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FC Augsburg

25.01.2021

FCA-Torhüter Gikiewicz erreicht mit Union-Sieg erstes Saisonziel

Schütze Marcus Ingvartsen (links) scheitert mit seinem Elfmeter an seinem Ex-Union-Kollegen Rafal Gikiewicz. Der FCA-Torhüter war einer der Hauptgaranten für den 2:1-Sieg.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Rafal Gikiewicz war einer der Sieggaranten beim 2:1 gegen Union Berlin. Mit den zwei Erfolgen gegen seinen Ex-Klub hat der FCA-Torhüter sein erstes Saisonziel erreicht.

Wer wissen will, was Rafal Gikiewicz in seiner ersten Saison mit dem FC Augsburg erreichen will, der müsste nur einen Blick in die Küche der Familie Gikiewicz werfen. Da hat der Torhüter auf Postits seine sportlichen Ziele aufgeschrieben. Visualisierung nennen das Sportpsychologen. Damit sollen die Ziele immer vergegenwärtigt und damit auch leichter erreicht werden.

Florian Eisele und Robert Götz besprechen im FCA-Talk die Situation beim Bundesligisten.
Video: AZ

Am Samstag nach dem 2:1 (1:1)-Erfolg gegen seinen Ex-Verein Union Berlin konnte Gikiewicz den ersten kleinen Merker abnehmen. „Mein Ziel war ein Zettel an meinem Kühlschrank, auf dem sechs Punkte gegen Union stehen. Das habe ich geschafft – also ein toller Tag für mich“, freute sich der Pole.

Am ersten Spieltag hatte der FCA im Stadion An der Alten Försterei, im Kultstadion im Osten der Hauptstadt, mit 3:1 gewonnen. Damals ahnte niemand, dass es die bisher einzige Heimniederlage von Union bleiben würde. Dass die Berliner in ihrer zweiten Bundesliga-Saison zum Rückrundenauftakt auf Europa-League-Kurs liegen würden.

Rafal Gikiewicz hält mit Union-Tattoo am Unterarm Elfmeter

Die Duelle gegen seinen Ex-Klub waren für den 33-Jährigen von besonderer Brisanz, vor allem, weil er vor der Saison zum FCA gewechselt war, weil er sich mit Union nicht über einen neuen Vertrag einigen konnte. Dabei war Gikiewicz im Berliner Stadtteil Köpenick, der Heimat Unions, innerhalb von nur zwei Jahren zum Kultkicker aufgestiegen. 2018 war er vom SC Freiburg zum damaligen Zweitligisten gekommen. Mit Gikiewicz gelang der sensationelle Bundesliga-Aufstieg und dann auch noch der Klassenerhalt. Gleich nach der Aufstiegssaison hatte sich der extrovertierte Fußball-Profi ein Union-Tattoo auf den linken Unterarm stechen lassen. Und genau mit diesem Arm wehrte er in der 56. Minute den Elfmeter von Marcus Ingvartsen ab.

Der FCA führte da nach zwei Toren von Florian Niederlechner (17. und 47.) und dem zwischenzeitlichen Ausgleich von eben jenem Ingvartsen 2:1, als Schiedsrichter Felix Brych (München) einen in der Entstehung umstrittenen Elfmeter pfiff. Doppel-Torschütze Niederlechner war dem Unioner Grischa Prömel im eigenen Strafraum bei einem Ausfallschritt unabsichtlich auf den Fuß getreten. Brych ließ erst weiterspielen, um dann, aufmerksam gemacht vom Videoschiedsrichter, die Szene am Monitor selbst zu begutachten. Dann entschied er auf Elfmeter, was FCA-Sportgeschäftsführer Stefan Reuter nicht verstand: „Uns wird immer erklärt, dass es keine Situation für den Videoassistenten ist, wenn es keine 100-prozentige Fehlentscheidung ist.“ Und das sei es nicht gewesen, so Reuter weiter: „Darum war ich von der Entscheidung sehr überrascht und umso glücklicher, dass Rafal den Elfmeter gehalten hat.“

Im direkten Duell mit Ingvartsen nützte Gikiewicz sein Insiderwissen aus der vergangenen gemeinsamen Saison. Denn der Däne war nach dem Bundesliga-Aufstieg aus Belgien zu Union gewechselt. „Den letzten Elfmeter hat Ingvartsen in die linke Ecke geschossen, deshalb habe ich mich heute für die andere entschieden und damit alles richtig gemacht“, erklärte Gikiewicz nach dem Schlusspfiff und fügte trocken an. „Ich bin Torwart, ich muss Bälle halten, das ist mein Beruf.“

Und den erledigt er derzeit sehr zum Wohlgefallen seines Arbeitgebers mit Bravour. Denn nicht nur den Elfmeter hielt er, auch bei einem Drehschuss von Taiwo Awoniyi (60.) reagierte er hervorragend.

Andreas Luthe als Nachfolger im Tor von Union Berlin

Auf Gikiewicz war also Verlass. Damit entschied er auch das zweite Duell mit Andreas Luthe für sich. Der ist nicht nur sein Nachfolger im Union-Tor, sondern der war auch sein Vorgänger im FCA-Trikot.

Der FCA und Union verbindet: Rafal Gikiewicz (links) spricht nach dem Spiel mit seinem Vorgänger Andreas Luthe und Ex-FCA-Profi Akaki Gogia.
Foto: Ulrich Wagner

Auch Luthes Wechsel aus Augsburg nach Berlin war nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen. Doch am Samstag war das alles kein Thema mehr. „Die Jungs haben es heute super gemacht, sie haben es sich verdient“, erklärte Luthe später in die Fernsehkameras. Und er meinte nicht seine Union-Kollegen, sondern seine ehemaligen Mitspieler aus Augsburg. Hier hat er seine Frau kennengelernt, hier hat er sich ein Haus gekauft und hier wird er nach seiner Karriere wohl seinen Lebensmittelpunkt haben. „Ich liebe diese Stadt, aber heute hätte ich gerne gewonnen“, sagte er. Hat er aber nicht. Auch weil sein Gegenüber im FCA-Tor, mit dem er sich nach dem Schlusspfiff freundschaftlich austauschte, wie in Berlin einen Sahnetag erwischte.

Damit entwickelt sich die Gikiewicz-Verpflichtung (Vertrag bis 2022 plus ein Jahr Option) immer mehr zum Toptransfer von Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter. Er hatte den Torhüter auch ablösefrei nach Augsburg gelotst, um mehr Siegermentalität ins Team zu holen. Und da liefert Gikiewicz nicht nur auf dem Platz.

Frustauftritte des FC Augsburg haben Rafal Gikiewicz genervt

Denn die Frustauftritte der vergangenen Wochen hatten den Torwart so genervt, dass er nach der Niederlage in Bremen die seiner Meinung nach zu lockere Herangehensweise einiger Mitspieler kritisiert hatte. „Die Form war vielleicht nicht richtig, das öffentlich zu machen, aber inhaltlich stehen wir da voll dahinter“, stärkte FCA-Trainer Heiko Herrlich seinem Torhüter den Rücken. „Wir haben mit ihm einen absoluten Führungsspieler, der sich mit seiner Kritik natürlich auch rauslehnt und sich letztendlich angreifbar macht, aber dann vorangeht.“ Mit dem gehaltenen Elfmeter habe Gikiewicz „seiner Topleistung der vergangenen Wochen und Monate eine Krone aufgesetzt“.

Gut möglich, dass der selbst ernannte „König von Köpenick“ bald „Kaiser von Augsburg“ wird.

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