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FC Augsburg

01.07.2018

André Hahn: "Wie wenn ich nach Hause kommen würde"

André Hahn ist zurück in der Augsburger Arena, seinem Wohnzimmer. Beim FCA entwickelte er sich zum Nationalspieler, hier will er wieder an alte Leistungen anknüpfen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

André Hahn, der in der Nähe von Hamburg aufgewachsen ist, erklärt, warum er beim HSV gescheitert ist und was Augsburg für ihn zur zweiten Heimat macht.

Als André Hahn im Januar 2013 von den Offenbacher Kickers zum FC Augsburg wechselte, da war für ihn und seine Freundin Ragna schnell die passende Wohnung in der Jakobervorstadt gefunden. Fraglicher war damals, ob sich der Drittliga-Stürmer in der Bundesliga durchsetzen könnte. Fast fünfeinhalb Jahre später ist bei seiner Rückkehr Letzteres klar beantwortet.

Hahn wurde beim FCA zum Nationalspieler und trat mit Borussia Mönchengladbach in der Euro-League und in der Champions-League an, absolvierte bisher 139 Bundesligapartien. „Ich muss mich zwar nach dem letzten Jahr erst selbst wieder finden, aber ich denke schon, dass ich ein etablierter Bundesligaspieler bin“, erzählte er jetzt bei seinem ersten öffentlichen Medientermin für den FC Augsburg.

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Bild: Ulrich Wagner

Das letzte Jahr beim Hamburger SV, ein anderer Charakter hätte daran vielleicht zerbrechen können. André Hahn, 27, macht nicht den Eindruck. Hahn kommt aus Otterndorf. Dort an der rauen Nordseeküste fallen die Bewohner nicht gleich beim ersten Gegenwind um. Die niedersächsische Kleinstadt liegt östlich von Cuxhaven an der Elbmündung, rund 100 Kilometer von Hamburg entfernt.

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2008 zieht er mit 17 in die Großstadt, will sich beim Lieblingsverein seiner Kindheit vom Regionalligateam in den Bundesligakader hocharbeiten. Zwei Jahre später wird er beim HSV aussortiert, taucht in die Dritt- und Viertklassigkeit ab, ehe ihn FCA-Manager Stefan Reuter in Offenbach entdeckt, nach Augsburg holt, mit Rat und Tat zur Seite steht.

Hahn wird der Shootingstar, wechselt nach eineinhalb Jahren zu Borussia Mönchengladbach und kehrt im Sommer 2017 zum HSV zurück. Schon damals warb Reuter um den verloren Sohn. Den Kontakt zu Hahn hat er nie abreißen lassen. Mann schreibt sich auf WhatsApp, telefoniert manchmal. Damals umsonst. „Ich wollte näher bei meiner Familie sein, aber auch die Stadt und der großartige Verein haben mich gereizt“, erklärt Hahn.

Der Traum Hamburg entwickelt sich für Hahn zum Albtraum

Beim HSV ist er einer der Hoffnungsträger. Trainer Markus Gisdol baut auf ihn, mit seiner nicht gerade filigranen, aber kraftvollen Spielweise soll er mithelfen, den Traditionsklub endlich wieder zu alter Größe zu führen. Sechs Millionen Euro kostet Hahn Ablöse, er gehört zu den Top-Verdienern, soll rund drei Millionen Euro erhalten. Doch der Traum entwickelt sich zum Albtraum: „Manche Dinge passen zusammen, manche nicht. So ist es bei mir und dem HSV. Es hat früher schon nicht gepasst und es hat wieder nicht gepasst.“

Gisdol wird gefeuert, Interimstrainer Bernd Hollerbach gibt nur ein kurzes Gastspiel und der jetzige HSV-Trainer Christian Titz hat für ihn keine Verwendung. „Wenn man fast jede Woche reingerufen wird und es heißt, du hast wieder super trainiert, aber ich brauche einen anderen Spielertypen, dann weißt du, ich kann mich auf den Kopf stellen, ich kann machen, was ich will, da ist es einfach sehr schwierig“, erzählt Hahn. Auch das Chaos im Klub verderbe ihm den Spaß am Fußball.

Hahn: "Ich bin jetzt wieder mit offenen Armen empfangen worden"

Den will er nun in Augsburg wiederfinden. Als Reuter diesmal anklopfte, öffnete Hahn die Türe: „Es hat sich nicht über Wochen gezogen. Ich wusste, was ich bekomme, was hier Sache ist und gerade nach so einem Jahr, wie ich es erlebt habe, erleichtert es vieles“, schwärmt Hahn. Natürlich hat sich der FCA in den vier Jahren genauso weiterentwickelt wie Hahn selbst. Er hat seine Freundin Ragna geheiratet, ist Vater geworden, Sohn Julien Joel ist jetzt zweieinhalb. Eins habe sich beim FCA nicht verändert: das familiäre Umfeld. „Ich fühle mich, wie wenn ich nach Hause kommen würde. Ich hatte hier eine sehr intensive Zeit und bin jetzt wieder mit offenen Armen empfangen worden.“

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Bild: Stefan Puchner, dpa

Deshalb verzichtet Hahn auf viel Geld. Sein Gehalt beim HSV hätte sich, so schreiben Hamburger Medien, fast halbiert. Bei anderen Bundesligisten hätte er wesentlich mehr verdienen können. Beim FCA soll es in dieser Größenordnung liegen. Hahn sagt: „Es war mir von vorneherein bewusst, dass der FCA nicht die Mittel hat, wie der HSV, dass ich da verzichten muss. Ich habe aber in diesem Jahr gelernt, dass der finanzielle Aspekt nicht alles ist, dass der Wohlfühlfaktor und das Wohl der Familie entscheidend sind. Und wenn man ehrlich ist, verdient man trotzdem nicht schlecht.“

Auch sportlich fühlt sich Hahn nach mehreren Gesprächen mit Trainer Manuel Baum gleich wieder heimisch. „Er weiß, dass ich nicht der Spieler bin, der fünf Übersteiger macht und zehn Gegner aussteigen lässt. Ich bin einer, der sich reinhaut, in jeden Zweikampf geht, aber auch vor dem Tor gefährlich ist.“ Das FCA-Spielsystem ist ihm auf den Leib geschneidert. Aggressives Pressing, Balleroberung, schnelles Umschaltspiel – Hahn will an seine Leistung, die ihn zum Nationalspieler gemacht hat, wieder anknüpfen.

Doch es gibt ein Problem. Anders als 2013 ist der Immobilienmarkt fast leer gefegt. Augsburg hat sich wie der FCA zu einer gefragten Adresse entwickelt. Anders als in Hamburg, kommt diesmal auch die Familie mit. Es soll ein Einfamilienhaus im Grünen mit Garten sein. Hahn will nichts überstürzen: „Wir müssen uns wohlfühlen. Ich bin nicht gekommen, um nach einem Jahr wieder zu gehen.“

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