrem ärgerlich. In den kommenden Wochen stehen jetzt weitere Zahnarzt-Termine auf dem Programm. Darauf hätte ich in der Tat sehr gerne verzichtet.

Zusammen mit Ihrem Ingolstädter Teamkollegen David Elsner und drei weiteren Akteuren wurden Sie nach der dritten Phase der WM-Vorbereitung von Bundestrainer Toni Söderholm gestrichen. Wie groß war Ihre Enttäuschung darüber?

Wohlgemuth: Natürlich hat jeder den Ehrgeiz, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Aber „enttäuscht“ ist eigentlich das falsche Wort. Wenn ich jetzt zurückschaue, welche Erwartungen ich im Vorfeld hatte und was letztlich unter dem Strich herausgekommen ist: Da stand sicherlich keine WM-Teilnahme auf dem Zettel! Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bereits nach den ersten vier Länderspielen damit gerechnet hatte, in die Sommerpause zu gehen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich die Länderspiele gegen Österreich auch noch mitmachen durfte. Von dem her ist bei mir keine große Enttäuschung zu spüren.

Wie schauen die kommenden Wochen und Monate – außer einigen Zahnarzt-Besuchen – bei Ihnen aus?

Wohlgemuth: Ich denke, dass ich am kommenden Montag beim ERC Ingolstadt schon wieder mit dem Training beginne. Zudem müssen wir über den Sommer auch noch einige Tests absolvieren. Abgesehen davon werde ich zwischendurch mit meinen ehemaligen Schulkollegen mal eine Woche in den Urlaub fahren. Viel mehr habe ich momentan noch nicht geplant.

Lassen Sie uns zum Abschluss etwas nach vorne blicken: Was haben Sie sich persönlich für die Saison 2019/2020 vorgenommen?

Wohlgemuth: Ich bin grundsätzlich schon der Meinung, dass es immer schwerer ist, eine gewisse Leistung zu bestätigen, als quasi ohne große Erwartungen an etwas heranzugehen. Ich bin mir jedenfalls absolut bewusst, dass ich im nächsten Jahr nichts geschenkt bekommen werde beziehungsweise das Ganze nicht von selbst laufen wird. Natürlich habe ich mir darüber auch schon meine Gedanken gemacht und hoffe, dass ich meinem eigenen Leistungsanspruch entsprechend gerecht werde.

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