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Fußball

20.03.2018

Exklusiv - Spielt Augsburg bei der EM 2024 mit?

Das Augsburger Rosenaustadion wäre ein möglicher Trainingsort für die EM 2024.
Bild: Ulrich Wagner

Wenn Deutschland das Turnier bekommt, könnte Augsburg laut FCA-Geschäftsführer Ströll ein Trainingsstandort werden. Wie der FCA zur 50+1-Regel steht.

Deutschland hat sich für die Fußball-Europameisterschaft 2024 beworben. Einziger Konkurrent ist dabei die Türkei. Sollte Deutschland im September 2018 den Zuschlag bekommen, könnte Augsburg als möglicher Trainingsstandort eine Nationalmannschaft beheimaten. Als möglicher Spielort kam Augsburg allerdings nie in Frage, da die Stadien eine Kapazität von wenigstens 30.000 Sitzplätzen vorweisen müssen. Wir sprachen nicht nur darüber mit Michael Ströll, dem Geschäftsführer Finanzen des FC Augsburg.

Es heißt, der FCA will sich vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Fußball-Verband und der Stadt Augsburg darum bewerben, dass Augsburg Trainingsstandort für die EM 2024 wird?

Ströll: Es besteht die Möglichkeit, dass Augsburg, falls Deutschland den Zuschlag für die EM 2024 bekommt, eventuell ein Team-Basecamp wird. Dann würde in Augsburg eine Nationalmannschaft stationiert werden und hier ihre Trainingseinheiten abhalten. Der Bayerische Fußball-Verband, die Stadt und wir sind gerade im Austausch, wie man so etwas gestalten könnte.

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Was sind die Beweggründe für eine Bewerbung?

Ströll: In erster Linie könnte die Stadt ihren Bekanntheitsgrad erhöhen, was für den Tourismus sicherlich förderlich wäre. Auch der BFV hat natürlich ein besonderes Interesse, dass den Nationalmannschaften bestmögliche Bedingungen geboten werden. Und da sind das Rosenaustadion, die Trainingsplätze an der WWK-Arena und unser NLZ mögliche Standorte.

Wie steht der FCA zu dem vorläufigen Urteil, dass Bundesligaklubs an den Mehrkosten bei Hochrisikospielen beteiligt werden können?

Ströll: Für uns wäre es nicht nachvollziehbar, wenn dieses Urteil rechtskräftig würde. Denn es betrifft ja auch andere Veranstaltungen, nicht nur Fußballspiele. Die DFL hat sofort Revision eingelegt. In Bayern hat der Innenminister schon klargestellt, dass das Bremer Urteil keine Auswirkungen für das Bundesland Bayern haben werde. Wir sind guter Dinge, dass dieses Urteil in letzter Instanz nicht rechtskräftig wird.

Das Nachwuchsleistungszentrum des FCA an der Donauwörther Straße könnte auch einer Nationalmannschaft als Trainingsstätte dienen.
Bild: Michael Hochgemuth

Warum ist der FCA dagegen?

Ströll: Wir hatten in Augsburg seit dem Aufstieg in die Bundesliga erst ein Hochrisikospiel, daher betrifft es uns nicht unmittelbar. Aber diese Diskussion ist für uns eine essenzielle, weil wir absolut davon überzeugt sind und auch die Rechtsauffassung vertreten, dass die Sicherheit im öffentlichen Raum Aufgabe der Polizei ist. Wir sorgen dagegen im Stadionumfeld und im Innenbereich als Veranstalter für die Sicherheit. Dafür zahlen wir pro Saison einen siebenstelligen Betrag. Wir entziehen uns da nicht unserer Verantwortung.

Wie ist der FC Augsburg im siebten Jahr Bundesliga finanziell aufgestellt?

Ströll: Wir haben in der Bundesliga immer noch das zweitniedrigste Budget. Deshalb hat es für uns höchste Priorität, den Klassenerhalt zu sichern. Wir müssen realistisch unsere Rahmenbedingungen betrachten und da sind wir finanziell immer noch ein kleines Licht in der Bundesliga. Zwischen uns und dem Bundesliga-Mittelfeld liegen Budget-Unterschiede im achtstelligen Betrag.

Warum tritt der FCA für eine solidarische Verteilung der TV-Gelder auch mit der zweiten Bundesliga ein?

Ströll: Wir müssen uns immer vor Augen führen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir ein Dauerabo in der Bundesliga haben. Deswegen müssen wir uns zwangsweise immer mit dem Szenario Abstieg beschäftigen. Es ist wichtig, dass wir die Möglichkeit haben, so schnell wie möglich wieder nach oben zu kommen, sollte es uns einmal treffen. Deswegen sollte der Spagat zwischen Bundesliga und 2. Liga finanziell nicht weiter auseinandergehen.

Michael Ströll ist Finanz-Geschäftsführer vom FC Augsburg.
Bild: Wolfgang Müller (dpa)

Wie ist denn die Streitkultur innerhalb der DFL , wenn es um die Verteilung der TV-Gelder geht?

Ströll: Es gibt unterschiedliche Interessenslagen. Bayern München oder Borussia Dortmund argumentieren mit der internationalen Konkurrenzfähigkeit, warum sie mehr Gelder für die Spitze wollen. Wir argumentieren mit einer Wettbewerbsfähigkeit auch von Aufsteigern aus der zweiten Liga. Die Diskussionen sind lebendig aber nicht böswillig. Jeder Verein vertritt seinen Standpunkt und am Ende muss man schauen, dass man den bestmöglichen Konsens findet.

Wie positioniert sich der FCA in Sachen 50+1 (Anm. d. Red., Nach dieser Vorschrift ist es Investoren verboten, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Profiteams ausgegliedert sind)?

Ströll: Es muss Chancengleichheit für alle bestehen. Wenn es Ausnahmeregeln gibt, dann müssen die auch für alle gelten oder es gibt für niemanden eine Ausnahmeregelung. Solange keine Klarheit herrscht, müssen wir 36 Bundesligaklubs intern innerhalb der DFL diskutieren, in welche Richtung wir gehen wollen. Das wird sicher eine kontroverse Diskussion bei der derzeitigen Gemengelage, weil es Vereine gibt, die 50+1 nicht mehr haben wollen. Der FCA will Chancengleichheit am besten im Rahmen von 50+1. Alle sollen mit den gleichen Bandagen kämpfen und mit den gleichen Voraussetzungen in Konkurrenz treten.

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