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eSport

06.07.2020

FCA-Spieler Bederke: Mit Plüsch-Einhorn zum deutschen Meistertitel

Mit geballter Faust bejubelte Yannic Bederke seinen Erfolg. Im eSport siegte der 19-Jährige in der Virtual Bundesliga und gewann so im Trikot des FC Augsburg den deutschen Meistertitel.
Bild: FC Augsburg

Plus Der 19-Jährige ist seit kurzem Deutschlands Bester an der Spielekonsole. Ins Schema der eSport-Szene passt er nicht. Um Profi zu werden, muss er den FC Augsburg wohl verlassen.

1993 war Augsburgs A-Jugend beste Mannschaft des Landes, 2016 die U15 im Futsal. Der dritte deutsche Meister im Trikot des FC Augsburg heißt Yannic Bederke. Vor kurzem hat er die Meisterschale der virtuellen Bundesliga in Empfang genommen. Die Trophäe war nicht nur von ideellem Wert, der Titel bescherte dem 19-Jährigen ebenso viel Geld: 25.000 Euro erhielt er.

Im Finale gegen Kai Wollin ( Bayer Leverkusen) sorgte ein Treffer von Marco Richter für den größten Triumph in Bederkes noch junger eSport-Karriere. Ausgerechnet Richter. "Sonntagmorgen habe ich ihm noch geschrieben, dass ich seine Tore brauche", sagt Bederke. Der FCA-Profi und Bederke kennen sich von einem eFootball-Turnier im Frühjahr. "Davor hatte er nicht so genetzt wie erhofft. Dass er dann das entscheidende Tor macht, ist überragend." Richter war neben den Profis Florian Niederlechner und Maurice Malone einer der ersten Gratulanten.

Bederkes Glücksbringer heißt "Schnuffl"

Bederkes Weg zum Titel war 18 Spiele lang. "Ich musste mich durchkämpfen", sagt er. Im Vorfeld waren ihm lediglich Außenseiterchancen eingeräumt worden. "Aber ich habe mich akribisch auf jeden Gegner vorbereitet." Unterstützung erhielt Bederke von seinem älteren Bruder Philipp, der ihm als Coach zur Seite steht – und von einem bunten Plüsch-Einhorn. "Schnuffl" heißt das Stofftier mit grünem Horn, das ihm seine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat und ihn schon in der regulären eFootball-Saison begleitete. "Ich bin Einhorn-Fan", sagt der 19-Jährige. Rituale oder Glücksbringer sind in der Szene normal, ein Einhorn ist aber außergewöhnlich. Überhaupt ist Bederke ein etwas anderer eSportler.

Viele Kollegen, die Bederke hinter sich ließ, sind Profis, beim VfL Wolfsburg oder Schalke 04 haben sie hoch dotierte Verträge. Bederke hingegen verdient beim FCA keinen Cent. Wichtiger als Geld ist Bederke aktuell seine Ausbildung zum Notarfachangestellten. Die Abschlussprüfung steht im August an. "eSport kann man nicht bis 50 betreiben, dafür kommen zu schnell zu viele gute junge Spieler nach", sagt Bederke, der aus Hüssingen (Kreis Donau-Ries) stammt und im "echten" Fußball für den TSV Öttingen im Tor steht. "Ich möchte mir zuerst einen Grundstock schaffen, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann."

Seinen Meistertitel feierte er im kleineren, familiären Kreis. Ganz so, wie er im Gespräch wirkt: ruhig, bedächtig. Oder wie er sich selbst beschreibt: "ausgeglichen". Doch Bederke, der in der Virtual Bundesliga als "Yannic0109" antritt, kann auch anders. Emotionaler. Das zeigen zahlreiche Video-Mitschnitte während seiner Spiele. Nach dem Meistertitel riss es Bederke aus dem Sessel, er ballte die Faust, schrie und jubelte.

Den Titel widmet der FCA-Spieler einem verstorbenen Freund

Dahinter steckte mehr als die Freude eines großen Erfolgs. Den Titel widmete Bederke einem verstorbenen Freund. Mitte Februar starb dieser mit nur 30 Jahren an einem Herzinfarkt. "Er war ein langjähriger Wegbegleiter und oft für mich da", erzählt Bederke, der ein FCA-Trikot mit dem eSport-Namen seines Bekannten anfertigen ließ. Das Trikot begleitet ihn seitdem bei allen Spielen, in sozialen Medien postete Bederke: "Der Titel ist auch ein Verdienst von dir und für dich." Der Gedanke an seinen Freund habe ihn zusätzlich motiviert, meint der 19-Jährige. "Bei meinem Ausscheiden im vergangenen Jahr hat er mir Mut gemacht, gesagt, 2020 würde ich das Ding holen. Er hat mir den Titel damals schon zugetraut. Das macht mich sehr, sehr stolz."

Sich nun deutscher Meister nennen zu können, ist für Bederke noch surreal. Mit acht oder neun Jahren hielt er erstmals den Controller einer Spielkonsole in der Hand, jetzt ist er der Beste seines Fachs in Deutschland – und auf einen Schlag 25.000 Euro reicher. Was er damit macht, weiß er noch nicht genau. Etwas Geld wolle er für sein Ultimate Team bei Fifa ausgeben. Bei vielen internationalen Turnieren müssen die eSportler reales Geld ausgeben, um die besten virtuellen Spieler zu bekommen. Viele geben mehrere tausend Euro für Messi, Ronaldo oder Lewandowski aus, erklärt Bederke. "So viel wird es bei mir nicht. Aber doch ein bisschen mehr als bisher." Ansonsten wolle er mit dem Geld in den Urlaub fahren und sparen. Daraus, dass er irgendwann vom eSport leben will, macht Bederke keinen Hehl. Das Ziel: Profi werden. Das Problem: Wie auch in der Fußball-Bundesliga zählt der FCA im eSport zu den eher kleineren Vereinen.

Bederke wünscht sich mehr Akzeptanz für eSport

Von einer Professionalisierung ist der FC Augsburg weit entfernt. Um Profi zu werden, muss er wohl den Verein wechseln. Er weist zwar darauf hin, dass er Fan und Mitglied des FCA sei, kann sich aber auch einen Wechsel vorstellen. "Der Ehrgeiz, Profi zu werden, ist auf jeden Fall da." Er geht davon aus, dass eine Entscheidung nach seiner Abschlussprüfung im August fallen wird. Nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Unabhängig davon, wie es für ihn persönlich weitergeht, hofft Bederke auf einen positiven Effekt für seine Sportart – wenn es denn eine ist. Wie umstritten eSport gerade auch bei FCA-Ultras ist, weiß Bederke. "Man muss uns eSportler ja nicht lieben. Aber zumindest Respekt für das, was wir leisten, wäre schön. Ich hoffe, dass mein Titel auch für etwas mehr Akzeptanz sorgt."

Nachrichten in den sozialen Medien machen ihm Mut. Leute, die eSport vor einem Jahr noch kritisch sahen, zeigten sich jetzt interessiert, so Bederke. An eSport. Und an einem der wenigen deutschen Meister in der FCA-Geschichte.

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