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EM 2024: Ist Dänemarks Rasmus Højlund auf dem Weg zum Superhelden?

Fußball-EM 2024

Auf dem Weg zum Superhelden?

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    Rasmus Højlund (rechts) gilt als größtes dänisches Talent seit Jahren. Gegen England ist seine Treffsicherheit gefragt.
    Rasmus Højlund (rechts) gilt als größtes dänisches Talent seit Jahren. Gegen England ist seine Treffsicherheit gefragt. Foto: Jörg Halisch, Witters

    In Freudenstadt haben sie der dänischen Nationalmannschaft längst den roten Teppich ausgerollt. Als Zeichen der Wertschätzung ertönt vom Glockenspiel in der Martin-Luther-Straße mittlerweile jeden Nachmittag die dänische Nationalhymne. Im Nordschwarzwald hoffen sie natürlich, dass ihre sympathischen Gäste lange im Turnier bleiben. Für Dänemark ist die Ausgangslage vor dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen England in Frankfurt (Donnerstag, 18 Uhr/ZDF und MagentaTV) allerdings knifflig. Bei einer Niederlage wäre der Druck im letzten Gruppenspiel gegen Serbien fünf Tage später in München immens. 

    Doch als Mutmacher kann das letzte EM-Duell gegen die "Three Lions" dienen: Vor drei Jahren schaffte es der von einem besonderen Spirit getragene Europameister von 1992 bis ins Halbfinale – und unterlag gegen England in Wembley erst in der Verlängerung, als Harry Kane das Aus für einen am Ende auch mental erschöpften Außenseiter besiegelte.

    Rasmus Højlund kostete 74 Millionen Euro

    Seitdem halten viele "Danish Dynamite" für deutlich gefährlicher. Zum einen ist ein Christian Eriksen zurück, zum anderen ein Rasmus Højlund dabei. Der 21-Jährige ist nicht nur der Talentierteste, sondern auch der Teuerste: Stolze 74 Millionen Euro berappte Manchester United für einen Jungstürmer, der sich explosionsartig entwickelt hat. Die Premier League ist ohnehin ein Sammelbecken für die besten Skandinavier, aber seine Entwicklung ist die vielleicht bemerkenswerteste: Wie seine Brüder Emil und Oscar, hat auch ihn der FC Kopenhagen zum Profi gemacht, doch so richtig ging es erst voran, als ihn Scouts von Sturm Graz nach Österreich holten. Højlund erwähnt an dieser Stelle gerne Jakob Jantscher, seinen österreichischen Sturmpartner, der "wollte, dass ich mich richtig entwickele." 

    2022 zahlte Atalanta Bergamo bereits 20 Millionen Euro für den aufstrebenden Angreifer, um den vergangenen Sommer angeblich auch der FC Bayern buhlte. Das Rennen machte dann aber der englische Traditionsklub, der es Bergamo mit dem exorbitanten Angebot leichter machte, sich von dem Angreifer zu trennen. Für die "Red Devils" sind dem Shootingstar gleich zehn Tore in der Premier League und fünf in der Champions League geglückt. Højlund hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, "dass ich ein Fan dieses großen Klubs bin, seit ich ein kleiner Junge war, und ich habe davon geträumt, im Old Trafford aufzulaufen." So war er einer von wenigen Spielern, die in der abgelaufenen Saison zumindest halbwegs bei Manchester überzeugten. Seine zehn Tore sind keine Ausnahmeleistung – häufiger aber traf keiner seiner Mitspieler. Doch seine Treffer reichten nicht, um in der kommenden Saison international zu spielen. United wurde am Ende enttäuschender Achter. Seine englischen Gegenspieler aus dem rauen Alltag zu kennen, sollte ihm aber gewiss kein Nachteil sein. Højlund genügten 15 Länderspiele, um sieben Tore zu erzielen – alle in der EM-Qualifikation.

    Ein Platz in der Ahnenreihe dänischer Top-Stürmer

    Und weil er auch noch aus Kopenhagen stammt, haben sie ihn im Parken Stadion besonders gefeiert. Ist er derjenige, der auf einen Preben Elkjaer Larsen, Flemming Povlsen oder Ebbe Sand folgt? Von der Veranlagung gibt Højlund einen Vollblutstürmer. Trainer Kasper Hjulmand verfasst gerne Elogen auf seine Spieler; die auf seine Nummer neun kommt aus tiefstem Herzen: "Er hat alles, um einer der besten Stürmer der Welt zu werden. Weil er aus Niederlagen seine Lehren zieht. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden, arbeitet härter als die meisten, will immer besser werden und glaubt an sich." 

    Hört sich auch noch nach Schwiegermutters Liebling an. Hjulmand hielt es trotzdem für besser, bei der WM 2022 in Katar noch auf den Youngster zu verzichten, der jenen Winter nutzte, um seine körperlichen Defizite aufzuholen. Schnell war er immer, nun ist er auch robust geworden.

    Im zähen Auftaktspiel gegen Slowenien (1:1) war offensichtlich, dass der Blondschopf nie richtig Ruhe gibt. Dass er immer macht und versucht, sich so einzubringen, dass sich eine Lücke auftut. Doch durchschlagskräftig war der Mittelstürmer mit dem Bubi-Gesicht bei seiner Turnierpremiere nicht. Ganze 29 Ballkontakte und nur ein Abschluss – Keeper Jan Oblak vereitelte seine beste Chance – standen in seiner Bilanz. Da geht definitiv noch mehr. Vielleicht hilft es ja, wenn sich Højlund noch mal Filme seines Lieblingsschauspielers Chris Hemworth anschaut, den er nicht nur wegen dessen blauen Augen verehrt. Ihm hat angeblich auch imponiert, wie dieser im Kinostreifen "Thor" den Superhelden spielt, der am Ende alle besiegt. Ist er jetzt derjenige, der das Mutterland des Fußballs in die Knie zwingt?

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