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FC Augsburg

07.10.2019

Lichtsteiner und Koubek: Die Stützen des FCA wackeln

Der Gladbacher Hermann jubelt, Stephan Lichtsteiner, Tomas Koubek und Felix Uduokhai (von links) sind perplex.
Bild: imago

Plus Stephan Lichtsteiner und Tomas Koubek wurden geholt, um mit ihrer Routine den unerfahrenen Spielern beim FCA Sicherheit zu geben. Das Gegenteil ist der Fall.

Es lief die 26. Minute im Gladbacher Borussen-Park, als zwei Spieler des FC Augsburg ihren rund 500 mitgereisten Fans im Dauerregen beim Stand von 0:3 einen weiteren unfreiwilligen Adrenalinschub verpassten. Torhüter Tomas Koubek, 27, hatte den Ball in der Hand, als ihn sein Kollege Stephan Lichtsteiner, 35, von hinten unabsichtlich berührte. Koubek ließ den Ball fallen und hatte Mühe, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. Es war eine von einigen Slapstickszenen an diesem so pannenreichen Nachmittag, der mit einem 1:5 (0:4)-Debakel endete. Borussia Mönchengladbach ist damit Tabellenführer, der FCA derzeit die Lachnummer der Bundesliga. „Pannen-Kiste“ titelte zum Beispiel die Bild in Anspielung an die Augsburger Puppenkiste.

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Die Aktion blieb ohne Folgen, doch steht sie symbolhaft für den derzeitigen Zustand der Mannschaft. Alle sind verunsichert. Auch die Routiniers. Natürlich verlieren nie zwei Spieler alleine eine Partie, sind sie nicht alleine für so eine desaströse erste Halbzeit verantwortlich. Trotzdem, Koubek und Lichtsteiner wurden geholt, um in der bewusst herbeigeführten Umbruchphase Stabilität und Ruhe zu vermitteln. Das gelingt ihnen derzeit nicht.

Lichtsteiner, der kurz vor Transferschluss ablösefrei zum FCA kam, galt als Coup. Spielte der 35-Jährige doch jahrelang vor allem bei Juventus Turin auf höchstem fußballerischen Niveau. Doch in den Niederungen des oft so fehlerhaften Augsburger Spiels tut er sich schwer, diese Vorschusslorbeeren auch zu bestätigen. So wurde er in Gladbach in der Halbzeit ausgewechselt. FCA-Trainer Martin Schmidt betonte danach, dass die Auswechslung kein „Fingerzeig“ war: „Wir mussten in der Halbzeit was machen. Er hatte keine Alleinschuld, die Fehler passierten im Teamverbund.“ Wenn man die Szenen ansehe, „kann man bei den ersten Toren sagen, es waren drei oder vier Spieler“.

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Stimmt. Die Geschwindigkeitsdefizite des Schweizers gegenüber den Gladbacher Turbo-Fußballern Pléa und Thuram waren aber, wenn dann noch die Räume zwischen Mittelfeld und Abwehr viel zu groß sind, auch mit der Routine von 600 Pflichtspielen in den besten Ligen der Welt nicht mehr zu kaschieren. Damit war Lichtsteiner aber nicht alleine. Das Spiel des Gladbacher Duos funktionierte beim 0:3 auch auf der anderen Abwehrseite. Lichtsteiner fasste die Katastrophen-Viertelstunde so zusammen: „Wir wollten mutig nach vorne spielen, dann Ballverlust, bumm, Tor, dann wieder, bumm, Tor. Wenn es 3:0 nach 15 Minuten steht, dann wird es schwer.“

FCA-Routinier Stephan Lichtsteiner von Fehlstart überrascht

Der kantige Abwehrmann hat schon viele Schlachten geschlagen, dennoch scheint er von dem Fehlstart mit nur fünf Punkten und  19 Gegentoren in sieben Spielen überrascht: „Ich wusste, dass es hier sehr schwer wird, aber wir sind jetzt in einer Situation, in der wir wirklich Gas geben müssen. Wir können nicht jedes Spiel drei, vier Tore kassieren, das geht nicht.“ Lichtsteiner fasste sich auch selbst an die Nase: „Es kann sich heute keiner rausnehmen, wir waren heute alle schlecht.“

Dennoch sieht er positive Ansätze in diesen trüben Herbsttagen: „Im Training geht es zur Sache, jeder ist konzentriert und aggressiv, aber am Wochenende können wir es oft nicht umsetzen.“ Es krache auch ab und zu. Lichtsteiner: „Das ist auch gut so, die Mannschaft lebt, sie ist nicht tot. Dass wir es können, haben wir auch schon zwei-, dreimal gezeigt, aber wir haben zu viele Aussetzer.“

Es war ein kollektives Versagen gerade in der ersten Hälfte. Vorne vertändelten die Stürmer die eine oder andere Gelegenheit, hinten versuchte sich dann Torhüter Koubek, als reichte es an Demütigungen nicht, in der 39. Minute an einem fußballerischen Kunststück. Es misslang, Pléa bedankte sich mit dem 0:4. Lichtsteiner stand dem tschechischen Torhüter zur Seite: „Das gehört zum Fußball, jeder hat schlechte Tage, jeder macht Fehler. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten. Wenn wir das nicht tun, wird es schwer.“

Keeper Tomas Koubek noch nicht der gewünschte Stabilisator im FCA-Tor

Dennoch stellt sich beim Torhüter-Neuzugang die Frage, warum der FCA geschätzte sieben Millionen Euro auf den Tisch gelegt hat, um ihn vom französischen Erstlisten Stade Rennes zu holen? Sollte die Ablösesumme stimmen, wäre er der viertteuerste Torhüter-Einkauf der Liga. Trainer Schmidt wollte am Sonntag keinen einzelnen Spieler an den Pranger stellen. Auch nicht Koubek. Schmidt stärkte ihm den Rücken. „Er darf sich durch das Stolpertor nicht entmutigen lassen. Wir wollen, dass er mitspielt.“ Im Moment verschwende er keinen Gedanken an einen Wechsel.

