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FC Augsburg

17.03.2021

FCA-Jugendtrainer: 600 Euro für 120 Stunden Arbeit

Wer hier trainiert, träumt von einer Karriere als Bundesligaspieler. Im Norden Augsburgs bildet der FC Augsburg seine Jugendspieler im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zum Profi aus.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Im Gespräch bestätigen ehemalige Jugendtrainer des FC Augsburg, dass sie vom Klub schlecht bezahlt worden sind. Und nennen Gründe, warum sie dennoch nichts bereuen.

Klaus Hofmann formulierte ein klares Ziel, als er vor rund sieben Jahren die Präsidentschaft beim FC Augsburg übernahm. „Meine Vision ist, dass ich einmal im M-Block stehe und in der Startformation unserer Bundesligamannschaft stehen vier Spieler, die schon seit der D-Jugend bei uns sind.“ Wie ernst es ihm ist, hatte Hofmann zwei Jahre zuvor gezeigt. Als er 2012 in den Aufsichtsrat gewählt wurde, spendete er eine Million Euro für den Nachwuchs.

Dass künftige Bundesligaspieler tatsächlich schon in der D-Jugend für den FCA spielten, schließt sich im permanenten Aussortieren der Talente eher aus. Aber etliche Profis haben inzwischen über das Leistungszentrum (NLZ) des FCA den Weg in den Profifußball gefunden. Jüngstes Beispiel: Der 19-jährige Tim Civeja, der seit Jahreswechsel dreimal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen ist.

Für den FC Augsburg können Talente viel Geld wert sein

Gerade für Klubs wie den FC Augsburg können Talente Geld wert sein. Schafft der Kicker den Sprung in den eigenen Profikader, ist kein teurer Transfer nötig; wird er verkauft, macht ein Klub je nach Ablösesumme Gewinn. Die Bundesligisten bilden ihre Spieler ebenso aus, weil sie von der Deutschen Fußball Liga (DFL) dazu verpflichtet sind. Seit der Saison 2008/09 müssen insgesamt acht Spieler, die von einem deutschen Klub oder Verband ausgebildet wurden, bei einem Bundesligisten unter Vertrag stehen. Sogenannte „Local-Player“ sind beim FCA etwa Marco Richter, Raphael Framberger oder der verliehene Kevin Danso (Düsseldorf).

Die Erstligisten investieren kräftig in ihre Leistungszentren, allein in der Saison 2019/20 waren es 154 Millionen Euro. Teils werden die Kinder und Jugendlichen in imposanten Bauten auf eine mögliche Karriere vorbereitet, umso erstaunlicher ist, dass die Klubs bei ihrem Personal sparen. Also jenen Angestellten, die dafür sorgen sollen, dass ein bestens vorbereiteter Kicker dem NLZ entspringt.

Taskforce Profifußball empfiehlt einen Verhaltenskodex

Wie berichtet, hat das WDR-Magazin „Sport Inside“ aufgezeigt, dass etliche Jugendtrainer in unteren Jahrgangsstufen nicht einmal Mindestlohn erhalten. Ein Jugendtrainer des FC Bayern erhielt 450 Euro pro Monat, ein Jugendtrainer des FC Augsburg 250 Euro pro Monat. Ernst Tanner, der bei 1860 München und in Hoffenheim die Akademien leitete, sprach von gängiger Praxis bis in die unteren Ligen und nannte das System „unsozial“. Die Praktiken in den NLZ lassen sich schwer mit den jüngsten Handlungsempfehlungen der DFL vereinbaren. Die Taskforce Profifußball hatte unter anderem eine „Ausarbeitung eines verbindlichen Wertegerüsts/Verhaltenskodex und Menschenrechtskonzepts“ empfohlen.

Gegenüber unserer Redaktion bestätigen ehemalige FCA-Jugendtrainer, dass ihre Bezahlung in keiner Relation zum Zeit- und Arbeitsaufwand stand. Obendrein existierten gravierende Gehaltsunterschiede zwischen ehemaligen Profis auf Chefposten und deren Co-Trainern. „Als er (der Cheftrainer, d. R.) seinen Fußballlehrer gemacht hat, war er nur zum Spiel da. Die restliche Arbeit unter der Woche habe ich erledigt“, erzählt ein ehemaliger U17-Coach. Lohn: 450 Euro im Monat.

Ein anderer berichtet von seiner Tätigkeit als U16-Cheftrainer. Rund 30 Arbeitsstunden pro Woche wendete er für den FCA-Nachwuchs auf. Kilometergeld für die einfache Strecke von 80 km gab es keine. Mit 600 Euro pro Monat war alles abgegolten. Beim aktuellen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde hätte er allein für die Arbeitszeit das doppelte Gehalt beziehen müssen.

Auf Nachfrage teilt das Hauptzollamt Augsburg mit, dass es keine Angaben zu Verstößen gegen das Mindestlohngesetz in Sportvereinen machen könne – auch nicht zum FC Augsburg.

Ehemaliger FCA-Trainer betont: "Für mich war das ein Sprungbrett"

Rechtsanwalt Andreas Waldschmidt, der einen Ex-Jugendtrainer des FC Bayern vertritt, nennt die Ausbeutung der Angestellten „schäbig“, ehemalige FCA-Nachwuchstrainer aus der Region nennen Gründe, warum sie sich dennoch darauf einließen. Der immaterielle Wert sei immens. „Für mich war das ein Sprungbrett. Ich habe unglaublich viel gelernt und mir im Fußball einen guten Namen aufbauen können“, sagt ein Mann Mitte 40, der inzwischen einen Landesligisten trainiert. Und dort entsprechend des Aufwands bezahlt wird.

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Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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19.03.2021

"FCA-Jugendtrainer: 600 Euro für 120 Stunden Arbeit"
Wer für diese Vergütung arbeitet ist selber schuld.

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17.03.2021

Eigenartig, wie bei den sonst so eifrigen Diskutanten - sowohl mit FCA- als auch mit FCB-Präferenz - (schon zum gestrigen Artikel) das grosse Schweigen ausbricht.

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19.03.2021

Die FCA/FCB-Fans diskutieren sicher lieber über die fußballerischen (Minder-)Leistungen der (fürstlich bezahlten) sportlichen Leitung der Lizenspieler-Abteilung...da stimmt sicher auch die Trainerbezahlung.
Die Verantwortlichen für die skandalösen finanziellen Arbeitsbedingungen für "ehrenamtlich" im Jugend-/Nachwuchsbereich beschäftigten Betreuer und Trainer, werden sich auf Angebot und Nachfrage bei der Personalsuche herausreden.

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17.03.2021

Ich dachte immer, die Trainer arbeiten ehrenamtlich.

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17.03.2021

Wieso zur Hölle soll man ehrenamtlich ein Team trainieren der bei Transfers wenn es gut läuft dem Verein Millionen Euro einbringen kann?

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17.03.2021

Ehrenamtlich heisst nicht ohne Bezahlung!
Viele Bürgermeister arbeiten auch ehrenamtlich und bekommen Geld.

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