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FC Augsburg

28.01.2020

FCA-Geschäftsführer Ströll: "Gibt bei uns keine Ausstiegsklauseln"

Michael Ströll verlängerte seinen Vertrag beim FC Augsburg bis 2024.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Michael Ströll begann vor 13 Jahren als Praktikant beim FCA. Jetzt ist er kaufmännischer Geschäftsführer. Er erklärt, warum der FCA im Mai in die USA reist.

13 Jahre FCA und Sie haben noch immer nicht genug. Warum haben Sie für weitere viereinhalb Jahre als kaufmännischer Geschäftsführer unterschrieben?

Michael Ströll: Das ist leicht zu erklären: Ich fühle mich hier einfach wohl. Der Verein ist mir in den letzten 13 Jahren unheimlich ans Herz gewachsen und wir haben eine super Entwicklung genommen. Zudem sind die Voraussetzungen in Augsburg optimal, den Verein und auch mich persönlich weiterzuentwickeln.

Mit wem haben Sie denn die Vertragsverhandlungen geführt?

Ströll: Mit unserem Präsidenten Klaus Hofmann.

Ist er ein harter Verhandlungspartner?

Ströll: (lacht) Ohne ins Detail zu gehen: Wenn zwei Seiten das Gleiche wollen, ist das schnell erledigt. Ich weiß sehr wohl, was ich am FCA und dem ganzen Umfeld habe.

Wenn sich ein Verein so entwickelt, fällt das ja auch anderen Vereinen auf. Gab es keine anderen Angebote?

Ströll: Zu Vertragsgesprächen sagen wir grundsätzlich nichts, aber ich habe in den ganzen 13 Jahren keine Sekunde daran gedacht, etwas anderes zu machen.

FCA-Chef Klaus Hofmann (links) hält große Stücke auf seinen kaufmännischen Geschäftsführer Michael Ströll (rechts).
Foto: Ulrich Wagner

Wie waren Ihre Anfänge beim FCA?

Ströll: Als ich als Praktikant begonnen habe, waren Geschäftsführer Andreas Rettig, Felix Jäckle, Alexander Kastner und Geschäftsstellenleiter Markus Krapf fest angestellt. Dazu kamen noch Evi Heindl und Jürgen Pöcher als Halbtagskräfte sowie ein Praktikant. Das war’s.

Wie groß ist die Geschäftsstelle jetzt und wie sehen Sie die Entwicklung?

Ströll: Wir haben rund 35 festangestellte Mitarbeiter, dazu kommen noch Trainees, Praktikanten und Halbtageskräfte. Das ist immer noch sehr überschaubar im Vergleich zu anderen Bundesligisten. Diese Entwicklung hätten uns wohl nur die wenigsten zugetraut. Wir spielen jetzt im neunten Jahr hintereinander in der Bundesliga. Das macht uns stolz. Aber wir sind immer noch nicht am Ende. Wir können die Region Bayerisch-Schwaben noch weiter erschließen und den FCA noch stärker verankern.

Wo gibt es denn noch Potenzial beim FCA? Der Etat lag in der vergangenen Saison bei knapp 95 Millionen Euro, das Stadion ist zu 95 Prozent ausgelastet und alle Logen sind verkauft.

Ströll: Im Hospitality-Bereich liegt unsere Auslastung bei 97 Prozent. Steigerungsmöglichkeiten gibt es durch sportlichen Erfolg, dann steigen die Erlöse im TV-Geld. Auch bei den Vermarktungserlösen und zum Beispiel im Sommer bei unserer USA-Reise, die wir nicht aus selbstlosen Gründen machen. Damit verdienen wir auch Geld. Wir wollen den FCA durch die Reise international auf die Landkarte setzen und uns so für Sponsoren noch attraktiver machen. Wenn man aber auch in unserer Region sieht, wie viele Kinder sich mittlerweile für den FCA interessieren, sind wir noch lange nicht am Ende. Auch unser Merchandising und unsere Fußballschule werden attraktiver und bieten weitere Wachstumsmöglichkeiten.

Die Stadionauslastung ist hoch, warum sind dann oft so viele Plätze leer?

Ströll: Auf der Haupttribüne sind rund 200 Plätze nicht verkauft, weil wir die Kapazität im Innenbereich nicht haben. Diese Karten werden nur bei ausverkauften Spielen als normale Sitzplätze verkauft. Den VIP-Bereich haben wir im Sommer auch für die Qualitätssteigerung und ein besseres Raumgefühl unserer Gäste erweitert, nicht primär um zusätzliche Plätze hinzuzugewinnen. Dass Plätze leer bleiben, liegt aber auch an einer Noshow-Rate, das heißt, dass Kartenbesitzer nicht ins Stadion kommen.

Wie hoch ist die beim FCA?

Ströll: Diese liegt bei ungefähr zehn Prozent. Damit liegen wir im Durchschnitt in der Bundesliga. Aber mit unserer Auslastung von 95 Prozent im Heimbereich sind wir sehr zufrieden. Das würden sich andere Vereine wünschen.

Vorhin haben Sie gesagt, das FCA-Kerngebiet ist Bayerisch-Schwaben. Warum fliegen Sie dann wenige Tage nach Saisonende in die USA?

Ströll: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Wir sehen uns als regional verwurzelter Klub, der aber auch bundesweit und international eine gewisse Aufmerksamkeit hat, allein durch die Medienrechte der DFL. Die Spiele werden in so vielen Ländern ausgestrahlt, der FCA wird daher auch über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen.

Die Reise des FC Augsburg in die USA wird von der DFL mitfinanziert

Warum aber USA, warum zwei Spiele gegen Forward Madison FC und Minnesota United FC?

Ströll: Wir haben dort Interesse geweckt. Es bestehen gute Kontakte in die MLS, die amerikanische Fußball-Profiliga. Gregg Berhalter (Anm. d. Red.: US-Nationaltrainer) hat mit Stefan Reuter noch beim TSV 1860 München zusammengearbeitet. Carlos Gruezo haben wir vom FC Dallas aus der MLS geholt und auch unser neuer Marketingverantwortlicher Björn Endter, der bei Schalke schon Auslandsreisen begleitet hat, besitzt ein gutes Netzwerk. So waren wir mit beiden Vereinen im Austausch und haben das gegenseitige Interesse festgestellt. Wir sind schon ein wenig stolz, dass wir als einer der vermeintlich kleinen Vereine in die USA reisen.

Kennt der Sportfan in Wisconsin und Minnesota wirklich Daniel Baier oder Florian Niederlechner?

Ströll: Wenn sich jemand mit der Bundesliga beschäftigt, dann sicherlich. Wir wollen diese Reise jedoch auch dazu nutzen, in den USA allgemein und speziell in dieser Region auf uns aufmerksam zu machen. Aber auch monetäre Gründe spielen bei der Reise eine Rolle.

Was heißt das?

Ströll: Die Reise wird von der DFL subventioniert und wir erzielen weitere Einnahmen mit der Reise.

Werden alle Spieler mitfliegen oder dürfen einige früher in die Ferien?

Ströll: Unser klarer Plan ist, dass wir die Reise komplett mit allen Profis antreten. Natürlich hängt das aber auch noch von möglichen Teilnahmen bei der EM oder den Olympischen Spielen ab.

Der FCA könnte auch wachsen, indem er sich einen Investor ins Boot holt. Ist auch das ein Grund für die Reise?

Ströll: Nein, das ist überhaupt kein Thema in diesem Zusammenhang. Auch sonst fühlen wir uns in dieser Struktur, in der wir uns momentan befinden, sehr wohl.

Ein wichtiger Wachstumsfaktor könnte auch das Stadion sein. Wann ist es abbezahlt?

