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Jos Luhukay

24.03.2009

Der sanfte Sturkopf

Luhukay wird neuer Trainer beim FC Augsburg
Bild: DPA

Seit Dienstag ist es amtlich: Jos Luhukay ist neuer FCA-Trainer. Wer ihn kennt weiß, er arbeitet akribisch und Fußball spielt für ihn eine entscheidende Rolle. Mehr noch: Ein Relegationsspiel hat sogar sein Leben gerettet. Von Karsten Kellermann

Von Karsten Kellermann

Manchmal sind es Zufälle oder Kleinigkeiten, die der Geschichte eines Lebens existenzielle Erfahrungen hinzufügen. Nun ist ein Relegationsspiel weder Zufall noch eine Kleinigkeit, schon gar nicht für einen Mann wie Jos Luhukay, der vom Fußball beseelt ist.

Doch war es ein Relegationsspiel seines Vereins VVV Venlo, das wohl sein Leben rettete. Denn wäre er nicht für diese Partie in Venlo geblieben, hätte Luhukay, dessen Familie von den Molukken stammt, am 7. Juni 1989 in dem Flugzeug gesessen, das eine Auswahl niederländischer Fußballer aus den früheren Kolonien beförderte. Die Maschine verunglückte, 179 Menschen starben. 14 waren Fußballer, viele kannte Luhukay gut.

Es ist eine Geschichte über den Menschen Jos Luhukay. Doch auch sie ist eng verbunden mit dem Sport, von dem der 45-Jährige sagt: "Mein Herz schlägt für den Fußball." Wer etwas über Luhukay erfahren will, redet am besten mit ihm über Fußball. Es können lange Gespräche werden. Und es sind keine, die oberflächlich bleiben. Luhukay ist akribisch, das war er schon als Spieler. Er war ein "Zehner", einer, der ein Spiel organisierte und inspirierte.

Der sanfte Sturkopf

Aber auch ein Arbeiter. "Ich habe immer stundenlang trainiert, wollte mich immer verbessern. Das erwarte ich auch von den Spielern", sagt Luhukay. Der Trainer Luhukay ist also wie der Spieler: Er denkt Fußball nach vorn, "offensiv und attraktiv", das ist sein Motto. So hat er bei seinem ersten Cheftrainer-Job in der zweiten Liga aus biederen Paderbornern eine Mannschaft gemacht, die schön spielte und durchaus erfolgreich.

Und so hat er den Traditionsverein Borussia Mönchengladbach zurück in die Bundesliga geführt, nachdem er den Abstieg einer verkorksten Mannschaft nicht verhindern konnte.

Vor allem setzt Luhukay auf Teamgeist. Privat ist der Venloer ein Familienmensch, darum ist ihm auch im Job ein gutes Betriebsklima wichtig. Spieler, die dieses stören, mag er nicht. Weswegen er in Gladbachs Abstiegssaison den Belgier Wesley Sonck aussortierte, obwohl es Stürmernotstand gab. In Paderborn ging er, weil der Präsident hinter seinem Rücken mit neuen Spielern verhandelte. Luhukay ist ein netter Mensch, der gern diskutiert. Aber er lässt sich nicht reinreden. Konsequent ist er, vielleicht sogar ein wenig stur.

Der Niederländer, der einen Großteil seines Fußballerlebens in Deutschland verbrachte, ist keiner, der im Anzug am Spielfeldrand steht und mit dem Job sein Ego pflegt. Luhukay will authentisch sein: Er trägt gern Trainingsanzug. Auf eine sanfte Art ist der kleine Venloer ein Diktator. Argumente können ihn überzeugen, aber sie müssen stichhaltig sein. Sehr stichhaltig.

Luhukay ist keiner vom Typ Feuerwehrmann. "Ich plane mittel- und langfristig", sagt er. Nach Gladbachs Bundesliga-Aufstieg jedoch verlor er den Faden, weil er auf (zu) hohe Flexibilität setzte. Er rotierte hin und her, wechselte Personal und System von Spiel zu Spiel. Die Mannschaft war überfordert, verlor sechs von sieben Spielen plus ein Pokalspiel in Cottbus. Nach dem 1:2 gegen Köln am siebten Spieltag wurde Luhukay entlassen. "Wir hatten eine funktionierende Gruppe, die ist ohne Not auseinandergerissen worden", sagte später Alexander Voigt, einer der Aufstiegshelden, inzwischen in Fürth angestellt.

"Ziel ist es, eine Mannschaft so spielen zu lassen, dass die Menschen Freude daran haben", sagt Luhukay. Ein romantischer Ansatz, doch Luhukay weiß auch um die sachlichen Anforderungen des Geschäfts: "Wenn das mit Erfolg einhergeht, ist es perfekt. Der Tabellenplatz sagt alles über die Qualität einer Mannschaft."

In der zweiten Liga stand er ganz oben. In der Bundesliga zu weit unten. Beides sind Kapitel aus dem Leben des Trainers Jos Luhukay. Aber nicht die ganze Geschichte. Die wird jetzt in Augsburg fortgeschrieben.

Karsten Kellermann, der Autor dieses Artikels, ist Sport-Redakteur bei der Rheinischen Post in Mönchengladbach. Er hat den Weg von Jos Luhukay in den vergangenen Jahren eng begleitet.

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