1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Augsburg
  4. Marco Richter: Der Zocker auf dem Rasen

FC Augsburg

18.06.2019

Marco Richter: Der Zocker auf dem Rasen

Steht nach seinen zwei Toren im EM-Spiel der deutschen U21 gegen Dänemark im Fokus: Marco Richter.
Bild:  Bernd Thissen, dpa

Plus Den 21-jährigen FCA-Spieler zeichnet Unbekümmertheit aus. Dass Marco Richter der Durchbruch im Profifußball gelungen ist, hat mit einem Sinneswandel zu tun.

Manchmal braucht es eine Fügung. Nadiem Amiri galt als gesetzt in der deutschen U21-Nationalmannschaft. Weil den Hoffenheimer jedoch gegen Ende der Bundesligasaison ein Bänderriss zurückwarf, rutschte Marco Richter in die Startelf für das erste Endrundenspiel der Europameisterschaft. Was folgte, dürfte den 21-Jährigen ein Leben lang begleiten. Schöne Erinnerungen werden das sein, er selbst wird von einem "Traum" sprechen, der war geworden war.

Dem Angreifer, dessen Nacken ein auffälliges Tattoo mit Schwingen ziert, wuchsen bildlich Flügel. Zwei Treffer erzielte er beim 3:1-Erfolg gegen Dänemark selbst, einen weiteren bereitete er vor. Hinter der Auszeichnung zum "Spieler des Spiels" steckte nichts weniger als Logik. Dass Richter einmal derart in den Fokus rücken sollte, war nicht absehbar. Zweifelsohne galt er als großes Talent, allerdings schien er dieses bereitwillig zu verschleudern.

Mit sechs Jahren ging es für Marco Richter zum FC Bayern

Dass er besser als andere kicken konnte, deutete der gebürtige Friedberger schon als Bub an. Sechs Jahre war er jung, als er sich dem pompösen FC Bayern München anschloss. Bolzplatzmentalität zeichnete ihn seit jeher aus, seinen Spielstil prägte Schlitzohrigkeit, nicht aber körperliche Fitness. Den Ansprüchen des FC Bayern genügte dies nicht, der FC Augsburg nahm sich des damals 14-Jährigen an. Noch allerdings mangelte es Richter an professioneller Einstellung, er galt als trainingsfoul und Anhäner eines überaus légèren Lebensstils.

Die deutschen U21-Spieler feiern den zweiten Treffer von Marco Richter.
Bild: CŽzaro De Luca (dpa)

Nicht einmal frühstücken wollte er, weil er lieber zehn Minuten länger schlief. Seitdem jedoch Manuel Baum ihm ins Gewissen redete, vollzog sich ein Sinneswandel. Letztlich ging vom ehemaligen FCA-Trainer der entscheidende Impuls aus. Richter ernährt sich nicht nur sportlergerecht, sein Körper ist inzwischen gerüstet für die Belastungen eines Profifußballers.

Vor drei Jahren sorgte Richter mit einem Torrekord für Aufsehen

Bundesweit für Aufsehen sorgte Richter, als er vor drei Jahren in einem Regionalligaspiel sieben Treffer erzielte, der Durchbruch in der Bundesliga gelang ihm in der abgelaufenen Runde. Gegen Ende der Saison schnürte er gegen Frankfurt und Stuttgart einen Doppelpack. Ihm selbst ist der schnelle Ruhm bisher wenig anzumerken. "Ich bin kein Typ, der dick aufträgt", erklärte er vor ein paar Tagen. Erfrischend wirken seine Interviews, wenig gestelzt seine Sätze in jugendlicher Sprache. Diese Unbekümmertheit zeichnet ihn ebenso auf dem Platz aus, dafür schätzt ihn U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz.

Sein Opa Dieter ist Richters persönlicher Archivar

Familie ist Richter wichtig. Oma Ingrid kocht ihm regelmäßig Dampfnudeln, Opa Dieter ist persönlicher Archivar, hebt alle Artikel über den Enkel auf. Ehe Richter EM-Rasen betrat, schrieb er auf den einen Schuh die Anfangsbuchstaben seiner Eltern Daniela und Christian sowie seiner Geschwister Vivian und Sophia, auf den anderen Schuh kritzelte er sein "M" und ein "A" für Annalena. Im März ist Richter mit seiner Freundin in eine gemeinsame Wohnung gezogen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren