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FC Augsburg

29.01.2019

Der neue FCA-Co-Trainer Jens Lehmann steht im Rampenlicht

Der neue Co-Trainer, der die Medien anzieht: Jens Lehmann. „Ich wohne ja in Starnberg, da kann ich mit dem Auto fahren.“
Foto: Klaus Rainer Krieger

Mit Jens Lehmann soll die Siegermentalität zum FCA zurückkehren. Doch bei seinem ersten Auftritt macht er sich erst einmal zur Randfigur.

Was für ein PR-Coup dem FC Augsburg mit der Verpflichtung von Jens Lehmann als Co-Trainer gelungen ist, erlebten die Augsburger Verantwortlichen an seinem ersten Arbeitstag. Beim Vormittagstraining drängten sich vorne am Absperrgitter knapp ein Dutzend Fernsehteams, die anderen Journalisten und die Neugierigen in zwei Reihen dahinter. Bei der anschließenden Pressekonferenz im überfüllten PR-Raum klagte ein Fernsehmitarbeiter sogar über mangelnden Sauerstoff, obwohl eine Türe nur angelehnt war. Durch die spitzelten einige erstaunte FCA-Profis.

Jens Lehmann in FCA- Pressekonferenz: "Trainer sollten nicht zu viel reden"

Und dann kam der Mann, der mit seiner Erfahrung von 61 Länderspielen im Tor der Nationalmannschaft, 394 Bundesligapartien, 148 Premiere-League-Partien mithelfen soll, den Klassenerhalt zu schaffen. Und was machte Lehmann? Er setzte sich an den Rand des langen Pults. Erst als ihn die TV-Mitarbeiter baten, doch in die Mitte zu rücken, tauschte er mit Pressesprecher Dominik Schmitz den Platz.

Ein bescheidener erster Schritt des gebürtigen Esseners. „Trainer sollten nicht zu viel reden, Co-Trainer schon gar nicht“, sagte er. Diese Zurückhaltung habe er in der vergangenen Saison als Assistent beim FC Arsenal gelernt. Bei seinem ersten und einzigen Pressetermin, den er, so deutete er an, in dieser Saison wahrnehmen will, stellte er sich als Teamplayer dar. Das habe er unter dem berühmten Arsène Wenger gelernt. „Für mich stand immer im Mittelpunkt, loyal zu sein. Als Trainer bin ich unerfahrener als Manuel, insofern kann ich eine Menge dazulernen.“ Auch als es dann um seine weiteren Ambitionen ging, hielt er sich zurück. Im Moment habe er „keine, weil ich hier Co-Trainer bin. Das schaue ich mir an.“ Er fügte aber an: „Heute ist Tag eins, was morgen ist, weiß ich nicht.“

Bringt Lehmann die Siegermentalität beim FC Augsburg zurück?

Lehmann fand es vom FCA „mutig, dass man jemanden wie mich, der immer noch einen großen Namen hat, mehr aber auch nicht, dazunimmt“. Dafür sei er dankbar.

Der Verein verbindet mit seiner Person aber hohe Erwartungen. Beim FCA ist man davon überzeugt, dass Lehmanns Autorität die nach zehn Spielen ohne Sieg auseinanderbröckelnde Spielergemeinschaft wieder kitten kann. Der 49-Jährige soll auf dem Trainingsplatz und in der Kabine die Siegermentalität ausstrahlen, die zuletzt abhandengekommen ist. „Er ist eine Bereicherung und kann in vielen Situationen helfen. Jens hat in seiner Karriere alles selbst erlebt. Das erhöht noch mal die Glaubwürdigkeit, wenn der Jens hingeht“, sagte Geschäftsführer Stefan Reuter, der mit Lehmann von 1999 bis 2003 in Dortmund zusammengespielt hatte. Schon bei Lehmanns erster Ansprache an die Mannschaft sei „deutlich zu erkennen“ gewesen, so Reuter, „dass die Jungs mit großen Augen zuhören“.

Reuter war es wichtig darzustellen, dass die Verpflichtung Lehmanns gemeinsam mit Chef-Trainer Manuel Baum umgesetzt wurde. In der Winterpause habe er ein Gespräch mit dem Trainer geführt, wie man der schon damals verunsicherten Mannschaft einen neuen Impuls verleihen könne. Man war sich einig: Der Impuls kann von Jens Lehmann ausgehen.

