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FC Augsburg

10.03.2020

Das Auf und Ab des Martin Schmidt beim FCA

Das Trainingslager im Sommer 2019 ging Martin Schmidt voller Elan an. Er wollte beim FC Augsburg für neuen Schwung sorgen. Das ging nur sehr bedingt auf.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Der Trainer wollte beim FCA ein neues Feuer entfachen. Die Defensive aber bekam er in seiner Amtszeit nie in den Griff. Auch das hat ihn nun den Job gekostet.

Nur wenige Wochen wären es noch gewesen. Wenige Wochen bis zum ersten Jahrestag. Am 10. April 2019 hatte Martin Schmidt das Traineramt beim FC Augsburg übernommen. Auf Platz 15 der Tabelle standen die Augsburger da, sie hatten vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Am Saisonende stand der FCA eben auch auf diesem Rang und hatte den Klassenerhalt geschafft. Für Martin Schmidt ein guter Einstieg. Allerdings trübte das 1:8 in Wolfsburg am letzten Spieltag den bis dahin guten Eindruck.

Schmidt hatte nicht lange überlegen müssen, als der Anruf aus Augsburg im Frühjahr 2019 kam. "Wenn es passt, ist der Draht von Kopf zu Bauch sehr, sehr kurz", meinte der Schweizer bei seiner Vorstellung. Und: "Der Tatendrang war groß." Das war er offenbar auch jetzt noch. Zumindest ließ sich in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten nichts anderes erkennen. Und trotzdem ist der 52-Jährige seit Montag seinen Job beim FCA los.

FCA: Viele Gegentore hinterlassen Beigeschmack

Seine Bilanz ist keinesfalls makellos. Das weiß Schmidt selbst. Die Augsburger haben auch in dieser Saison sehr viele Gegentore angesammelt, nur knapp über einen Punkt hat er im Schnitt in seiner Amtszeit geholt. Feuer wollte er entfachen, er freute sich über seine neue Aufgabe als Cheftrainer "dieser motivierten Truppe". So sprach Schmidt vor einem Jahr. Und es ging ja auch gleich gut los mit dem Auswärtssieg in Frankfurt. Der war die Grundlage für den späteren Klassenerhalt. Eine Woche nach dem 3:1 in Frankfurt folgte ein 6:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart. Alles eitel Sonnenschein damals in Augsburg.

Gegen Hertha gewann der FCA zwar mit 4:0, doch gegen Dortmund (3:5) und Eintracht Frankfurt (0:5) gab es deutliche Niederlagen. Trainer Schmidt stand zusehends wegen seiner Torwart-Personalie in der Kritik.
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Das war Martin Schmidts Zeit beim FC Augsburg
Bild: Jan Woitas, dpa

Es folgte ein 1:4 gegen Leverkusen und das 0:0 auf Schalke, was den Klassenerhalt bedeutete. Die beiden letzten Niederlagen (3:4 gegen Hertha) und das 1:8 in Wolfsburg waren letztlich belanglos, hinterließen aber durch die Fülle an Gegentoren einen faden Beigeschmack. Das Defensivproblem blieb Schmidt während seiner Zeit in Augsburg wie ein hartnäckiger Kaugummi am Schuh haften. Das bekam er einfach nicht in den Griff, wohl auch, weil er in diesem Jahr zu lange an Torwart Tomas Koubek festhielt. Als er ihn beim 0:2 in München endlich aus dem Tor nahm, ging auch seine Zeit in Augsburg zu Ende.

FC Augsburg: Schmidt und die Impulstage in der Schweiz

Mit seiner offenen Art kam Martin Schmidt in Augsburg gut an. Er nahm sich eine Wohnung mitten in der Stadt, ganz in der Nähe des Doms. Oft war er in der Altstadt unterwegs, gerne zum Kaffeetrinken. Ihm hat es in Augsburg gut gefallen. Als Motivator wollte Schmidt von Beginn an auftreten, die Köpfe seiner Spieler "durchlüften". Er folgte im April 2019 auf Manuel Baum, dessen fußballerisches Fachwissen sicherlich nie infrage stand, der aber Probleme beim emotionalen Einstimmen auf die Partien hatte. Gerade da wollte Schmidt, der ehemalige Extremsportler, ansetzen. In der Vorbereitung lud er sein Team zu Impulstagen in seine Schweizer Heimat ein. In einer Berghütte übernachtete die Mannschaft damals, ohne Duschen und mit Toiletten außerhalb der Hütte. Es waren ganz neue Erfahrungen, die Schmidt seinem Team vermittelte.

FCA: Der Weg und die Spielidee schienen im Herbst richtig

Sportlich aber begleiteten ihn oft Probleme. Vor allem der Start der laufenden Saison ging gründlich daneben. Schon beim ersten Spiel in Dortmund zeigte sich, dass der FCA von Problemen in der Defensive begleitet wird. Am zweiten Spieltag gelang mit dem 1:1 gegen Aufsteiger Union Berlin der erste Punkt, der erste Erfolg folgte am vierten Spieltag mit dem 2:1 gegen Eintracht Frankfurt. Die Wochen danach aber waren oftmals deprimierend.

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Martin Schmidt ist raus: Das waren die FCA-Trainer seit 2000
Bild: Federico Gambarini/dpa

Vor allem das 1:5 in Mönchengladbach, als sich die FCA-Mannschaft überhaupt nicht gegen die hohe Niederlage wehrte. Das 2:2 gegen den FC Bayern zu Hause läutete eine Phase ein, in der die Augsburger kräftig punkteten. Schmidt schien mit seinem Team auf dem richtigen Weg zu sein. Seine Spielidee mit Balleroberung und schnellen Gegenangriffen schien zu funktionieren. Die Winterpause und das Trainingslager auf Malta konnten die Augsburger entsprechend entspannt angehen.

Der Auftakt in die Rückrunde aber erinnerte stark an den Saisonbeginn. Schwache Leistungen, die zwangsläufig nicht zu Punktgewinnen reichten. Und dann solche Auftritte wie beim 0:5 in Frankfurt, die am Zusammenhalt zwischen Trainer und Mannschaft zweifeln ließen. Nach sieben Niederlagen aus neun Spielen war schließlich die Ära Martin Schmidt beim FCA beendet.

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10.03.2020

Was bleibt von Martin Schmidt?

Zumindest seine beiden absoluten Wunschspieler, Niederlechner und Vargas - und die hoffentlich noch möglichst lange beim FCA!

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10.03.2020

Auch schon vor dem aktuellen Trainer hat der FCA in den letzten Jahren mit einer besonders wechselhaften Leistung geglänzt und konnte sich immer nur knapp über den Relegationsplatz retten. Das mit dem Retten vor dem Abstieg klappt auch nur, wenn mindestens drei andere Mannschaften noch schlechter spielen.
Wenn mal zufällig wieder ein Hoch ist, geht die Klappe bis zum Anschlag auf, wenns mal nach unten geht, werden Sündenböcke gesucht. Die Augsburger sollten mal aufhören, wie Augsburger zu denken dann wäre einiges einfacher, nicht nur im Fußball.

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10.03.2020

Überfällig und absolut richtig. Das ist ein Bergsteiger und kein Fußballtrainer.
Auch die Pressekonferenzen und Fernsehauftritte grausam.

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