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FC Augsburg

13.03.2019

Alexander Manninger über seine FCA-Zeit: "Hätte gerne weitergemacht"

Alexander Manninger verabschiedet sich im Mai 2016 von den Augsburger Fans. Das Aus beim FCA kam für ihn aber überraschend.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Seinen Abschied vom FC Augsburg hatte sich der Österreicher ganz anders vorgestellt. Der FC Liverpool profitierte jedoch davon.

Hallo Herr Manninger, am Mittwoch spielt ihr Ex-Klub, der FC Liverpool, in der Champions League beim FC Bayern. Wer kommt weiter?

Alexander Manninger: Ich drücke natürlich Liverpool die Daumen. Aber es steht 50:50. Vor drei Wochen hätte ich gesagt: Liverpool gewinnt, Bayern hat keine Chance. Ich habe auch gedacht, dass Liverpool zu Hause gewinnt. Aber mittlerweile hat Liverpool ein paar Prozent an seinem Lauf verloren und Bayern ist im Aufwind, was mich nicht überrascht. Es steht wirklich 50:50.

Was passiert, wenn Jürgen Klopp mit Liverpool ausscheidet?

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Manninger: Mit dem Aufwand, den er betreibt, muss er fast gewinnen. Das weiß er. Aber was er in Liverpool macht, ist nachhaltig. Bei Juventus Turin zum Beispiel ist das anders. Da ist es ein Zwei-Jahres-Projekt. Wenn da in dieser Saison oder in der nächsten die Champions League nicht gewonnen wird, fällt das Kartenhaus um Cristiano Ronaldo zusammen. Dem FC Liverpool traue ich zu, dass er in fünf Jahren immer noch eine Mannschaft auf diesem Level hat, Juventus nicht.

Sie haben von 2008 bis Juni 2012 bei Juventus gespielt, dann waren Sie vier Monate ohne Verein, ehe der FCA Sie kontaktierte. Erzählen Sie mal...

Manninger: Ich war 35 und ich war italienmüde. Es ist ein wunderschönes Land, ich hatte zehn super Jahre, hatte tolle Vereine, aber es ist auch viel passiert, auf das ich selbst keinen Einfluss hatte. Mit 25 macht man das mit, aber irgendwann wollte ich diese Umwege, dieses Komplizierte nicht mehr. Ich wollte noch einmal wohin, wo ich etwas bewegen kann. Anfang November war ich dann noch ohne Verein und der FCA war plötzlich am Telefon.

"Als erstes hat mich Torwarttrainer Zdenko Miletic angerufen"

Wer hat Sie angerufen?

Manninger: Als erstes Torwarttrainer Zdenko Miletic. Er hat gesagt: Mir fällt der Simon Jentzsch aus und sie würden neben dem Mo Amsif noch einen gestandenen Torhüter brauchen. Der damalige Manager Jürgen Rollmann hat dann grünes Licht gegeben. Ich habe mir das bis zum Winter angeschaut, gegen Bayern im Pokal gespielt. Danach hatte ich ein langes Gespräch mit Trainer Markus Weinzierl. Ich habe ihm gesagt: Ich habe schon viel erlebt und ich spüre, da ist was drinnen in der Mannschaft. Wir sind mit dieser Saison noch nicht fertig, auch wenn wir nur neun Punkten zu Weihnachten haben. Wenn ihr wollt, bleibe ich.

Aber Rollmann war nicht mehr lange da, er wurde Anfang Januar 2013 durch Stefan Reuter ersetzt.

Manninger: Jürgen Rollmann hat keine schlechte Arbeit gemacht, aber wenn man den FCA jetzt sieht, war es keine schlechte Entscheidung, auf dieser Position was zu tun. Der FCA ist mittlerweile ein gestandener Bundesligist. Man soll die Kirche im Dorf lassen, aber ohne Stefan Reuter wäre das wohl nicht möglich gewesen. Ich habe noch kalte Duschen nach dem Training im Winter in der Rosenau erlebt.

Alexander Manninger im März 2019 vor dem Untersberg, dem Hausberg Salzburgs.
Bild: Robert Götz

Reuter hat an Markus Weinzierl festgehalten, hatte auch das Vertrauen von FCA-Chef Walther Seinsch…

Manninger: Und später auch das von Klaus Hofmann. Er hat Rückendeckung bekommen, für gute Arbeit. Hut ab und größten Respekt vor dieser Arbeit.

Besonders ein Spiel hat Sie in die Herzen der FCA-Fans katapultiert. Können Sie sich noch an den 18. Mai 2013 erinnern? Es war das letzte Saisonspiel gegen Greuther Fürth. Sie mussten gegen die schon abgestiegenen Fürther gewinnen, um direkt in der Bundesliga zu bleiben. Es lief die 5. Minute...

Manninger: Diese Minuten bleiben mir mein ganzes Leben in Erinnerung.

