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FC Augsburg

05.09.2020

Benjamin Leneis: Vom Lehrling zum Herausforderer

Hinter den etablierten Torhütern des FC Augsburg hatte Benjamin Leneis bisher kaum eine Chance. Doch er glaubt an seine Chance und will sein Ziel, die Nummer eins beim FCA zu werden, weiter verfolgen.
Bild: kolbert-press

Plus Seit 2018 ist der Torhüter beim FC Augsburg unter Vertrag, bisher kam er wenig zum Einsatz. Er hätte sich eine Ausleihe vorstellen können, doch der Verein setzt auf ihn.

Wäre es nach Benjamin Leneis gegangen, dann hätte der junge Torhüter gar nicht mehr eine Halbzeit im Testspiel gegen den SCR Altach im Tor des FC Augsburg gestanden. Als vor kurzem der Drittligist 1. FC Magdeburg über Berater Roman Rummenigge anfragen ließ, ob Leneis sich eine Leihe für ein Jahr vorstellen könne, da war der 21-Jährige kurz davor zuzusagen. "Ich habe jetzt zwei Jahre weniger gespielt, als geplant war.

Daher gab es schon die Überlegung, mich ausleihen zu lassen, um Spielpraxis auf einem höheren Niveau als in der Regionalliga zu bekommen", erzählt der Torhüter.

Seit er im Spätsommer 2018 beim FCA als Profi einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, saß er zwar bei neun Bundesligaspielen auf der Bank, doch zum Einsatz kam er nie. Spielpraxis konnte er sich nur in der U23 holen. 20 Partien bestritt er in zwei Jahren für den Profi-Unterbau in der Regionalliga.

Manuel Baum nahm ihn gleich mit zum Spiel gegen Mainz

Zu wenig für den ehrgeizigen Torhüter und seine Entwicklung. Dabei war das alles etwas anders geplant. Leneis sollte im ersten Jahr langsam an das Profi-Dasein herangeführt werden, bei den Profis trainieren, unten spielen. Doch die Entwicklung verlief viel rasanter. Ob besser, wird die Zukunft zeigen.

Leneis hatte den Profivertrag noch gar nicht unterschrieben, da nahm ihn der damalige Trainer Manuel Baum schon zum Auswärtsspiel in Mainz mit. Am 15. September 2018. Es war das dritte Saisonspiel. Fabian Giefer war die Nummer eins, Ersatztorhüter Andreas Luthe fiel kurzfristig aus. "Ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Es war aufregend. Das erste Mal mit der Mannschaft zu fliegen, sich im Stadion vor so vielen Zuschauern aufzuwärmen, einzulaufen. Ich hatte Lust, gleich selbst auf dem Platz zu stehen und zu spielen", erinnert sich Leneis.

In der Winterpause nur die Nummer vier beim FCA

Daraus wurde aber nichts. Zwar patzte Giefer bei der 1:2-Niederlage in Mainz und bei der darauffolgenden Heimniederlage gegen Bremen derart, dass Baum Luthe ins Tor beorderte, doch für Leneis änderte sich nicht viel. Außer dass er auch in der 2. Mannschaft kaum zum Spielen kam. Als der FCA in der Winterpause Gregor Kobel verpflichtete, war Leneis nur noch die Nummer vier. Dennoch arbeitete der gebürtige Münchener, der in Paar, einen Ortsteil von Kühbach (Landkreis Aichach-Friedberg) aufgewachsen ist, weiter hart. Aber auch in der vergangenen Saison blieb ihm nur die Rolle des Lehrlings. Der FCA hatte mit Tomas Koubek einen neue Nummer eins verpflichtet, mit Luthe und Giefer zwei erfahrene Ersatzleute.

Es wurde eine aufregende Spielzeit gerade auf der Torhüterposition. Und das nicht nur wegen der Corona-Epidemie. Koubek erfüllte nicht die Erwartungen, wurde durch Luthe abgelöst. Am Ende der Saison war Leneis einmal Ersatz im Bundesligakader, spielte in der 2. Mannschaft kaum, auch weil er sich am Sprunggelenk verletzt hatte. Leneis kam ins Grübeln. Doch die FCA-Verantwortlichen machten ihm klar, dass er fester Bestandteil im Zukunftskonzept des Vereins ist.