Baum traf sich daraufhin mit Lehmann in einem Café in München. Die beiden redeten so lange über Fußball, bis das Café schloss. Baum war danach überzeugt, dass Lehmann ihm und dem FCA im Abstiegskampf eine wichtige Hilfe sein kann: „Die Deckungsgleichheit in der Analyse war so, dass ich zum Stefan gesagt habe: „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir das hinkriegen würden.‘“

Co-Trainer Jens Lehmann will seinen Job bei RTL behalten

Und Reuter bekam es hin. Lehmann wurde mit einem Vertrag bis zum Sommer 2020 ausgestattet. Seinen Job bei RTL will er trotz der neuen Aufgabe aber behalten. Lehmann ist beim Privatsender bei Länderspielen im Einsatz, in dieser Zeit hat die Bundesliga spielfrei. Der TV-Nebenjob scheint kein Problem für den FCA zu sein.

Lehmann soll sich bei der täglichen Trainingsarbeit der „defensiven Thematik“ (Baum) annehmen. Viel wichtiger dürfte aber seine Arbeit in der Kabine sein. Mit seiner Ausstrahlung und seiner Erfahrung soll er die verunsicherten FCA-Profis mental wieder in die Spur bringen. Und mit seiner Expertise auch Baum neue Sichtweisen aufzeigen.

Dass der charismatische ehemalige Weltklassetorhüter Lehmann die Autorität des ehemaligen Bayernliga-Torhüters Baum untergraben könnte, befürchtet Reuter nicht. „Sie können voneinander profitieren. Manuel wird offen unsere Einschätzung bekommen, aber eines ist klar: Am Ende trifft Manuel Baum die Entscheidungen.“

Lehmann hasst es zu verlieren und tut dafür alles. 2006 parierte er beim Sieg im WM-Viertelfinale gegen Argentinien zwei Elfmeter. Dabei half ihm der wohl berühmteste Spickzettel der Fußball-Geschichte, den er vor jedem Schützen studiert hatte. Er verlor aufgrund seines Ehrgeizes auch des Öfteren die Nerven. So sah er kurz vor dem WM-Turnier in Deutschland beim Champions-League-Finale 2006 zwischen Arsenal und dem FC Barcelona in der 18. Minute nach einer Notbremse an Eto’o die Rote Karte. Das dezimierte Arsenal verlor 1:2.

Der neue FCA-Co-Trainer lebt in Starnberg

Auch außerhalb des Platzes hat Lehmann zwei Gesichter. Er engagiert sich in vielen sozialen Projekten. Der ehemalige Student der Volkswirtschaft hatte zuletzt aber auch Probleme mit den Steuerbehörden.

Privat liebt er es durchaus extravagant. Mit seiner Frau Conny und drei Kindern lebt er in der Gemeinde Berg am Starnberger See. 2008, während seiner Zeit beim VfB Stuttgart, flog er von da schon mal mit dem Hubschrauber zum Training. Darauf angesprochen, antwortete er mit viel Selbstironie: „Ich wohne ja in Starnberg, da kann ich mit dem Auto fahren.“

Mit Lehmann soll jetzt der Weg aus der Krise gefunden werden. Auch an Trainer Manuel Baum glaubt Manager Stefan Reuter weiter. Und wenn nicht? Dann hat Lehmann auch die nötige Uefa-Lizenz, um eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren.

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Die Diskussion ist geschlossen.

31.01.2019

Man stellt einen Co-Trainer ein, "da der FCA davon überzeugt ist, dass Lehmanns Autorität die nach zehn Spielen ohne Sieg auseinanderbröckelnde Spielergemeinschaft wieder kitten kann"!
Was für eine armseliges Statement. wenn man einen Co Trainer braucht, der Autorität ausstrahlt, um ein auseinanderbröckeln der Mannschaft zu verhindern! Besser kann man seinen "Chef-Trainer" nicht demütigen und dann will man Hinteregger bestrafen?!? Der hat's wenigsten noch "durch die Blume" gesagt. Und wenn man einen neuen Co-Trainer braucht, um lt. Reuter " der Mannschaft neue Impulse zugeben" für was braucht man dann noch einen Chef-Trainer?

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