Es gab Elfmeter für Fürth. Edgar Prib verwandelte zunächst zum 0:1, doch er musste wiederholt werden. Sie haben ihn gehalten. Am Ende gewann der FCA 3:1 und blieb in der Liga…

Manninger: Genau so war es. Es hat so sein müssen, dass dieses Spiel so ausgeht. Ich habe erst vor ein paar Tagen mit Tobi Werner geschrieben, der damals dann das 1:0 erzielt hat. Für solche Momente spielt man Fußball und dafür geht man als Fan ins Stadion.

Der Zeitpunkt des Abschieds-Gesprächs "ging einfach nicht"

Später kamen die Europa League und dann Ihr letztes Spiel am 16. Mai 2016 gegen den Hamburger SV...

Manninger: Stimmt. Der FCA hatte mir erst zwei Tage vor dem Spiel mitgeteilt, dass sie nicht mehr mit mir planen. Das Gespräch war sehr bitter. Stefan Reuter und Michael Ströll waren sehr professionell. Da gibt es keinen Vorwurf, aber der Zeitpunkt ging einfach nicht. Wenn man verjüngen will oder anders plant, weiß man das vier oder sechs Wochen vorher. Das ist verständlich, aber nicht zwei Tage vor dem Spiel und eventuell zwei Tage vor dem Karriereende. Das hätte man spüren müssen, dass man so nicht mit einem 39-Jährigen umgeht.

Das letzte Spiel: Alexander Manninger kam in der 83. Minute für Marwin Hitz.
Bild: Ulrich Wagner

Sie wurden dann in der 87. Minute eingewechselt…

Manninger: Ich wurde gefragt, ob ich in der Halbzeit rein will. Das wollte ich nicht, das wäre gespielt oder gestellt gewesen. Dann habe ich zu unserem Torwarttrainer Zdenko Miletic gesagt, wenn wir was machen, dann machen wir es kurz vor Schluss. Es soll mit dem Spiel nichts mehr zu tun haben. Dann haben wir das so gemacht. Es war auch mein Dankeschön an die Stadt, an den Verein und an die Fans.

Sie hätten also weiter gemacht...

Manninger: Ja. Wir waren damals mit Marwin Hitz, dem Mile als Torwarttrainer, der eine super Arbeit macht und dem ich viel zu verdanken habe, und dem Ioannis Gelios ein gutes Team. Diese Mischung hat gepasst. Ich hätte gerne noch weitergemacht. Aber jetzt ist alles gut. Ich war auch bei der Premiere des FCA-Filmes „90 Minuten“.

Der FCA und seine Torhüter. Das scheinen immer schwierige Beziehungen zu sein.

Manninger: Ich verfolge die Bundesliga nicht mehr so intensiv. Nur noch die Ergebnisse. Es ist keine leichte Saison, aber ich hoffe, der FCA bleibt drin.

Bei den Fans war Alexander Manninger äußerst beliebt.
Bild: Ulrich Wagner

Der FCA war mit dem misslungenen Abschied auch mitverantwortlich, dass Sie im Sommer 2016 noch zum FC Liverpool gewechselt sind...

Manninger: Mich hat nach vier Wochen ein Berater angerufen: Alex, hast du Lust? Es gibt da eine Idee, es würde noch einmal höchstes Level sein. Mein Abgang aus Augsburg ist mir immer noch im Magen gelegen, so wollte ich meine Karriere eigentlich nicht beenden. Dann habe ich zu ihm gesagt: Ich werde keine 50 Spiele mehr im Jahr spielen können, aber ich will noch einmal den Reiz spüren. Das Gespräch hat fünf Minuten gedauert. Eine Stunde später ruft er mich zurück: Es gibt konkretes Interesse vom FC Liverpool.

Waren Sie überrascht?

Manninger: Ich habe ihn gefragt: als Scout oder Torwarttrainer? Nein, hat er gesagt. Ich soll zwei junge deutschsprachige Torhüter, das waren der Belgier Simon Mignolet und der Deutsche Loris Karius, unterstützen und quasi als Puffer zwischen den beiden wirken. In einer Stunde würde mich einer vom Verein anrufen.

Das war dann Jürgen Klopp...

Manninger: Genau. Er kenne mich noch aus meiner Augsburger Zeit gegen Dortmund. Das Gespräch hat eine Stunde gedauert. Drei Tage später war ich in Liverpool, fünf Tage später war ich im Trainingslager in der USA. Das war der Abschluss, den ich mir vorgestellt habe.

War es nicht eine schwierige Aufgabe für Sie?

Manninger: Am Anfang schon. Ich war von Augsburg weg und schon vier Wochen im Urlaub. Es musste aber gehen, denn ich wollte dem Klub helfen. Ich wurde fit, ich musste einige Vorbereitungsspiele machen, weil der Karius zu Beginn verletzt war. Es war richtig interessant. Es war alles schon sehr deutschlastig mit vier, fünf Spielern und dem Trainerstab. Ich habe mich richtig wohlgefühlt. Die Torhüter-Situation ist voll aufgegangen, wir sind Vierter geworden, haben die Champions League erreicht und ich habe noch einmal mit Ragnar Klavan zusammenspielen können. Aber um die Jahreswende herum habe ich gemerkt: Es reicht.

