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Fußball

19.12.2014

André Hahn vor Duell mit dem FCA: „Ich freue mich riesig“

André Hahn kehrt mit Borussia Mönchengladbach zu seinem Ex-Club zurück, dem FC Augsburg.
Bild: Imago Sportfotodienst

André Hahn kehrt am Samstag mit Mönchengladbach nach Augsburg zurück. Er erzählt, wie er seinen Ex-Verein beurteilt, warum er ihn verlassen hat und was bei der Borussia anders ist.

Haben Sie Ihre Weihnachtsgeschenke schon gekauft?

Hahn: Ja, ich habe fast alles.

Wirklich? Sie stehen doch mit Gladbach im Dauerstress: Bundesliga, Pokal, Europa League. Wenn Sie am Samstag beim FC Augsburg spielen, wird das Ihr 27. Pflichtspiel in dieser Saison sein.

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Hahn: Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Zwischendrin habe ich schon ein paar Stunden Zeit gefunden. Die Hinrunde hatte es aber wirklich ganz schön in sich. Aber es gibt doch nichts Schöneres, als viele Spiele zu haben und deshalb weniger zu trainieren. So langsam merkt man die Belastung aber schon.

Diese Intensität mit den vielen Wettbewerben war ja auch ein Grund, warum Sie den FCA verlassen haben, um den „nächsten Schritt“ zu machen, oder?

Hahn: Natürlich sind das große Erfahrungen. Es ist schon interessant zu sehen, was da bei den Auswärtsspielen in den fremden Stadien mit den Fans abläuft.

Gibt es große Unterschiede zur Bundesliga?

Hahn: Die Stadien sind anders gebaut und die Atmosphäre ist oft ganz anders. Die Fans in Sarajevo waren wirklich verrückt drauf. Die haben 90 Minuten in einer Lautstärke durchgesungen, das war Wahnsinn.

Die Bundesliga-Vorrunde ist fast beendet. Wie lautet Ihr Fazit?

Hahn: Ich denke, ich bin gut angekommen. Ich stand bei zwölf von 16 Punktspielen in der Startelf. Das haben mir viele nicht zugetraut, was ich so mitbekommen habe. Da wurde mir zum Teil prophezeit, dass ich nur auf der Bank sitzen werde. Ich habe das Gegenteil bewiesen. Dass man in Gladbach nicht immer spielt, ist klar. Wir haben hier einen Riesenkonkurrenzkampf, gerade auf meiner Position.

Ist dieser immens harte Kampf um einen Stammplatz der große Unterschied zum FCA?

Hahn: Dass der FCA Qualität hat, steht außer Frage. Aber ich glaube, dass Gladbach einfach in der Breite des Kaders besser besetzt ist und damit die Konkurrenz innerhalb der Mannschaft noch härter ist. Zudem ist das ganze Umfeld, das Stadion zwei, drei Nummern größer.

Wie wirkt sich das aus?

Hahn: Im Sommer waren bei jedem Training 150 bis 200 Fans, das ist schon eine ganz andere Hausnummer. In den Ferien war es ganz extrem, da hat man manchmal 20 Minuten vom Trainingsplatz in die Kabine gebraucht. Gerade bei den Kleinen versucht man jeden Autogramm- oder Fotowunsch zu erfüllen. Es ist fast nicht zu glauben. Früher stand ich da selbst, jetzt werde ich gefragt.

Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass das große Transferkarussell sich auch für Sie zu drehen begann. Wie lief das ab?

Hahn: Ich habe sehr viel mit dem Trainer und dem Manager gesprochen. Jeder wusste über die Situation Bescheid. Der FCA hat sich sehr um mich bemüht.

Hat man versucht, Ihnen die Ausstiegsklausel abzukaufen?

Hahn: Über solche Details rede ich nicht. Natürlich wurde mir ein neuer Vertrag angeboten.

Ihre Ausstiegsklausel war ein Glücksfall. Die hatte Ihr Vater, der bei Ihrem Wechsel von Offenbach zum FCA noch Ihr Berater war, einbauen lassen. Welch eine Weitsicht ...

Hahn: Es ist ja kein Geheimnis, dass Spieler solche Klauseln in ihren Verträgen haben. Ich muss aber ehrlich sagen, die Klausel war wirklich nicht wichtig, als ich damals zum FCA wechselte. Als sie drin stand, habe ich mir nur gedacht: Wer will mich denn für diese Summe kaufen? Sie erschien mir so unheimlich hoch. Ich dachte damals nie daran, dass ich in so kurzer Zeit von so etwas Gebrauch machen würde.

