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FC Augsburg

28.08.2017

Neuzugang Marcel Heller zeigt, wieso er nicht auf die Bank gehört

„Ich saß letzte Woche 90 Minuten auf der Bank und auch heute 75 Minuten, dann habe ich Emotionen gezeigt.“Marcel Heller bereitete das 2:2 mit seiner Flanke auf Sergio Cordova vor.
Bild: Ulrich Wagner

Neuzugang Marcel Heller war mit seinem Bankplatz gegen Gladbach unzufrieden. Nach seiner Einwechslung bereitete er den 2:2-Ausgleich vor, den er mit einer Botschaft verband.

Nein, Marcel Heller wollte sich nicht in die Schar der Gratulanten einreihen, die sich um Sergio Cordova bildete, nachdem der Neuzugang aus Venezuela in der 89. Minute den 2:2 (1:2)-Endstand für den FC Augsburg gegen Borussia Mönchengladbach erzielt hatte.

Dabei hätte Heller allen Grund gehabt, sich mit Cordova direkt vor der Nordkurve feiern zu lassen. Hatte der 31-jährige Außenbahnspieler doch die Flanke gegeben, die Cordova dann direkt aus der Luft mit dem linken Fuß ins Gladbacher Netz beförderte. Die WWK-Arena, die mit 29243 Zuschauern nicht ganz ausverkauft war, stand kopf.

Doch Heller hatte anderes vor. Mit ausgestrecktem Finger lief er direkt zur Auswechselbank und deutete auf Stefan Reuter, den Geschäftsführer Sport. So als wollte der 31-Jährige sagen: Seht her, man holt so einen wie mich nicht, um ihn dann auf die Bank zu setzen.

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Und das schon gar nicht bei seinem 100. Bundesligaspiel. 99 hatte er für Eintracht Frankfurt (34) und für den SV Darmstadt (65) absolviert, ehe er im Sommer nach dem Darmstädter Abstieg ablösefrei zum FCA wechselte und einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb. „Ich bin hier nach Augsburg gekommen, um weiter in der Bundesliga zu spielen“, hatte Heller bei seiner Vorstellung erklärt. Und dafür lukrative Angebote aus England abgelehnt.

Heller ist einer der schnellsten Stürmer der Liga

Der FCA hatte Heller verpflichtet, um mehr Geschwindigkeit ins Umschaltspiel zu bringen. Mit 35,16 km/h ist der gebürtige Frechener (bei Köln) einer der schnellsten Stürmer der Liga. Beim FCA blieb er aber zunächst im Startblock stecken. Jonatahn Schmid bekam dne Vorzug. Gegen den HSV saß er 90 Minuten auf der Bank und auch gegen Gladbach musste Heller 76 Minuten warten. Und das hatte an ihm genagt. „Das war nicht böse gemeint“, erklärte er nach dem Schlusspfiff seinen Fingerzeig. „Zum Fußball gehören Emotionen und ich bin ein emotionaler Spieler. Ich saß letzte Woche 90 Minuten auf der Bank, heute auch 75 Minuten, dann habe ich Emotionen gezeigt.“

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Bild: Stefan Puchner/dpa

Stefan Reuter wollte die deutliche Geste nicht überbewerten. „Wahrscheinlich hat er gedacht, wir auf der Bank haben die grandiose Aktion von ihm nicht gesehen. Das haben wir aber schon“, scherzte er. Doch er weiß nur zu gut, welches Konfliktpotenzial sich durch den großen Kader und die vielen unzufriedenen Spielern entwickeln kann.

Heller ist zum Beispiel keiner, der sich mit dem Platz auf der Bank zufriedengibt. „Der Trainer entscheidet, wer spielt oder nicht. Ich bin ruhig geblieben bei den ersten beiden Spielen. Wenn ich reinkomme, versuche ich mein Bestes zu geben, für den Rest bin ich nicht mehr verantwortlich“, sagte Heller.

Genau diese Konkurrenzsituation wollte Reuter mit seinen Neuverpflichtungen kreieren: „Wir haben gesagt, dass wir durchaus Alternativen im Kader haben, dass sich jeder behaupten und Vollgas geben muss und nicht locker lassen darf. Die Reaktion der Spieler, die reingekommen sind, war richtig gut.“

Baum machte mit Multi-Wechsel alles richtig

Denn Heller stand in der 76. Minute nicht alleine an der Außenlinie. Mit ihm wechselte Trainer Manuel Baum auch noch Sergio Cordova und Rani Khedira ein. Warum Baum so lange wartete, erklärte Reuter so: „Das Spiel in der zweiten Halbzeit war schon sehr gut, und da hat der Trainer mit den Rotationen einfach gewartet, bis unser Druck etwas weniger geworden ist, um noch mal Impulse zu setzen.“ Baum hatte in der Nachbetrachtung mit seinem Multi-Wechsel alles richtig gemacht. Denn die Einwechslung der Neuzugänge hatten einige kritische Fans schon als Schwäche der Transfers gedeutet. Doch mit dem 2:2 war diesen Nörglern der Wind aus den Segeln genommen.

Auch darum geht Reuter mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause: „Wir haben durchaus Qualität, aber du darfst kein Stückchen locker lassen. Es ist uns bewusst, dass es eine schwierige Saison wird. Aber wir können auch sagen, wir haben einen Kader, der in der Bundesliga mitspielen kann.“ Am 9. September geht es mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln weiter. Und es deutet einiges darauf hin, dass Heller da nicht 76 Minuten auf seinen Einsatz warten muss.

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