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FC Augsburg

15.10.2020

FCA-Manager Reuter: „Mit sieben Punkten hat noch keiner die Klasse gehalten“

FCA-Manager Stefan Reuter redet über den starken Saisonstart, die Transferperiode und die Zukunft von Marco Richter.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus FCA-Manager Stefan Reuter redet über den starken Saisonstart, die Transferperiode und die Zukunft von Marco Richter.

Herr Reuter, Sie waren gerade mit den Weltmeistern von 1990 unterwegs. Wie waren die Tage in der Toskana?

Stefan Reuter: Es war ein tolles Wochenende mit den ehemaligen Kollegen. An der WM in Italien hängen wunderschöne Erinnerungen, die wir alle fünf Jahre gebührend Revue passieren lassen wollen.

Sie hatten ja das Vergnügen, als Tabellenzweiter dort hinzureisen.

Reuter: Wenn du gute Spiele abgeliefert und gepunktet hast, kann man so etwas noch etwas mehr genießen. Ich wurde auch viel angesprochen auf den guten Start. Und es wurde mir viel Respekt entgegengebracht für die Entwicklung in Augsburg in den vergangenen Jahren.

Wurde schon darüber gescherzt, wo ihr die Meisterschaft feiern könntet?

Reuter: Nein, wir haben uns auf das Nationalteam von damals konzentriert (schmunzelt). Wir sind ja realistisch. Wir versuchen, in jedem Spiel etwas mitzunehmen, wir können die ersten drei Spiele einordnen.

Stefan Reuter (rechts) mit seiner Lebensgefährtin Annette Ruess sowie Andreas und Sigrid Möller beim Treffen der Weltmeister 1990 in der Toskana.
Bild: Getty Images

Blicken wir schon mal auf den Samstag. Was erwarten Sie von Leipzig?

Reuter: Leipzig hat enorme Qualität. Sie haben viel Geschwindigkeit, verschiedene Möglichkeiten in ihrer Mannschaft und auch im Sturm noch mal nachgelegt. Auch in der Breite sind sie richtig gut besetzt und spielen nicht umsonst seit Jahren vorne mit.

Wie sehen Sie das aktuelle Verhältnis zwischen dem FCA und RB Leipzig? In der Vergangenheit war es nicht immer ganz geräuschlos.

Reuter: Geräuschlos war es nicht immer, das stimmt. Aber wir konzentrieren uns ganz auf das Sportliche. Wir wollen auch gegen Leipzig die guten Leistungen der vergangenen Wochen bestätigen.

Und Tabellenführer werden.

Reuter: Wir würden uns nicht wehren. Das übergeordnete Ziel ist es aber, die Klasse zu halten. Sollte uns das frühzeitig gelingen, sind wir gerne bereit, uns über andere Dinge zu unterhalten. Aber mit sieben Punkten hat noch kein Verein die Klasse gehalten.

Wie schätzen Sie das Transfergeschehen beim FCA ein?

Reuter: Insgesamt sind wir sehr zufrieden, aber das jetzt schon abschließend zu beurteilen, ist schwer. Das wird sich im Laufe der Saison zeigen. Was wir uns vorgenommen haben, konnten wir umsetzen. Wir wollten eine neue Hierarchie entstehen lassen, eine hohe Leistungsbereitschaft und das Trainingsniveau noch mal anheben. Das haben wir geschafft.

Vor allem Rafal Gikiewicz hat schon voll eingeschlagen.

Reuter: Wir haben erst ein Gegentor hinnehmen müssen. Und Rafal hat in jedem Spiel Paraden gehabt, die uns gutgetan haben. Da muss ich ein Riesenkompliment aussprechen, wie er gestartet ist und wie er sich in der neuen Umgebung von Anfang an super zurechtgefunden hat.

Bei den verliehenen oder abgegebenen Akteuren sind viele junge dabei. Es war mal der Wunsch, vier bis fünf Eigengewächse im Team zu haben. Sind Sie von diesem Weg etwas abgekommen?

Reuter: Nein, gar nicht. Klaus Hofmann hat in seiner Antrittsrede gesagt, er träumt davon, dass vier Spieler in der Anfangself auflaufen, die bei uns ausgebildet wurden. Das ist nach wie vor unser Ziel, weiter auf den Nachwuchs zu setzen. Es ist aber auch wichtig, dass die Spieler genug Spielzeit bekommen. Wenn zum Beispiel ein Kevin Danso auf uns zukommt, der lieber einen vermeintlichen Schritt zurück in die 2. Liga geht und dafür Woche für Woche spielt, können wir das absolut nachvollziehen. Dann gehen wir vielleicht ein kleines Risiko ein, weil uns die Qualität eines Spielers fehlt. Aber für seine persönliche Entwicklung ist es wichtiger, dass er viele Einsatzzeiten bekommt. Deshalb haben wir mit Düsseldorf eine gute Lösung gefunden. Aber perspektivisch sind das Spieler, die bei uns eine Rolle spielen sollen. Wir haben ja auch wieder einige Nachwuchsspieler an den FCA binden können.

