Newsticker

Auseinandersetzungen bei Protesten gegen die Corona-Politik in Rom
  1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Augsburg
  4. Baier weg, Luthe degradiert: Was planen Stefan Reuter und Co.?

FC Augsburg

25.07.2020

Baier weg, Luthe degradiert: Was planen Stefan Reuter und Co.?

Auf Stefan Reuter und seine Kollegen in der sportlichen Führung des FCA kommen anstrengende Wochen und Monate zu. Sie müssen die Hierarchie der Mannschaft neu gestalten.
Bild: Carmen Jaspersen, dpa

Plus Nach der Trennung von Daniel Baier und der Degradierung von Andreas Luthe braucht die sportliche Leitung des Bundesligisten eine neue Führungsstruktur. Wer dafür infrage kommt.

Erst vor kurzem hat Stefan Reuter sein Profilbild beim Messengerdienst WhatsApp geändert. Jetzt ist dort ein witziges Selbstporträt von Udo Lindenberg mit einer Liedzeile aus seinem Song „Ich trag dich durch die schweren Zeiten“ zu sehen. Mit der Hand am Cello präsentiert der deutsche Sänger sein Motto: „Es ist nie zu spät, noch einmal durchzustarten.“

Nichts passt besser zu den angekündigten Umbauarbeiten, die der Sport-Geschäftsführer im Kader des Bundesligisten derzeit durchführt. Aber während Lindenberg mit feinem Werkzeug zeichnet, hat Reuter die Hierarchie der Mannschaft in kürzester Zeit mit der Abrissbirne demontiert.

Am Donnerstag vermeldete der Bundesligist die Trennung von Daniel Baier. In über einem Jahrzehnt entwickelte sich der inzwischen 36-Jährige nicht nur zum Mittelfeldmotor und zum Gesicht des FC Augsburg, sondern auch zu einem der Führungsspieler. So trug er seit 2017 die Kapitänsbinde. Baier verabschiedete sich mit einem emotionalen Beitrag in der Mannschafts-WhatsApp-Gruppe von seinen Kollegen. „Männer, bevor es offiziell wird, (...) ich habe meinen Vertrag aufgelöst“, begann die Nachricht und endete mit: „Es war mir eine Ehre, Euer Capitano.“

Andreas Luthe: Einer, dessen Wort in der Kabine Gewicht hatte

Ein offenes Geheimnis ist es auch, dass der Verein sich von einem zweiten Meinungsmacher trennen will: Andreas Luthe. Der Torhüter war nicht nur Kassenwart des Teams, sondern auch einer der Spieler, dessen Wort in der Kabine Gewicht hatte.

Doch wer könnte Nachfolger von Daniel Baier als Kapitän werden, und wie könnte die neue Hierarchie im Team aussehen? Wem traut die sportliche Leitung um Trainer Heiko Herrlich, Reuter selbst und Kaderplaner Timon Pauls die Führungsrolle am ehesten zu?

Da rücken zuallererst die drei Stellvertreter von Baier in den Fokus: Alfred Finnbogason, Jeffrey Gouweleeuw und Rani Khedira. Klarer Favorit bezüglich Kapitänsbinde ist dabei Khedira. Denn während der isländische Stürmer, 31, und der niederländische Innenverteidiger, 29, in der vergangenen Saison mehr mit sich selbst als mit dem Gegner zu kämpfen hatten, überzeugte der 26-jährige Khedira in der Mehrzahl seiner 32 Punktspiele sportlich. In fünf Partien führte er die Mannschaft auch schon als Kapitän auf das Feld. Zudem übernahm er gerade nach der Corona-Pause auch außerhalb des Platzes immer mehr Führungsaufgaben. Einziges Manko: Der FCA hat die Verhandlungen über einen neuen Vertrag – der alte endet im Sommer 2021 – derzeit ausgesetzt.