Sie haben dann Ihre Karriere im Sommer 2016 beendet und sind nach Salzburg zurückgekehrt. Was macht Alexander Manninger fast zwei Jahre nach seinem Karriereende?

Manninger: Nach über 20 Jahren im Ausland habe ich auch als gebürtiger Salzburger erst einmal wieder Fuß fassen müssen. Ich habe nur das erste Jahr gebraucht, um meine neu gekaufte Wohnung umzubauen. Das war eine super Aufgabe, weil ich mich da als gelernter Tischler verwirklichen konnte. Und ansonsten mache ich jetzt das, was ich als Fußballprofi nicht machen konnte. Ein Wochenende genießen, wenn auch Freunde und Bekannte frei haben.

Haben Sie ausgesorgt?

Manninger: Was heißt ausgesorgt? Ich sage es so: Als Profi-Fußballer kannst du in relativ kurzer Zeit zu viel Geld kommen. Aber nach der Karriere hast du auch viel Zeit und du musst daraus etwas machen. Da hat mir meine Tischler-Ausbildung sehr geholfen, weil ich immer sehr am Wohnen allgemein interessiert war. Und in diesem Bereich - Immobilien, Grundstücke, Vermietung - habe ich mir eine große Stütze aufgebaut. Es ist Arbeit, ich bin teilweise Hausmeister, es ist aber auch mein Einkommen. Denn auf das Level, auf dem du wirklich ausgesorgt hast, kommen nur ganz wenige.

Was bringt die Zukunft?

Manninger: Ich will jetzt gar nicht mehr sagen, dass ich mit dem Fußball nichts mehr zu tun haben will. Vielleicht nicht direkt am Rasen, sondern eher in einer Beraterfunktion, in der Kaderplanung, vielleicht als Teammanager. Solche Sachen. Wo man sagt, man kann in Zusammenarbeit mit Mannschaft und Vereinsführung etwas bewegen. Es muss einfach das Richtige sein. Es muss so passen wie beim Entscheid für den FCA oder für Liverpool.

Als Fußballprofi haben Sie in Salzburg nie Fuß gefasst. In Ihrer Vita steht nur ein Jahr RB Salzburg in der Saison 2005/2006. Warum?

Manninger: Es ist eine einzigartige Firma, ein einzigartiger Verein, ein einzigartiges Umfeld, aber total strategieorientiert. Red Bull war damals neu im Fußball und die Idee dahinter war, mich als Salzburger sozusagen als verlorenen Sohn zu präsentieren. Es hat nicht funktioniert. Ich bin da keinem böse, ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen.

Wie sehen Sie das Red-Bull-Projekt Fußball in Salzburg heute?

Manninger: Man hat einen wahnsinnigen Background und mittlerweile stimmt auch die Strategie. In der Akademie junge Spieler fördern, trotzdem selber guten Fußball spielen. Das Paket stimmt.

In Leipzig wird das ja noch viel extremer betrieben. Ist das Ihre Welt?

Manninger: Vielleicht wäre sie es, wenn ich jetzt in diesem Alter wäre. Aber ich bin einer der alten Generation. Wir sind halt nach einer Niederlage mal eine Stunde Laufen gegangen. Da gab es noch kein Handy in der Kabine. Die gab es zu Beginn meiner Karriere gar nicht und als es sie gab, war das Telefon tabu. Das geht jetzt nicht mehr. Du kannst nach einer Niederlage die Jungs nicht nur laufen lassen oder die Handys einsammeln. Wenn du das zweimal machst, sitzt du alleine in der Kabine. Das ist auch ein Grund, warum ich noch nicht im Fußball tätig bin. Weil ich diesen Wandel noch nicht ganz akzeptiert habe.

Wenn man sich vorstellt, dass ein Balotelli sich nach einem Tor auf dem Spielfeld sein Handy schnappt und den Jubel live auf Instagram postet…

Manninger: Damit tue ich mich schwer. Ich bin im Fußball so aufgewachsen, dass es eine Hierarchie gibt, dass der ältere Spieler mehr als der junge zählt, dass man gewisse Regeln einhalten muss, dass der Trainer Lehrer, aber auch der Chef ist. Und wenn diese Hierarchie nicht mehr stimmt, tue ich mich schwer. Wenn Spieler, aber auch Trainer oder Funktionäre glauben, mehr wert zu sein als der Verein, kommt es zu Problemen. Das wollen die Leute nicht wahrhaben, aber es gibt zig Beispiele.

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13.03.2019

Ein weiteres Beispiel, dass Reuter, Ströll & Co. in den Aufgabenfeldern "Führungskometenz" und "soziale Kompetenz" noch erheblich Luft nach Oben haben.

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