Ströll: Das wird in den nächsten drei, vier Jahren der Fall sein. Die Anteile der Investorengruppe um Walther Seinsch, die ja schon überschrieben sind, werden im Laufe des Jahres komplett abbezahlt sein. Dann haben wir noch den Stadionkredit zu bedienen, der in drei, vier Jahren, je nach Zinsentwicklung, abbezahlt ist. Da müssen wir jährlich insgesamt einen siebenstelligen Betrag bedienen.

Sie sind beim FCA auch verantwortlich dafür, die Verträge auszuhandeln. Wie hat sich das in den vergangenen Jahren verändert?

Ströll: Das machen Stefan Reuter und ich zusammen. Auch unser Präsident ist in diese Entscheidungen mit einbezogen. Wir stimmen uns diesbezüglich eng ab. Da mehr Geld im Umlauf ist, hat es sich insofern verändert, dass mehr Begehrlichkeiten von verschiedenen Leuten entstanden sind, die Einfluss nehmen wollen. Unsere Aufgabe ist es, Spieler davon zu überzeugen, dass sportlich der Schritt nach Augsburg der ideale für sie ist. Das konnten wir im Sommer unter Beweis stellen, indem sich unter anderem viele Talente für uns entschieden haben.

Michael Ströll fing 2007 beim FC Augsburg als Praktikant an.
Foto: Ulrich Wagner

Sind Verträge über eine Million Euro Jahresgehalt beim FC Augsburg immer noch selten?

Ströll: Da halten wir es wie immer. Wir sagen nichts zu Vertragsinhalten (schmunzelt). Es gibt aber die Kennzahl Personalaufwendungen, die auf der Mitgliederversammlung genannt wird.

Das waren in der Saison 18/19 knapp 37 Millionen …

Ströll: In diese Summe sind alle Personalkosten inkludiert, also neben Mannschaft, Trainer- und Funktionsteam auch alle weiteren Angestellten. Aktuell sind wir damit im Ligavergleich wohl Dritt- oder Viertletzter.

Stefan Reuter hat immer wieder betont, dass die Profi-Verträge keine Ausstiegsklausel enthalten. Ist das ein brisantes Thema bei Verhandlungen?

Ströll: Es ist richtig, dass es keine Ausstiegsklauseln bei uns gibt. Wir haben in der Vergangenheit aber schon des Öfteren unter Beweis gestellt, dass wir uns immer mit konkreten Angeboten auseinandersetzen. Wenn sich ein Spieler schneller als der Verein entwickelt und es eine Win-win-Situation für alle Beteiligten ist, gibt es durchaus die Möglichkeit zu wechseln.

Ströll: "Wir wissen, wie privilegiert wir im Profifußball sind"

Zuletzt wurden die Spieler oft mit sehr langfristigen Verträgen ausgestattet. Das ist eine Chance, aber auch ein Risiko, wenn sich ein Spieler nicht dementsprechend entwickelt.

Ströll: Ich glaube, die langfristigen Verträge sind für den Verein grundsätzlich positiv zu bewerten. Wir holen Spieler, von denen wir überzeugt sind, dass sie sich positiv entwickeln. Das wird nicht immer klappen. Aber wenn die positiven Entwicklungen überwiegen, haben wir vieles richtig gemacht.

Haben Sie schon mit dem Trainer über einen neuen Vertrag gesprochen? Der läuft im Sommer 2021 ja aus?

Ströll: Da halten wir es wie immer: Vertragsgespräche führen wir hinter verschlossenen Türen.

Was sind Ihre Ziele in den nächsten vier Jahren?

Ströll: Wir wollen organisch wachsen und über den Tellerrand hinausblicken. Wir wollen uns in diesem Jahr besonders im sozialen Bereich noch mehr engagieren. Wir wissen, wie privilegiert wir im Profifußball sind. Da haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung, der wir noch stärker gerecht werden wollen.

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