Simon Asta aber haben Sie verkauft. Gab es bei ihm nicht die Perspektive, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Reuter: Zum einen ist bei ihm der Vertrag nicht mehr lange gelaufen und er wollte fest zu einem Verein wechseln, bei dem er in dieser Saison eine feste Größe sein kann. Wir sind aber so auseinandergegangen, dass es denkbar ist, dass er irgendwann wieder für den FCA aufläuft. Es gibt keinerlei Groll. Nach seinen ersten beiden Bundesligaspielen hat er sich natürlich mehr Einsatzzeit gewünscht, aber das hat auch aufgrund seiner Verletzungen nicht so funktioniert. Wir werden seinen Weg eng verfolgen.

Auch mit Marco Richter tut sich ein anderes Eigengewächs gerade recht schwer. Wie nah war ein Wechsel?

Reuter: Marco hat in den vergangenen Jahren viele Einsätze bei uns gehabt. In der Vorbereitung wurde er durch eine Verletzung zurückgeworfen und die anderen haben es in dieser Phase richtig gut gemacht. Jetzt ist er wieder voll im Training und gibt Gas. Ich bin froh, dass wir seine Qualität bei uns haben. Wir waren in Gesprächen mit Köln, sind da aber nicht zusammengekommen. Wir wollen auch keine Spieler unter Wert abgeben. Es war auch schon recht spät in der Transferperiode, da kann man nicht mehr so agieren, wie zu einem frühzeitigeren Zeitpunkt.

Er hat nun aber noch einmal deutlich gesagt, dass ein Wechsel für ihn noch nicht vom Tisch sei. Das Thema wird also wieder kommen.

Reuter: Wir erwarten von einem Spieler, dass er Gas gibt und sich voll mit seiner Aufgabe identifiziert und alles gibt für das Team. Er spielt diese Saison definitiv in Augsburg. Ich kann mir auch vorstellen, dass er länger bleibt.

Sehen Sie da Defizite bei ihm?

Reuter: Nein, ganz und gar nicht. Er haut sich voll rein und gibt Gas. Es war bitter, dass er mit einer Sprunggelenksverletzung für zwei Wochen aus dem Training war. Da verliert man seinen Rhythmus. Jetzt muss er wieder auf den Moment warten.

Ist es aber nicht auch ein Zeichen für die Qualität eines Kaders, wenn ein Spieler wie Marco Richter plötzlich wie in Wolfsburg nicht im Kader ist?

Reuter: Natürlich. Die Qualität und die Konkurrenzsituation in unserem Kader ist eine andere als vor einigen Jahren. Das wollten wir ja auch so.

Wie sehen Sie die Situation bei Carlos Gruezo, der in Wolfsburg verletzt ausgewechselt wurde, dann aber für Ecuador gespielt hat?

Reuter: Er hatte in Wolfsburg leichte Muskelprobleme. Er hat dann in Ecuador zunächst nur regenerativ gearbeitet. Für sein Spiel gegen Argentinien hat er viel Lob bekommen. Wir hoffen natürlich, dass die Nationalspieler gesund und nicht zu kaputt zurückkommen. Am besten haben sie Selbstvertrauen getankt, aber auch die nötige Frische.

Wie sehen Sie die Terminhatz gerade?

Reuter: Das sehe ich kritisch. Umso wichtiger ist, dass wir einen vernünftigen Kader haben, um Spielern auch mal Pausen geben zu können. Ich finde es aber einen Wahnsinn, dass in dieser kurzen Länderspielpause drei Länderspiele stattfinden, das ist zu viel.

Vor allem sind auch Ihre Spieler diese große Belastung nicht gewohnt.

Reuter: Der FC Bayern ist da eine Ausnahme, der englische Wochen gewohnt ist. Viele andere Klubs sind das nicht. Wir haben auch einen anderen Spielstil, der viel Kraft erfordert. Die Bayern mit ihrem Ballbesitzfußball spielen vielleicht auch etwas ökonomischer. Es geht aber an keinem spurlos vorbei. Das sieht man auch in anderen Ligen. Liverpool hat zuletzt sieben Gegentore kassiert. Das ist keine Frage der Qualität, sondern der körperlichen und geistigen Frische. Zum einen sind wir froh, dass wir Nationalspieler haben, aber man muss auch mit der körperlichen Belastung umgehen können. Nach ihrer Rückkehr müssen wir genau schauen, welchen Eindruck machen sie und wer kann am Samstag wieder von Anfang an Gas geben. Bei uns ist der Vorteil, dass wir eine lange, gute Vorbereitung hatten. Für Bayern oder Leipzig war das schwerer, da sie noch Champions League gespielt haben.

Lesen Sie dazu auch: Keine Zuschauer gegen Leipzig: FCA verärgert über Entscheidung

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit Florian Niederlechner von September 2020 an:

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