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Interview

13.07.2018

Markus Weinzierl: Der Wechsel hat zu lange gedauert

Markus Weinzierl vor dem Verlagshaus unserer Zeitung in Augsburg. Der Ex-Trainer sprach erstmals nach seiner Vertragsauflösung bei Schalke 04 auch über seine Zukunft.
Bild: Ulrich Wagner

Exklusiv Der ehemalige FCA-Trainer spricht über seinen Wechsel zu Schalke 04, was er dabei falsch gemacht hat und wie er sich mit Stefan Reuter ausgesöhnt hat.

Ein Blick auf die WM: Hätten Sie erwartet, dass es Kroatien bis ins Finale schafft?

Markus Weinzierl: Vor dem Turnier hätte ich es ihnen auch nicht zugetraut, aber spätestens nach dem zweiten Spiel war es offensichtlich, dass sie funktionieren. Und sie haben auch wirklich Qualität im Team mit Top-Spielern wie Mandzukic und Modric. Die kroatische Mannschaft ist hungrig nach Erfolg, und das sieht man.

Modric ist bei Real Madrid Teamkollege von Toni Kroos. Sie sind in ihren Fähigkeiten relativ ähnlich. Wie kann es sein, dass Modric überragend spielt und Kroos eigentlich enttäuscht?

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Weinzierl: Ich denke, bei Deutschland greift das Sprichwort: Im Erfolg macht man die größten Fehler. Nach dem WM-Titel haben die letzten Prozente in allen Bereichen gefehlt. Wenn überall zehn Prozent fehlen, dann hast du keine Chance.

Warum hat es Joachim Löw diesmal nicht geschafft, die Mannschaft zu Höchstleistungen zu pushen?

Weinzierl: Es ist für jede Mannschaft schwieriger, große Erfolge zu bestätigen, als in der Außenseiterrolle zu überraschen. Die Herangehensweise der Kroaten war viel einfacher als die der Deutschen. Dabei waren die Vorzeichen ja nicht schlecht. Wir waren Weltmeister, U21-Europameister, wir haben den Confed Cup gewonnen. Wir haben eine gewisse Breite im Kader und die Qualität ist auch da. Jogi Löw hat sehr viel Vertrauen in die Spieler gesetzt, aber er hat es nicht zurückbekommen. Ich denke, man muss den Konkurrenzgedanken wieder hervorrufen.

Wäre für Sie als Vereinstrainer das Amt des Bundestrainers ein Ziel?

Weinzierl: Die Frage stellt sich nicht, aber das Amt des Bundestrainers in Deutschland ist mit das größte, was man erreichen kann.

Sie waren auch als österreichischer Nationaltrainer im Gespräch?

Weinzierl: Es gab Kontakte. Aber es wurden ja mehrere Namen gespielt und ich habe schnell gemerkt, dass es nicht umgesetzt werden kann, und darum wurde es nicht forciert.

Markus Weinzierl zu Gast in unserer Redaktion.
Bild: Ulrich Wagner

Damals kam es nicht zu Gesprächen über die Vertragsauflösung mit Schalke 04, warum war dann jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Weinzierl: Ich will frei sein und selbst entscheiden, was ich mache, das war mir wichtig. Da war mir auch die fehlende Sicherheit egal. Die Anwälte beider Seiten haben sich dann auf einen Auflösungsvertrag geeinigt.

Wie muss man sich ein Jahr bezahlten Urlaub bei Markus Weinzierl vorstellen?

Weinzierl: Es gibt schöne Seiten, wenn du jeden Tag zu Hause bist. Meine Kinder sind jetzt 13 und 15. Sie waren in Augsburg nicht dabei, da habe ich sie kaum gesehen und auf Schalke sowieso nicht. Wenn man sie dann in dieser Phase begleiten kann, ist das toll. Und trotzdem, wenn du dann zu Hause am Fernseher Bundesliga schaust, dann merkst du, dir fehlt das einfach.

Wie haben Sie dieses Jahr zur Weiterbildung genutzt?

Weinzierl: Für mich war es nach neun Jahren ohne Pause im Trainergeschäft ganz wichtig, neue Ideen zu suchen, denn im Alltagsgeschäft schwimmst du immer in deinem eigenen Saft. Ich war viel unterwegs. Ich habe zum Beispiel eine Woche bei Manchester City hospitiert. Ich hatte das Glück, dass Pep Guardiola mich zusehen ließ. Das ist alles andere als selbstverständlich. Ich habe aber auch viele Gespräche in alle Richtungen geführt.

In was für Richtungen?

Weinzierl: Ein Co-Trainer hat uns ja verlassen und habe mit möglichen Kandidaten gesprochen. Ich habe mich aber auch von meinem Berater getrennt, da führt man dann auch viele Gespräche. Und mehrere Treffen mit Trainerkollegen oder Experten waren auch sehr interessant.