Schmidt will nun die Länderspielpause nützen, um alles zu hinterfragen, auch seine eigene Vorgehensweise. Und er will intensiv mit seinem Team arbeiten. Das wird auch nötig sein. In 14 Tagen kommt der FC Bayern in die ausverkaufte WWK-Arena. Tomas Koubek hat Zeit zum Üben, er wurde nicht für die Länderspiele der tschechischen Nationalmannschaft eingeladen.

Stephan Lichtsteiner hat hingegen sein erstes Ziel erreicht. Er entschied sich für einen Wechsel zum FCA, um sich wieder für die Schweizer Nationalmannschaft zu empfehlen. Seine Rückkehr für die Partien gegen Dänemark und Irland nach rund sieben Monaten hat er sich allerdings anders vorgestellt. „Wenn du mit einem 1:5 zur Nationalmannschaft fährst, 0:4 nach 45 Minuten hinten bist und nach 45 Minuten ausgewechselt wirst, dann ist es nicht lustig.“

Lesen Sie auch: Der Auftritt des FC Augsburg ist alarmierend (Plus+)

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.10.2019

Alle haben Fehleinkäufe, aber die Hoffnung stirbt zu letzt. Es spielen doch einige Teams noch erfolgloser.

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08.10.2019

Dass Koubek in der Defensive (bisher) eine große Enttäuschung ist, steht wohl außer Frage. Neben seinen Patzern, die schon mehrfach zu Toren geführt haben, kassiert er auffällig viele Bälle ins TW-Eck.

Die "Statistik des Grauens" belegt aber auch die mangelnden Qualitäten des drittteuersten TW der Bundesliga im Aufbauspiel. Nur 59% seiner Zuspiele erreichen den eigenen Mitspieler.

Um diese Zahl etwas einzuordnen, sei ein Vergleich erlaubt: Manuel Neuer bringt es auf eine Passquote von 88%.

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08.10.2019

....kassiert er auffällig viele Bälle ins TW-Eck.
.
sehr gut erkannt, Respekt!

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08.10.2019

Ich glaube jeder andere Torwart aus allen drei deutschen Profi-Ligen inclusive Ersatztorhüter ist besser als Koubek. In Zusmarshausen spielt jetzt der Ralf Husic der wäre billig und bestimmt besser .

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08.10.2019

zu Herbert L
Ich verstehe zu wenig von den internen technischen Abläufen - aber sollte ein Torhüter nicht die vor ihm spielende Abwehrreihe organisieren? Wie geht das, wenn der TW weder die Sprache beherrscht, noch sich selber organisieren kann? Und warum erkennen die Verantwortlichen das Problem nicht?

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08.10.2019

Wenn der Herr Lichtensteiner noch einen Funken Charakter und Selbsteinschätzung hat, dann erkennt er selbst das er nicht mehr Bundesliga tauglich ist und gibt seinen Vertrag zurück.
Ps. Was ist das für ein Trainer der das nicht erkennt .

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08.10.2019

Diese Denkweise ist naiv! Würden sie einen Vertrag freiwillig zurückgeben, wenn sie pro Jahr (geschätzt) 1 Million € bekommen würden?

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07.10.2019

"Im Moment verschwende er (Martin Schmidt) keinen Gedanken an einen TW-Wechsel."

Warum auch?
Es steht ja der bis dato teuerste und leider schlechteste TW der FCA-Bundesliga-Historie im Kasten. Ein Hoch auf den Leistungsgedanken im Profisport!

Mit Wehmut denkt man an Goalies wie Jentzsch, Manninger oder Hitz zurück.

Herr Schmidt, der aktuell ebenfalls unter Vertrag stehende Andreas Luthe strahlt wesentlich mehr Sicherheit und Souveränität als Tomas Koubek aus !! Und gehört deshalb zurück zwischen die Pfosten !!

Selbst umstrittene Torleute wie Kobel und Giefer haben sich letztlich weniger Böcke erlaubt als Koubek.

Vermutlich leidet der neue Trainer (als auch sein Vorgesetzter) am Tim-Matavz-Syndrom: wer teuer Geld gekostet hat spielt quasi immer, egal wie sch... er auf'm Platz ist.

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08.10.2019

zu Stephan R
Wunderbar! Der Ausdruck "Tim-Matavz-Syndrom" bringt die gesamte FCA - Misere auf den Punkt, die natürlich eine Reuter - Misere ist. Zur Erklärung für die Jüngeren: 2016 hat Weinzierl eingeräumt, dass der faule und unfähige Matavz nur deshalb spielt, weil Reuter für ihn zwei Millionen (das war damals viel) ausgegeben hat.

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09.10.2019

@ Maria H.
Tim Matavz kam zur Saison 2014/15 für die damalige FCA-Rekordablöse von 4 Mio.

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