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FC Augsburg

12.08.2019

Geschäftsführer Ströll: Anstoßzeiten sind wichtiger als Geld

Michael Ströll ist Geschäftsführer Finanzen beim FC Augsburg.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Geschäftsführer Michael Ströll spricht über das Image des FCA als harter Verhandlungspartner und darüber, wo er den Verein in fünf Jahren sieht.

Michael Ströll, in dieser Transferperiode waren Sie öfters im Bild bei Transferabschlüssen zu sehen. Wie ist denn die genaue Aufteilung beim FC Augsburg?

Michael Ströll: Die Aufgaben sind klar geregelt. Stefan Reuter ist für den sportlichen Bereich zuständig. Wenn es dann um finanzielle und/oder administrative Dinge geht, stimmen wir uns entsprechend ab.

Stecken Sie als kaufmännischer Geschäftsführer den finanziellen Rahmen ab?

Ströll: Stefan Reuter, Klaus Hofmann und ich sprechen uns grundsätzlich ganz eng ab. Wenn die Dinge konkreter werden, stehen wir im intensiven Austausch.

Der FCA wurde zuletzt oft als Verein dargestellt, der seine Spieler nur zu überhöhten Preisen abgeben will. Sie werden das wohl anders sehen, oder?

Ströll: Das sind Mutmaßungen, weil wir grundsätzlich keine Summen und Gerüchte kommentieren. Eines ist aber klar: Wir als FCA müssen überlegen, wie wir uns stabil entwickeln können. Wir haben, wie alle anderen Vereine auch, nichts zu verschenken. Wir agieren jedoch auch mit Weitsicht und Fairness den Spielern gegenüber.

Das sehen einige Spieler derzeit aber anders…

Ströll: Ich denke, wir haben in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, dass wir Lösungen anstreben, wenn sie marktgerecht sind. Siehe Baba, Ostrzolek, Vogt oder auch Klavan. Wir haben überall einen für alle Parteien passenden Konsens gefunden.

Sehen Sie sich da im falschen Licht dargestellt?

Ströll: Wenn wir von dem einen oder anderen als diejenigen dargestellt werden, die sich nicht bewegen, müssen wir damit leben. Wir wissen, wie wir agieren und dass wir Lösungen finden können, wenn sie im Sinne aller Beteiligten sind. Aber es kann nicht sein, dass es nur zu einer Seite kippt.

Wie steht der FCA denn in dieser Saison im Finanzranking da?

Ströll: Im zuletzt veröffentlichten DFL-Report lagen wir bei den Personalaufwendungen, in dem zum Beispiel auch die Gehälter der Geschäftsstelle enthalten sind, auf dem 18. und damit letzten Platz. Mit weitem Abstand hinter Freiburg oder Mainz.

Das war in der Saison 17/18.

Ströll: Richtig. Wir haben in dieser Saison Vereine wie Paderborn oder Union Berlin als Konkurrenten, die ein vermutlich geringeres Personalbudget haben, aber wir sind immer noch ein kleiner Player in der Bundesliga.

Kritischer Blick auf die FCA-Mannschaft: Chefscout Timon Pauls, Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter und Finanz-Geschäftsführer Michael Ströll während des Trainingslagers.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Die Niederlagen zum Saisonende waren auch aus finanzieller Sicht bitter für den FCA

Wie versucht der FCA, dies zu ändern?

Ströll: Es gilt hierbei grundsätzlich mehrere Säulen zu berücksichtigen. Im Ticketing zum Beispiel sehen wir bei uns nicht mehr den großen Wachstumsmarkt, da wir da recht gut ausgelastet sind. Im Bereich Sponsoring und Werbung sehen wir hingegen noch Potenziale und versuchen, uns hier weiterzuentwickeln. Darüber hinaus ist das TV-Geld mittlerweile der maßgebliche Parameter für uns. Je besser wir sportlich abschneiden, desto mehr erlösen wir aus dieser Säule.

Anfang des Jahres verlängerte der FCA den Vertrag mit Hauptsponsor WWK bis 2030. Darüber freuten sich (von links): Stefan Reuter (Geschäftsführer Sport), Michael Ströll (Geschäftsführer Verwaltung, Personal, Finanzen), Jürgen Schrameier (Vorstand WWK) und Klaus Hofmann (FCA-Vorstandsvorsitzender).
Bild: Ulrich Wagner

Taten da die Niederlagen am Saisonende besonders weh?

Ströll: Auch für die TV-Geld-Tabelle waren die Niederlagen äußerst bitter. Eine weitere Säule sind neben den genannten die Transfererlöse, die eine wichtige Einnahmequelle darstellen können.

Sie haben in den letzten Jahren einen zweistelligen Millionen-Betrag in die Infrastruktur investiert. Jetzt kommt noch das Internat des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) dazu und Sie beteiligen sich am städtischen Projekt "Sporttreff Oberhausen". Warum?

