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FC Augsburg

19.10.2019

FCA-Ersatztorwart Andreas Luthe: "Bin da, wenn ich gebraucht werde"

Andreas Luthe (rechts) muss seinem Konkurrenten Tomas Koubek den Vortritt lassen.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Andreas Luthe kam vor einem Jahr überraschend gegen die Bayern zum Einsatz. Nun kriselt wieder ein FCA-Stammtorwart. Ist die Situation wie im Vorjahr?

Es ist ein gutes Jahr her, dass Sie der damalige Trainer Manuel Baum quasi über Nacht gegen den FC Bayern München für Fabian Giefer ins Tor gestellt hat. Das hört sich einfach an, war aber wohl etwas komplizierter…

Luthe: Ich hatte schon während der Vorbereitung Verletzungsprobleme und konnte im Vorfeld des Spiels nur mit 70 Prozent trainieren. Ich hatte extreme Bedenken, weil ich mir gewünscht hätte, dass ich hundert Prozent fit in so ein Spiel gehen kann. Es war aber eine spezielle Situation, darum habe ich gesagt: Ich mach’s. Es war sicher eines der größten Spiele, die ich in meiner Karriere bisher gemacht habe.

Danach waren Sie gesetzt, doch in der Winterpause kam Gregor Kobel aus Hoffenheim. Sie hatten wie im Sommer zum zweiten Mal den Kampf um den Platz im Tor verloren. War das nicht ein bitterer Moment für Sie?

Luthe: Eigentlich nicht. Ich war die Vorrunde über nie richtig fit. Ich habe mich, ähnlich wie Alfred Finnbogason, in dieser Situation, als der Verein mich gebraucht hat, geopfert. Ich wusste bei allen 13 Spielen in der Hinrunde, dass ich nicht bei 100 Prozent war. Ich habe die Rückrunde genutzt, um richtig gesund zu werden.

Stammtorwart Tomas Koubek hat zuletzt mehrmals gepatzt, der FCA spielt wieder gegen Bayern. Kann man die Situation vergleichen?

Luthe: Schwer.  Ich persönlich bin definitiv in besserer Form, weil ich komplett gesund bin. Ansonsten ist es Zufall, dass es wieder Bayern ist und es in der Öffentlichkeit eine Art Torhüter-Diskussion gibt.

Vor einem Jahr handelten die Verantwortlichen. Jetzt hat der Trainer Koubek weiter das Vertrauen ausgesprochen. Sind Sie enttäuscht?

Luthe: Sofern der Trainer keinen Handlungsbedarf sieht, brauche ich mich damit nicht zu beschäftigen. Ich bin tiefenentspannt. Ich habe im Sommer einen für mich wichtigen Vertrag unterschrieben. Der FCA hat mir gezeigt, dass sie mich wirklich haben wollen, wovon ich anfangs nicht so überzeugt war. Aktuell bin ich eben vor allem bei Themen abseits des Platzes gefragt.

Sie haben dem FCA in der Saison 16/17 und 18/19 im Kampf gegen den Abstieg entscheidend geholfen. Mit Giefer, Kobel und jetzt Koubek wurden Ihnen aber wiederholt andere Torhüter vor die Nase gesetzt. Es verwundert, dass Sie nach diesen Enttäuschungen einen Vertrag bis 2022 unterschrieben haben.

Luthe: Ich habe für mich akzeptiert, dass man mich hier nicht als Nummer eins sieht. Ich bin froh darüber, dass mein Marktwert nicht bei acht Millionen Euro liegt. Damit wachsen die Erwartungen, damit wächst der Druck, etwas leisten zu müssen. Von mir erwartet niemand etwas und ich freue mich wirklich, wenn ich die Leute mit einer guten Leistung überzeugen kann. Ich bin da, wenn ich gebraucht werde. Ich fühle mich in dieser Underdog-Rolle total wohl.

Der FCA ist ja auch der Underdog in der Liga…

Luthe: Deswegen finde ich den FCA ja so geil. Es war immer so, dass wir uns gegen die Großen der Bundesliga behaupten konnten. Wir haben es immer geschafft, knappe Ergebnisse zu erreichen und zu überraschen. Das ist gerade das, was mich am meisten stört: Dass wir die Spiele so eindeutig verlieren. Das wurmt total und ist schwer zu akzeptieren.

Was läuft denn gerade falsch?

Luthe: An einer Sache ist das nicht festzumachen. Es ist sehr komplex. Wir haben in der vergangenen Woche viele Gespräche geführt – auch auf Initiative der Mannschaft hin. Wir haben viele Jungs, die mehr Erfolg haben wollen. Die vor allem in Situationen kommen wollen, wo man in Gladbach mal ein Unentschieden holt, aber nicht nach 15 Minuten 0:3 hinten liegt. Denen muss man zuhören.

Es gibt Medienberichte, wonach in der Mannschaft Unruhe herrsche. Der Trainer werde hinterfragt, Stephan Lichtsteiner und Tomas Koubek seien umstritten. Sind Sie da als ein Mitglied des Mannschaftsrates gefordert?