Max und Niederlechner sind Kandidaten auf die Kapitänsbinde

Von den sportlichen Leistungen her gesehen hätten den größten Anspruch auf die Kapitänsbinde Florian Niederlechner, 29, und Philipp Max, 26. Neuzugang Niederlechner schoss sich mit 13 Toren nicht nur in die Herzen der Fans, sondern erarbeitete sich damit auch den Respekt der Mitspieler.

Verlässt den FCA: Daniel Baier.
8 Bilder
Abschied von Daniel Baier: Seine Karriere in Bildern

Auch Philipp Max zählt zu den Gewinnern der Saison. Der Linksverteidiger stellte mit 14 Torbeteiligungen (acht Tore, sechs Assists) seinen persönlichen Bestwert aus der Spielzeit 2017/18 ein. Vom FCA wäre es sicherlich auch kein schlechter Schachzug, dem begehrten Profi (Vertrag bis 2022) mehr Verantwortung zu übertragen, um ihn noch mehr an den Verein zu binden. Problem: Max trat im Sommer, als die Wechselspekulationen explodierten, aus dem Mannschaftsrat aus, um „wieder zu sich selbst zu finden“, wie er dem Kicker sagte.

Vorstellbar ist aber auch, dass Trainer Heiko Herrlich einen der Neuzugänge als verlängerten Arm auf dem Platz installiert. Der Erfahrenste ist da sicher Daniel Caligiuri. Der 32-jährige Mittelfeldspieler trug die Kapitänsbinde im Saisonendspurt auch bei Schalke. Krisenmanagement ist er gewohnt. Das könnte in der kommenden Saison beim FCA von Vorteil sein.

FC Augsburg will wie Udo Lindenberg durchstarten

Denn erstmals seit Jahren haben Reuter und Co. Spieler, die tragende Säulen der Mannschaft waren, entfernt, um die Hierarchie neu aufzubauen. Viele Fans und auch die Öffentlichkeit werden diesen Prozess kritisch beobachten. Er enthält enorme Risiken, birgt aber auch die Chance, „durchzustarten“, wie es Udo Lindenberg besingt.

Vor einem Jahr trafen wir Daniel Baier zum Gespräch – über Profisport und Privatleben. Hier können Sie sich die Podcast-Folge anhören:

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

31.07.2020

Baier war überragent, aber eben war.
Der Umbruch ist alternativlos. Und ich halte sehr viel von Heiko Herrlich.
Der konnte im gegensatz zum Bergsteiger Schmid kicken. Auch denke ich dass junge Spieler unter Ihm eine Chance bekommen.
Als Spieler kann man zu Herrlich und Reuter aufschauen beim FCA. Die haben gezeigt wie man Meister wird.

Permalink
25.07.2020

Ist ja interessant, das man jetzt schon in der Zeitung abstimmt, wer Kapitän beim FCA werden soll. Es muss ja nicht immer der sportlich erfolgreichste sein. Er muss Führungsqualitäten haben und in der Mannschaft anerkannt sein. Zusammen mit der sportlichen Führung wählt dann die Mannschaft ihren Kapitän. Max, der in jede Saison mit einem Bein am Absprung ist, kann ja kein Kapitän sein. Luthe jetzt als "degradiert" zu bezeichnen, ist auch falsch, der "Neue" muss erst mal beweisen, dass er besser ist und das gelingt nur beim Training und im Spiel. Man braucht min. 2 gleichwertige Torhüter. Die Misere nach Hitz (oder schon während?) war doch das Torwart -Trainerteam, welche es nicht geschafft hat, die (eigentlich guten) Torhüter auf "Vordermann" zu bringen. Auch muss man sich fragen, warum die meisten Neueinkäufe oft durch Verletzungen ausfallen und /oder nicht in Mannschaftsgefüge passen. Hier muss man ganz klar Reuter kritisieren. So gut das am Anfang geklappt hat, in den letzten Jahre ist da ein ganz klarer Abschwung zu erkennen! Das zeigt einmal mehr der Umgang mit Baier.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren