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FC Augsburg
28.09.2015

Ein Abschied, der unter die Haut ging

Der Trauermarsch der FCA-Ultras führte von der Universität Augsburg zur WWK-Arena. Über 600 Fans erwiesen ihren verstorbenen Freunden so die Ehre.
Foto: Christian Kolbert

Die Augsburger Ultras gedenken ihrer verstorbenen Freunde mit einem Trauermarsch, einer stimmungsvollen Choreografie und einem Lied, das auch den Gästetrainer beeindruckte.

Es ist noch keine 14 Tage her, als 1200 Fans des FC Augsburg beim ersten Europa-League-Spiel der Vereinsgeschichte in Bilbao von der Innenstadt zum Stadion marschierten. Vorneweg die Ultras, die Taktgeber aus dem M-Block. Im spanischen Dauerregen sorgten sie laut, bunt, friedlich und viele mit nacktem Oberkörper für viel Aufsehen und Sympathie im Baskenland. Daniel und Max waren auch dabei.

Am Samstag gingen die Augsburger Anhänger wieder auf die Straße. Um 13.30 Uhr machten sich die über 600 Menschen von der Uni auf den Weg zur WWK-Arena. Diesmal waren keine Fangesänge zu hören, nur das leise Geräusch der vielen tausend Schritte. Es war ein stummer Marsch. Die Fans waren ganz in Schwarz gekleidet, viele hatten Blumen in der Hand und ganz vorne trugen sie neben grün-rot-weißen Kränzen zwei Bilder. Von Daniel und Max.

Die beiden jungen Ultra-Mitglieder waren bei einem Autounfall in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bei der Heimfahrt vom Auswärtsspiel in Gladbach ums Leben gekommen. Sie waren auf einen Lkw aufgefahren. Die genauen Umstände ermittelt derzeit die Polizei. Ein Mitfahrer schwebte auch gestern noch in Lebensgefahr, zwei weitere wurden verletzt.

Mitten im Zug liefen auch FCA-Vorstandsvorsitzender Klaus Hofmann und der verletzte Mittelfeldspieler Tobias Werner mit. „Heute ist der Tag der trauernden Fans.“ Mehr wollte Hofmann nicht sagen. Linksaußen Werner, der mit einer Muskelhautverletzung am Oberschenkel wohl erst nach der Länderspielpause wieder spielen kann, erzählte später im Fernsehen von „bewegenden Momenten“.

Die gab es dann auch, als der Trauerzug die WWK-Arena erreichte. Am Zaun vor der Nordkurve legten die Fans die Kränze und Blumen nieder, zündeten die Kerzen an. Gladbach-Fans hatten auch einen Kranz geschickt, eine Abordnung der Hoffenheimer Fans legte ebenfalls Blumen nieder.

Nordkurve war mit schwarzen Tüchern verhüllt

Die Fans der Würzburger Kickers, die mit den FCA-Fans eine Freundschaft pflegten, gedachten den Verunglückten und auch Athletic Bilbao schickte via Twitter eine Botschaft. Der Fußball zeigte seine große verbindende Wirkung.

Viele lagen sich weinend in den Armen, andere nahmen regungslos Abschied. „Ruhet in Frieden Daniel und Max“ stand auf einem weißen Banner, das am Zaun hing. Plötzlich hatten die Toten einen Namen und durch die abgestellten Bilder auch Gesichter. Beide noch keine 20, gehörten schon seit einigen Jahren der aktiven Fanszene an, planten und organisierten Choreografien, galten als gewaltfrei. „Das waren gute Jungs“, erzählte ein Szenekenner.

Die sonst so farbige Nordkurve war mit schwarzen Tüchern verhüllt. Nur zwei Transparente waren zu sehen. Mit einem forderten die Fans den schwer verletzten Simon zu „Kämpfen und Siegen“ auf, mit dem anderen wünschten sie den verletzten Milan und Yannick „gute Besserung“.

Es war auch bemerkenswert, wie die Eltern von Daniel ihre Trauer zu verarbeiten versuchten. Sie ergriffen mitten unter den Ultras stehend das Wort. Sie erzählten von den Werten, die Daniel in der Fanszene gefunden hatte, wie Freundschaft, Solidarität und Leidenschaft. Sie bedankten sich auch für die Unterstützung in dieser schweren Zeit durch die Fan-Gruppierung. Es waren bewegende, ergreifende Momente. „Wir sind stolz darauf, dass Daniel ein Teil eurer Familie sein durfte“, beendeten sie ihre Rede.

Und dann verabschiedeten sich die Ultras nicht still und leise von ihren Freunden, sondern laut singend. Während zwei genehmigte rote Bengalos gezündet wurden, Schals und Genesungswünsche auf weißen Zetteln über die Köpfe gehalten wurden, begannen die Fans wie ein Trauerchor auf die Melodie von „Amazing Grace“ die FCA-Hymne „Olé FCA“ zu singen. Wohl nur bei der Trauerfeier für Robert Enke 2009 in Hannover herrschte so eine Stimmung in einer Fußball-Arena.

Sie hörten auch nicht auf, als das Spiel begann und auch nicht, als Hoffenheim das 1:0 erzielte. „Die Atmosphäre im Stadion ging richtig unter die Haut, da fällt es uns Profisportlern und Trainern nicht leicht, sich auf das Spiel zu konzentrieren“, sprach Hoffenheims Trainer Markus Gisdol später allen Beteiligten aus dem Herzen. Dass er mit seinem Team 3:1 gewonnen hatte, war an diesem Nachmittag nicht ganz so wichtig. Viele Zuschauer hatten Tränen in den Augen.

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