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FC Augsburg

30.11.2020

Analyse: Ballbesitz bleibt ein Problem des FCA - auch unter Heiko Herrlich

Wohin mit dem Ball? FCA-Linksverteidiger Iago sucht einen Anspielpartner. In eigenem Ballbesitz offenbarte der FC Augsburg gegen den SC Freiburg (rechts Lucas Höler) Schwächen.
Bild: Christian Kolbert

Plus Wo die Stärken und Schwächen des FC Augsburg liegen, hat sich im Spiel gegen den SC Freiburg einmal mehr gezeigt. Was sich offensiv beim FCA ändern muss.

Als Trainer Heiko Herrlich Mitte März den FC Augsburg als Cheftrainer übernahm, sollte er erklären, für welche Art Fußball er denn stehe. Seine Mannschaften hätten immer „Biss“ und Leidenschaft“ gezeigt, antwortete Herrlich damals, die Spieler hätten auf dem Feld mit- und füreinander gearbeitet. All dies ließ sich zweifelsohne in neun Bundesliga-Spielen der laufenden Saison beobachten. Zusammenhalt und Einstellung innerhalb des FCA-Teams sind vorhanden. Herrlich sagte bei Amtsantritt aber auch: „Egal, wo ich war, wir haben uns immer sehr viele Torchancen herausgespielt. Das sind Elemente, die ich hier reinbringen möchte.“ Daran gemessen, hakt es beim FC Augsburg. Und das gewaltig. Im Heimspiel gegen den SC Freiburg (1:1) offenbarte Herrlichs Mannschaft einmal mehr ihre Schwäche: In eigenem Ballbesitz fehlen Kreativität und Ideen.

Welche Ausgangslage fand Heiko Herrlich beim FC Augsburg vor?

Herrlichs Vorgänger Martin Schmidt hatte eine klare Vorstellung, in seiner Taktik spielte Ballbesitz eine untergeordnete Rolle. Seine Mannschaft sollte weit weg vom eigenen Tor verteidigen, den Gegner unter Druck setzen, den Ball erobern, den Gegenangriff einleiten und innerhalb weniger Sekunden den Torabschluss suchen. Entsprechend stellte der Schweizer seinen Kader zusammen. Im defensiven Mittelfeld setzte er auf Zweikämpfer, offensiv auf schnelle Außenbahnspieler (O-Ton Schmidt: „Rennmaschinen“). Zentrale Kreativspieler waren bei ihm weniger gefragt.

Welche Entwicklungen sind beim FCA unter Heiko Herrlich zu erkennen?

Als Herrlich den FCA übernahm, musste er vordergründig die Gegentorflut eindämmen. Positiv bemerkbar machte sich der Torwartwechsel, vor allem aber die gewonnene Kompaktheit zwischen den Mannschaftsteilen. Unter Schmidt waren sich die Spieler auf dem Platz oft uneinig, wann sie angreifen und wann sie sich zurückziehen sollten. Lücken entstanden, die in Gegentore mündeten. Jetzt wirkt das Konstrukt des FCA stabil, Großchancen des Gegners lässt der Bundesligist kaum zu. Zudem wurden mit Daniel Caligiuri und Tobias Strobl Spieler verpflichtet, die für gepflegtes Passspiel und Ruhe am Ball stehen.

Auf welcher Idee basiert das Offensivspiel des FCA jetzt?

An der grundlegenden Ausrichtung hat sich unter Herrlich nichts geändert, der FC Augsburg steht weiterhin für kompaktes Verteidigen, Balleroberung und Umschaltspiel. Prinzipiell ist daran nichts Verwerfliches, die Zeiten, als Ballbesitz das Qualitätskriterium für erfolgreichen Fußball war, sind längst vorbei. Dass diese Form von „Außenseiterfußball“ erfolgreich sein kann, zeigte der FCA beim Erfolg gegen Dortmund und dem Punktgewinn in Mönchengladbach.

Der FCA verbucht wenig Torchancen, erzielt wenig Treffer und steht dennoch auf Platz acht. Wie passt das zusammen?

Keine Mannschaft unter den ersten 13 Teams der Bundesliga hat seltener getroffen als der FC Augsburg (11). Heißt: Der FCA benötigt wenige Torchancen und agiert ungemein effektiv, jeder Treffer wirkt sich unmittelbar auf Punkte aus. Daraus resultierend ist die Abhängigkeit groß: einerseits von gefährlichen Standardsituationen, andererseits von gelungenen Einzelaktionen. Für Überraschungsmomente und Torgefahr sorgte in den vergangenen Spielen vorwiegend ein Akteur: der Schweizer Ruben Vargas.

Der FC Augsburg hat durchschnittlich über 40 Prozent Ballbesitz pro Spiel. Was sagt dieser Wert aus?

Diese Zahl liest sich grundsätzlich gut. FCA-Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter betonte nach der Partie gegen Freiburg, dass die Mannschaft Fortschritte gemacht habe. „Ich erinnere mich an Spiele gegen Freiburg, in denen wir 25 Prozent Ballbesitz hatten. Wir haben jetzt ganz andere Ballbesitzzeiten.“ Wobei Ballbesitz an sich wenig Aussagekraft hat. Entscheidend ist nicht, dass eine Mannschaft den Ball hat, sondern was sich daraus entwickelt. Als die Freiburger nicht mehr so intensiv anliefen, trauten sich die Abwehrspieler flache Pässe ins Mittelfeld zu. Diese jedoch suchten mit ihren Anspielen nicht die Offensivspieler, sondern schickten den Ball vorwiegend nach links, rechts oder wieder zurück. Das hatte mit Sicherheitsdenken zu tun, aber auch mit fehlenden Anspielstationen im Angriff.

Was muss der FCA in eigenem Ballbesitz verändern?

Die Spieler müssen nicht nur den Willen zeigen, im Verbund zu verteidigen, sie müssen auch im Verbund angreifen wollen. Oft fehlt der Mut, Offensivspieler zu unterstützen. Priorität genießt die Defensiv-Denke – um gestaffelt zu stehen und auf einen eigenen Ballverlust vorbereitet zu sein. Dass die Außenverteidiger oder zentralen Mittelfeldspieler sich an Angriffen beteiligen, muss zur Normalität werden. Und: Kreativität basiert nicht zwingend auf dem Können einzelner Spieler, Kreativität lässt sich ebenso künstlich über einstudierte Spielzüge und Ballstafetten erzeugen. Stürmer, die als „Wandspieler“ den Ball prallen lassen sind eine Möglichkeit, Doppelpässe und das Hinterlaufen des Mitspielers zwei weitere.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.11.2020

Gute Analyse. Ein gravierendes Problem ist in der Tat das Scharnier Mittelfeld/Angriff. Hier fehlen einstudierte Sequenzen, Kreativität und Spontaneität.

Permalink
30.11.2020

Letzte Saison hatten wir am 9. Spieltag nur 10 Treffer erzielt, aber 21 kassiert und damit nur 7 Punkte erreicht.
Ergebnis war Platz 17! Da ist mir das was bisher erreicht wurde wesentlich lieber, wenn auch noch nicht alles stimmt.
Letzte Saison hätten wir so ein Spiel, wie das am Samstag gegen Freiburg, nach dem 0:1 nie mehr ausgeglichen.

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