Warum haben Sie sich von Roman Grill getrennt?

Weinzierl: Die letzten Monate in Augsburg und Schalke waren nicht mehr so harmonisch, wie es sein sollte.

Warum braucht ein Trainer überhaupt einen Berater?

Weinzierl: Weil auch ein Trainer ein stabiles Umfeld benötigt. Er ist der wichtigste Mann im Verein, aber auch der schwächste, der am schnellsten ausgetauscht werden kann. Und wenn man für einen Spieler 40 oder 50 Millionen Euro zahlt, ist es nicht vermessen, wenn ein Verein auch für den aus seiner Sicht richtigen Trainer Geld in die Hand nimmt.

Wie ist Schalke damals an Sie herangetreten?

Weinzierl: Kontakte gab es ja schon ein Jahr zuvor. Es war einfach auch eine Auszeichnung, für die gute Arbeit, die wir beim FCA geleistet hatten. Im Nachhinein hat der Wechsel dann zu lange gedauert. Ich hätte mich die letzten Monate deutlicher äußern müssen, dass ich meinen Weg mit dem FCA als beendet ansehe. Das würde ich im Nachhinein anders machen. Damals wollte ich aber die Verhandlungsposition des FCA nicht schwächen. Es wäre besser gewesen, da klare Kante zu zeigen und sich ordentlich von den Fans zu verabschieden. Dass ich das nicht gemacht habe, bedaure ich immer noch.

War der Schalke-Wechsel ein Fehler?

Weinzierl: Im Nachhinein kann man immer diskutieren, aber es hat einfach nicht zusammengepasst. Ich war verwöhnt aus Augsburg. Es war eine tolle Zeit mit viel Erfolg. Bei großen Vereinen wie Schalke ist alles viel schnelllebiger.

Waren Sie persönlich von Christian Heidel enttäuscht? Der Schalke-Manager hatte ja hart um Sie gekämpft.

Weinzierl: Es zählen einfach die Ergebnisse. Da bist du als Trainer verantwortlich. Da muss man nicht sentimental sein.

War das Verhältnis von Ihnen zu Manager Heidel anders als das zu FCA-Manager Stefan Reuter?

Weinzierl: Stefan Reuter ist ein Supertyp, auch wenn es zum Schluss, als es um meinen Wechsel ging, zwischen uns beiden gekracht hat. Das sehe ich heute als Wertschätzung an. Er war dreieinhalb Jahre ein Top-Partner, auf den man sich zehntausendprozentig verlassen konnte.

Aber Ihr Verhältnis zu Reuter hat beim Transferstreit offensichtlich gelitten. Es gab beim ersten Treffen nach Ihrem Wechsel keinen Handschlag.

Weinzierl: Ich hätte Stefan Reuter die Hand geben und so tun können, als wäre alles in Ordnung, aber das wollte ich nicht. Ich habe gewollt, dass wir uns aussprechen. Heute ist alles wieder gut. Unter Freunden kann es auch ruhig einmal krachen.

Wie beurteilen Sie die Zeit beim FCA?

Weinzierl: Der FC Augsburg war für mich ein Geschenk. In so einer Konstellation mit Klaus Hofmann, Stefan Reuter und Stephan Schwarz kann man nicht häufig in der Bundesliga arbeiten. Es ist bei einem Verein wie dem FCA wichtig, dass die Hierarchien klar sind und dass der Trainer konsequent unterstützt wird. Es gab natürlich auch Reibereien, aber die wurden dann auch zielführend aufgelöst. Nur so konnte sich das Ganze entwickeln. Es waren erfolgreiche vier Jahre.

Wann haben Sie gedacht, es ist Zeit für mich, etwas anderes zu suchen?

Weinzierl: Man merkt als Trainer, wenn eine Aufgabe ausgereizt ist. Ich hatte nach Platz fünf das Gefühl, erfolgreicher kann es mit dem FCA nicht mehr werden. Wenn man ehrgeizig ist, gibt man sich nicht mehr mit Platz 14 oder 15 zufrieden. Ich wusste auch, dass ein Umbruch ansteht. Aber ich wollte nicht meine Erfolgsspieler aussortieren. Ich wollte keinen Halil Altintop wegschicken, keinen Alexander Manninger, keinen Tobias Werner oder Paul Verhaegh. Aber es wäre in den folgenden Jahren meine Aufgabe gewesen, den Umbruch zu gestalten. Auch deswegen habe ich gesagt, es wäre besser, es macht ein anderer.

Soll Ihr nächster Verein einer sein, bei dem Sie wieder etwas gestalten und aufbauen können?

Weinzierl: Ich hätte nichts dagegen, einen kleinen Verein wieder zu etablieren, aber ich hätte auch nichts gegen einen Traditionsverein, der erfolgreich ist.

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