Wir haben FCA-Stürmer Florian Niederlechner getroffen – und mit ihm über die kommende Bundesliga-Saison gesprochen. Hier können Sie sich die Podcast-Folge anhören:

"Herr Reuter, Herr Herrlich und Herr Barbuscak haben mich angerufen und gesagt, dass sie mit mir planen und dass ich den Schritt über Magdeburg nicht gehen muss. Ich bekomme meine Spielzeiten in der Vorbereitung und kann mich unter dem neuen Torwarttrainer weiterentwickeln. Das hat mich überzeugt." Die Akte Magdeburg war damit geschlossen.

Neue Ansprachen, neue Übungen, neue Impulse

Leneis konzentriert sich auf seine Entwicklung, die jetzt der neue Torwarttrainer Kristian Barbuscak verantwortet, der den altgedienten Zdenko Miletic ersetzte. Der junge Torhüter scheint von der neuen Ansprache, den neuen Übungen, den neuen Impulsen zu profitieren. Er sagt: "Ich habe unter Zdenko Miletic fangtechnisch viel gelernt. Er hat mir beigebracht, dass ich mich körperlich durchsetzen muss, dass ich keine Angst haben soll, egal welcher Spieler vor mir steht. Aber es ist ganz normal, dass das Training schon sehr auf Andi Luthe, also auf die Nummer eins, zugeschnitten war. Herr Barbuscak legt etwas mehr Wert auf das moderne Torwartspiel, das mir entgegenkommt." Das zeigte Leneis auch gegen Altach. Das Gegentor zum 2:3 nach einer Ecke war nicht zu halten, Felix Uduokhai hatte seinen Gegenspieler nicht unter Kontrolle. Er versucht lautstark zu dirigieren, offensiv mitzuspielen.

So hat er es im FCA-Nachwuchsleistungszentrum von Torwartcheftrainer Christian Kriegelmeier gelernt. Dabei wollte Leneis eigentlich nie ins Tor. Als seine Familie von München nach Paar zog, er und seine älter Schwester sollten auf dem Land aufwachsen, spielte er zuerst beim TSV Kühbach und dann beim TSV Dasing immer im Feld. Nur in der Halle, da wechselte er ins Tor.

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Bild: Ulrich Wagner

Und als da die Dasinger E-Jugend 2008 den haushohen Favoriten FCA bei den Kreismeisterschaften besiegte und bei den schwäbischen Meisterschaften mit Leneis im Tor kräftig ärgerte, ließ das Angebot zum FCA zu kommen nicht lange auf sich warten. Leneis wollte zuerst nicht, wollte  lieber weiter im Feld spielen, doch am Ende wechselte er nach Augsburg.

Heute ist Leneis ein fester Bestandteil im FCA-Kader

Vier Jahre spielte er dort, ehe ihm der 1. FC Nürnberg ein verlockendes Angebot machte. Er wechselte zur U15 und zog kurze Zeit später ins Internat. "Wir mussten selber waschen, es gab feste Zeiten, wann wir zurück sein sollten. Um 22 Uhr war Bettruhe, bis dahin mussten wir uns in einer Liste eintragen", erzählt Leneis. Für seine persönliche Entwicklung waren die zwei Jahre in Nürnberg wichtig, sportlich waren sie enttäuschend.

Leneis spielte kaum. "Gerade das zweite Jahr in der U16 war ein verschenktes", gesteht er ein. Starke Konkurrenz und nicht gehaltene Abmachungen führten dazu, dass er sofort zusagte, als ihn der FCA für die U17 wieder zurückholen wollte.

Es war die richtige Entscheidung. Heute ist er fester Bestandteil im Bundesliga-Kader. Seinen damaligen Konkurrenten in Nürnberg gelang das nicht. Lukas Wenzel spielt beim bayerischen Regionalligisten TSV Aubstadt (Unterfranken), Leon Krapf spielt und studiert in den USA.

Und Benjamin Leneis? Der wohnt noch weiter zu Hause in Aichach (dorthin ist die Familie schon vor längerer Zeit umgezogen). Das ist praktisch, da kann sich der 21-jährige voll auf Fußball konzentrieren.  Er hat sich für diese Saison viel vorgenommen. Leneis will eine andere Rolle spielen: nicht mehr die des Lehrlings, sondern die des Herausforderers: "Mein Ziel ist ganz klar, als Nummer 1 beim FCA im Tor zu stehen. Nach den Gesprächen mit den Trainern bin ich überzeugt, diesen Schritt mit Unterstützung des Vereins schaffen zu können. Ich will nicht über Jahre auf der Bank sitzen oder nur in der U23 spielen. Ich werde jedes Training und jedes Spiel nutzen, um meinem großen Traum näher zu kommen."

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