Luthe: Zu solchen Spekulationen werde ich nichts sagen, das sind Interna. Wir haben einige Themen, die uns beschäftigen, weil es sportlich nicht läuft. Dann beginnt die Suche nach Gründen. Es gibt viele Spieler, die auch noch andere Zeiten beim FCA mitgemacht haben und sich enorm Gedanken über die Situation machen. Das bewegt die Mannschaft. Das zeigt mir aber auch, dass viel Leben drin ist.

Arjen Robben (r) traf in der vergangenen Saison gegen FCA-Torwart Andreas Luthe zum 1:0, aber es reichte nicht zum Sieg.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Spielt die Mannschaft derzeit unter ihren Möglichkeiten?

Luthe: Die Qualität der Einzelspieler ist im Vergleich zu 2016, als ich gekommen bin, deutlich höher. Es sind viele junge, sehr talentierte Spieler dabei. Deswegen darf es keine Verschlechterung geben, ganz im Gegenteil. Wir müssen daran arbeiten, dass es besser wird.

Wie kann man es besser machen?

Luthe: Die Gespräche in dieser Woche waren intensiv, haben an dem einen oder anderen gekratzt. Das war nicht schön, wenn man sich auch mal sagt, was nicht stimmt. Wichtig ist aber, dass ausnahmslos alle offen für Kritik waren. Ich denke, da ist etwas passiert in der Mannschaft.

In der Halbzeit in Gladbach sind Sie zu Koubek gegangen und haben ihn getröstet. Eine bemerkenswerte Szene.

Luthe: Ich habe ihm gesagt, dass er nicht an der Niederlage schuld ist, nur weil er das 0:4 verschuldet hat. Das Spiel war aus meiner Sicht nach dem 0:3 verloren, vielleicht sogar schon nach dem 0:2.

Tut man Koubek derzeit unrecht?

Luthe: Viele wichtige Spieler, die Woche für Woche spielen sollen, kamen erst eine Woche vor Saisonstart zu uns. Wir arbeiten sieben Wochen in der Vorbereitung hart, wollen ein Team werden und wichtige Spieler können erst ganz am Schluss verpflichtet werden. Das ist gar kein Vorwurf, der Markt lässt heute oft nichts anderes zu. Tomas ist in keiner leichten Phase – auch weil durch die hohe Transfersumme vielleicht hohe Maßstäbe angelegt werden.

Ist Koubek fit?

Luthe: Ich bin wirklich nicht in der Position, mir darüber ein Urteil zu bilden.

Was macht Ihnen Mut in dieser schwierigen Phase?

Luthe: Die vielen Gespräche, die wir geführt haben. Und auch das 4:0 im Test gegen Lustenau. Nachdem wir im Training etwas angepasst hatten, hatte ich das Gefühl, dass das im Spiel sofort sichtbar war und wir ein Erfolgserlebnis hatten. Bei dem einen oder anderen Spieler hat man die Erleichterung gespürt, obwohl es nur ein Testspiel war. Es war wichtig, dass wir Veränderungen angegangen sind und  umgesetzt haben.

Und jetzt kommt der FC Bayern?

Luthe: Das ist ein Spiel, das man eigentlich jetzt nicht braucht. Eigentlich sollten wir in dieser Thematik weitermachen, aber gegen Bayern spielst du nicht wie gegen einen anderen Gegner. Trotzdem haben wir eine Chance, was wir beim 1:1 vor einem Jahr gezeigt haben. Da haben wir Unentschieden gespielt, weil wir das Spiel lange knapp gehalten haben. Das ist das, was wir über viele Jahre geschafft haben. Am Ende macht Felix Götze das 1:1. Dafür darfst du aber nicht nach 15 Minuten 0:3 hinten liegen.

Sie feiern am Samstag ein Jubiläum.

Luthe: Wirklich? Wieso?

Es wird entweder Ihr 80. Bundesligaspiel für den FCA auf der Ersatzbank, oder Ihr 20. Bundesligaspiel, in dem Sie eingesetzt werden.

Luthe: Okay. Ich wünsche mir natürlich, dass ich zum Einsatz komme, aber das ist eher unrealistisch. Darum wird es wohl die 80 werden, womit ich am Ende auch leben kann, wenn wir etwas holen.

Lesen Sie dazu auch: Koubek in der Krise: Warum der FCA-Coach weiter an ihn glaubt

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19.10.2019

Ja...ich schau halt grad des Spiel....sieht soo ein Torwart aus...? Hat der Angst vorm Ball??? Der Kollege ist doch total verunsichert...deshalb kann es nur eine Lösung geben...Koubek raus...Luthe rein. Punkt!
Bin gespannt wie lange dieses Trauerspiel noch weitergeht bis an maßgeblicher Stelle die Erleuchtung durchzündet...

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19.10.2019

Chapeau Herr Luthe, klüger geht's kaum.

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