Ströll: Bislang müssen unsere ganz jungen Nachwuchs-Mannschaften auf der Sportanlage Süd trainieren und spielen. Seit Jahren bemühen wir uns darum, alle Nachwuchsteams auf der Sportanlage Nord in Oberhausen zu vereinen. Mit dem Umzug der DJK auf den Sporttreff ist das möglich. Wir wollten aber auch etwas für den Stadtteil machen. Deswegen haben wir mit der Stadt vereinbart, dass wir in Vorleistung gehen, um die eineinhalb Plätze des Sporttreffs am Meierweg jetzt schon bauen zu können. Diese zusätzlichen Plätze können wir dann temporär auch mitnutzen.

Sie gehören dem Gremium an, das die Strukturreform der DFL vorantreibt. Wie ist der Stand der Dinge?

Ströll: Wir haben vor einem Jahr einen Prozess in Gang gebracht und in einem ersten Schritt kleine Veränderungen vorgenommen: Es gibt zum Beispiel künftig keinen Ligapräsidenten mehr, sondern ein neunköpfiges Präsidium, dessen Sprecher der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist.

"Wir als Liga haben in den letzten Jahren sicher die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen"

Die BILD berichtet, dass die kleinen Vereine, wie der FCA, nun versuchen, den Einfluss der großen Klubs in diesem Gremium zu beschränken?

Ströll: Das kann ich so nicht bestätigen. Aber klar ist, dass jeder Verein auch auf seine Belange schaut und seine Position vertritt. Da haben Bayern München oder Borussia Dortmund mitunter andere Interessen als Paderborn.

Oder der FCA.

Ströll: Uns geht es darum, das Bestmögliche für die Liga zu realisieren. Wir als Liga haben in den letzten Jahren sicher die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen, ob es die Anstoßzeiten sind oder die TV-Rechte für Sky und Eurosport betrifft. In diesem Fall war aber auch das Kartellamt beteiligt, dass wir die TV-Rechte nicht an einen einzelnen Anbieter vergeben durften. Es sind zum Teil Entscheidungen getroffen worden - ohne auf jemanden mit dem Finger zeigen zu wollen -, die nicht gut waren für die Entwicklung des Fußballs. Wir wollen in Zukunft den Fußball wieder näher an die Fans rücken.

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Wie sehen Sie den Übergang der Bundesligarechte von Eurosport auf DAZN?

Ströll: Man muss abwarten, wie sich DAZN aufstellt und die Zusammenarbeit im Detail läuft. Aber grundsätzlich ist es in Ordnung, weil die Rechte von einem an den anderen Anbieter übergehen.

Bisher stiegen die Einnahmen aus den TV-Geldern bei jeder Verhandlungsrunde ordentlich an. Derzeit liegt man bei 1,1 Milliarden Euro pro Saison. Wie weit kann das noch gehen, was für Erwartungen hat die DFL bei den neuen Verhandlungen?

Ströll: Wir diskutieren auch innerhalb der DFL, ob wir das Maximale rausholen wollen, oder am Ende vielleicht auf einen überschaubaren Geld-Betrag verzichten, dafür aber die Alleinstellungsmerkmale der Bundesliga aufrechterhalten. Dafür kämpft der FCA.

Was bedeutet das genau?

Ströll: Wollen wir unbedingt jedes Jahr mehr und mehr und mehr? Oder wollen wir faire Eintrittspreise, vernünftige Anstoßzeiten? Das ist uns als FCA mitunter wichtiger als der letzte Euro.

Aber am Ende zählt auch für den FCA das Geld, oder?

Ströll: Selbstverständlich zählt auch für uns das Geld, da wir konkurrenzfähig sein müssen. Man muss fairerweise sagen, dass wir natürlich auch über die Dimension diskutieren müssen. Wir können nicht auf, übertrieben gesagt, 500 Millionen Euro verzichten, nur damit alle am Samstag um 15.30 Uhr spielen. Das ist illusorisch.

Wie sehen Sie die Bundesliga im europäischen Vergleich aufgestellt?

Ströll: Die Bundesliga ist die wirtschaftlich stabilste und solideste Liga der Top-Ligen in Europa. Fast alle Vereine schreiben Gewinne. Alle gehen sehr vernünftig mit ihren Geldern um, investieren mit Augenmaß. Andere Ligen leben da schon eher über ihre Verhältnisse.

Aber sportlich wird die Bundesliga abgehängt.

Ströll: Dass deutsche Teams in der vergangenen Saison im Europapokal sportlich nicht so erfolgreich waren, war eine Momentaufnahme. Ich glaube schon, dass die Bundesliga konkurrenzfähig ist und wir das wieder unter Beweis stellen werden.

Wo steht der FCA in fünf Jahren?

Ströll: Der FCA wird über 20.000 Mitgliedern haben, wir spielen hoffentlich weiter eine gute Rolle in der Bundesliga und hoffen, dass wir unser Gesamtbudget dauerhaft auf über 100 Millionen Euro erhöhen können, um weiter konkurrenzfähig zu sein. Es ist unser Ziel, nicht mehr eines der zwei, drei kleinsten Budgets der Bundesliga zu haben, sondern vielleicht das fünft- oder sechstniedrigste. Erst wenn wir finanziell im Mittelfeld liegen, können wir auch über andere Ansprüche diskutieren. Aktuell kann unser Ziel auch in dieser Saison nur der Klassenerhalt sein.