Warum fiel Ihre Wahl auf Gladbach?

Hahn: Weil sich Gladbach in den letzten Jahren super entwickelt hat. Der Weg der Borussia führt nach oben. Ich habe auch gedacht, dass ich vom Spielerischen hier sehr gut hin passe. Gerade auf das, was mir noch fehlt, wird hier sehr großen Wert gelegt.

Was fehlt Ihnen noch?

Hahn: Das Kurzpass-Spiel. Daran arbeitet der Trainer sehr viel, und da verbessere ich mich dann automatisch. Mich verbessern, dieser Wunsch treibt mich immer an.

Stichwort Trainer. Was ist der große Unterschied zwischen Lucien Favre und Markus Weinzierl?

Hahn: Jeder Trainer hat seine eigene Handschrift. Sie sind beide sehr, sehr gute Trainer. Es ist faszinierend, wie erfolgshungrig Lucien Favre in seinem Alter noch ist. Er will immer mehr, immer mehr.

Auf was legt er im Training besonders Wert?

Hahn: Auf die Genauigkeit. Wenn wir Abläufe oder Spielzüge trainieren und da stimmt etwas nicht, unterbricht er, erklärt es und es geht wieder von vorne los.

Sie wurden als FCA-Spieler sogar noch Nationalspieler. Am 13. Mai spielten Sie bei der WM-Generalprobe gegen Polen (0:0)die zweite Halbzeit. Seitdem wurden Sie nicht mehr eingeladen. Gibt es noch Kontakt?

Hahn: Zurzeit nicht. Ich habe auf meiner Position extrem starke Konkurrenz. Da spielen Weltklasse-Leute. Ich biete mich weiter an, gebe Vollgas und versuche, durch gute Leistungen auf mich aufmerksam zu machen.

Am Samstag kommen Sie nach Augsburg zurück. Wie glauben Sie, werden Sie in der SGL-Arena empfangen?

Hahn: Das ist schwierig zu sagen. Ich hoffe nicht, dass es viele Pfiffe gibt. Natürlich waren einige Fans enttäuscht, dass ich gewechselt bin. Sie haben mich großartig unterstützt, aber ich habe dem FCA auch etwas zurückgezahlt. Ich freue mich riesig auf dieses Spiel und darauf, wieder in diesem Stadion zu stehen. Ich hoffe, dass alles positiv abläuft.

Gibt es noch Kontakt zum FCA?

Hahn: Ja, zu Sascha Mölders und Ronny Philp. Mit den beiden komme ich sehr gut klar. Wir telefonieren ab und zu oder schicken uns gelegentlich eine SMS.

Sascha Mölders war Ihr Zimmerkollege bei den Auswärtsspielen und er hat Ihnen immer prophezeit, dass Sie es weit bringen können.

Hahn: Ja, er hat recht behalten.

Was sagen Sie zu der Entwicklung beim FCA?

Hahn: Ich habe sehr viel Respekt vor dieser Mannschaft, vor dem ganzen Verein, wie er sich stabilisiert hat in der Bundesliga.

Sie kennen den FCA bestens. Es wird viel von Teamgeist und Solidarität gesprochen. Wird das wirklich gelebt?

Hahn: Es ist genauso. Beim FCA spielen keine Spieler mit ganz großen Namen. Aber der FCA hat einen richtig guten Kader, der eng zusammensteht. Man kann in Ruhe arbeiten, die Jungs sind alle auf dem Boden geblieben und es stellt sich keiner über den anderen. Daher kommt die mannschaftliche Geschlossenheit. Da kann man nur den Hut vor ziehen.

War der FCA genau der richtige Verein zum Einstieg in die Bundesliga?

Hahn: Es hätte keinen besseren Verein geben können.

Wie sieht Weihnachten bei Ihnen aus?

Hahn: Wir fahren zuerst nach Hause zur Familie und dann fliegen wir nach Abu Dhabi.

Das ist ein Gegensatz. Das stürmische und kühle Otterndorf an der Nordsee und dann das heiße Abu Dhabi …

Hahn: Das Klima an der Nordsee bin ich gewöhnt. Das ist auch nicht so wichtig. Ich freue mich einfach auf die Familie und die Freunde. Und in Abu Dhabi hat es angenehme 25 Grad.

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