Dieses Interview ist Teil unserer Bundesliga-Beilage, die am Mittwoch, 14. August, unserer Zeitung beiliegt.

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13.08.2019

Ein Geschäftsführer Sport
ist wichtiger als Geld?

Bei der vom "knallharten Verhandlungspartner" Stefan Reuter aktuell praktizierten Ein- Und Verkaufspolitik werden immer wieder Spieler viel zu günstig, weit unter Marktwert verkauft. Häufig ist zu lesen, dass der FCA von seinen ursprünglich geäußerten Ablöse-Forderungen deutlich nach unten abrückt.

Und Spieler - leider immer wieder auch mit Hessingpark-Clinic-Potential - werden viel zu teuer, weit über Marktwert eingekauft.

Die folgenden Beispiele unterstellen, dass die kolportierten Ablösesummen sowie von transfermarkt.de veröffentlichten Marktwerte realitätsnah sind.

HINTEREGGER:
Marktwert 16 Mio. (Tendenz steigend),
verkauft für 12 Mio.
Fredi Bobic lacht sich vermutlich noch heute tot über das nicht marktkonforme Schnäppchen.

IAGO
Marktwert 2 Mio.,
eingekauft für 6,5 Mio.
Bei Erreichen einer festgelegten Anzahl an Einsätzen steigt die Ablöse auf 8 Mio. (Letzteres kann wohl nicht mehr passieren, da er in der Hessingpark-Clinic bereits operiert werden musste und ca. 2 Monate ausfällt.)

Nur bei diesen beiden Transfers gehen dem FCA also schon 'mal mind. 8,5 Mio. verloren !!! :-(

PHILLIP MAX:
Finanziell deutlich negativ wird sich vermutlich auch auswirken, dass der richtige Zeitpunkt verpasst wurde, den abwanderungswilligen Spieler gewinnmaximal zu veräußern. Am Ende der vorletzten Saison lag sein Marktwert bei mind. 20 Mio.Aktuell liegt er noch bei 17 Millionen, Tendenz fallend ...

Herr Ströll, bei solch einer "Spielerpolitik", bei der Millionen verbrannt werden, wird der FCA noch auf längere Sicht ein finanziell "kleiner" Verein bleiben!!

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12.08.2019

Herrn Ströll scheint entgangen zu sein, dass die FCA - Bundesligamannschaft in einer tiefen sportlichen und mentalen Krise steckt. Den Fan, den zahlenden Zuschauer beruhigt eine gute wirtschaftliche Situation nicht, wenn sportlich offenbar vieles aus dem Ruder läuft und nach der letzten Zittersaison schon wieder nur ein sportliches Minimalziel (offenbar als Folge des "guten" Wirtschaftens ) ausgegeben werden kann. Die Kommentare der Fans zeigen...der Schock von Verl sitzt tief.
Ob die Vereinsführung (ausgenommen Coach M.Schmid) dies bemerkt , scheint mir nach den gegebenen Interviews fraglich.










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12.08.2019

Zitat von Herrn Ströll :" Aktuell kann unser Ziel auch in dieser Saison nur der Klassenerhalt sein." Mit so einer fatalen Aussage, ein paar Tage vor Saisonstart wird eine Mannschaft nicht motiviert für höhere Aufgaben in der 10. Bundesliga-Saison. Genau so schafft man demotivierte Mitarbeiter.

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12.08.2019

Genau! Welche gute Spieler will schon zu einem Verein, welcher immer wieder die Devise: "wir wollen gegen den Abstieg kämpfen" ausgibt?!?
Vielleicht sollten die mal einen erfahrenen Psychologen bei den "Vereinsoberen" mit einbinden, um die Mannschaft (und Vereinsführung!) auf den richtigen Weg zu bringen.

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12.08.2019

Aha, es liegt also hauptsächlich am Geld, um in der BL im sicheren Mittelfeld mitspielen zu können?!? Was nütz mir der teure (vermeintlich bessere) Spieler, wenn er mit seien Mitspielern nicht zusammenspielen kann? Man hat doch gesehen, dass in den Anfängen der BL-Zeit des FCA der Verein mit einer "namenslosen" Mannschaft eben als "Mann-schaft" aufgetreten ist. Eine harmonische, zusammenspielende Mannschaft, welche bis zur letzten Minute gekämpft und so auch manche Niederlage vermieden und Siege eingefahren hat. Leider ist das in der letzten Saison verloren gegangen. Die Harmonie der Spieler untereinander (auf dem Spielfeld) passt so seit langem nicht mehr. Da helfen auch teurere Spieler nicht! Der beste Beweis war nun wieder in Verl!

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12.08.2019

"Dem FCA sind Anstoßzeiten wichtiger als der letzte Euro" Es scheint genügend Geld beim FCA vorhanden zu sein. Der lustlose Pokal-Auftritt mit dem frühest möglichen blamablen Ausscheiden aus dem DFB-Pokal- Wettbewerb scheint dies zu bestätigen. Fazit:Der FCA hat genügend Geld, allerdings keine wettbewerbsfähige Mannschaft.

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