1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Augsburg
  4. Nicht nur leidenschaftlich spielen: Was Schmidt jetzt beweisen muss

FC Augsburg

16.08.2019

Nicht nur leidenschaftlich spielen: Was Schmidt jetzt beweisen muss

Martin Schmidt: Seine Spieler sollen "Rennmaschinen" sein.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der FCA-Trainer tritt als Motivationskünstler auf und vermittelt Aufbruchstimmung. Warum der 52-jährige Bergliebhaber vor einer schwierigen Saison steht.

Pressekonferenzen mit Martin Schmidt können schon mal länger dauern. Der Trainer des FC Augsburg hält weder etwas davon, sich in Floskeln zu verlieren, noch ist er ein Freund knapper Antworten. Vielmehr vermittelt der Schweizer stets den Eindruck, sich für Medienvertreter Zeit zu nehmen. Der 52-Jährige erklärt diesen dann, was ihn bewegt und wie er mit seinen Spielern arbeitet. Dass er richtig verstanden wird, das ist ihm wichtig. Wie er öffentlich dargestellt wird, will er direkt beeinflussen. Denn: Auch seine öffentliche Wahrnehmung ist ihm wichtig.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Als der Schweizer gegen Ende der vergangenen Spielzeit den FC Augsburg vor dem Abstieg bewahrte, verbreitete er Aufbruchstimmung. Er wolle die Köpfe der Spieler "durchlüften", erklärte er unmittelbar nach seinem Dienstantritt in Augsburg. Schmidt steckte voller Energie und Tatendrang. Die Profis des FC Augsburg waren für derartige Impulse empfänglich. Schmidts Vorgänger Manuel Baum galt zwar als ausgewiesener Fußballfachmann und Taktikfuchs, emotionales Einstimmen zählte hingegen nicht zu seinen Stärken. Ganz anders agiert Schmidt.

Der hemdsärmelige Kerl tritt als Motivator auf. Mitunter gestikuliert er wild auf dem Trainingsplatz oder packt einen Spieler am Arm. Vor dem Anpfiff in Frankfurt trat er zu Motivationszwecken in der Kabine gegen eine Trikotkiste. Diese Mittel verfehlten ihre Wirkung nicht.

Martin Schmidt: "Wir haben viel Arbeit vor uns"

Schmidt gelang es, die Mannschaft aus ihrer Lethargie zu reißen und den Abwärtstrend zu stoppen. Er bewerkstelligte den vorzeitigen Ligaverbleib, doch auch er lernte die Extreme des Teams in der vergangenen Spielzeit kennen. Schmidt saß beim 6:0 gegen Stuttgart ebenso auf der Bank wie beim 1:8 in Wolfsburg. Eine Erkenntnis, die Schmidt nach sechs Spielen unter seiner Leitung gewonnen hatte, überraschte wenig: "Wir haben viel Arbeit vor uns", sagte er.

Martin Schmidt beim Testspiel gegen Galatasaray.
Bild: Klaus Rainer Krieger (Archiv)

Nun muss Schmidt beweisen, dass er die Mannschaft nicht nur leidenschaftlich spielen lassen kann, sondern ebenso mit einem klaren Plan. Seine Spielidee basiert auf Balleroberung und schnellem Gegenangriff, seine Spieler sollen "Rennmaschinen" sein, wie er es nennt.

Auf die enttäuschenden Auftritte der vergangenen Spielzeit haben Sportgeschäftsführer Stefan Reuter, 52, der neue Kaderplaner Timon Pauls, 27, und Trainer Schmidt mit dem gewaltigsten personellen Umbruch der Augsburger Bundesligageschichte reagiert. Unter den Trainern Luhukay, Weinzierl, Schuster oder Baum veränderte der Klub seinen Kader punktuell, das Gerüst hingegen blieb bestehen. Diesmal wird ganzheitlich an der Statik gearbeitet. Alte Zöpfe wurden abgeschnitten, Schlüsselpositionen neu besetzt, der Konkurrenzkampf befeuert.

Schmidt verwaltet einen Umbruch mit nahezu einer kompletten Elf an Neuzugängen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben dabei: aus dem Sammelsurium unterschiedlicher Fußballprofis aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen einen eingeschworenen Haufen zu formen.

FCA
34 Bilder
Das ist der FCA-Kader für die Saison 2019/20
Bild: Urich Wagner

Schmidt setzt dabei auf Erlebnisse als Gruppe. So ist ihm gemeinsames Essen wichtig, damit sich Spieler untereinander und die Kulturen der jeweiligen Heimatländer kennenlernen. Diese Momente will Schmidt nutzen, um die Mentalität eines Teams zu entwickeln und auf die Egos der Profis einzuwirken.

Mitunter machen die Spieler extreme Erfahrungen, die in Erinnerung bleiben sollen. Derartige Abenteuer bezeichnet Schmidt als "Impulstage", die dem "Teambuilding" dienen. Schmidt will in den Köpfen der Spieler Bilder erzeugen, von denen sie während einer Saison, mit ihren Höhen und Tiefen, profitieren können. "Bilder bringen ein Gefühl, eine Emotion, das prägt sich ein", erklärte Schmidt einmal in einem Interview.

Anhand eines Beispiels verdeutlicht der Motivationskünstler, wie er seine Spieler packen will. Ein Karabinerhaken, den die Spieler auf einer Bergtour dabei gehabt haben, könne später in der Kabine Symbolkraft entwickeln, doziert Schmidt. "Irgendwann vor dem Spiel sagt man: Hängt euch an den Haken rundum ein, zieht an der Kette und seht, wie stark ihr gemeinsam sein könnt."

Martin Schmidt, der Bergliebhaber

Spielt das Wetter mit, kann der Schweizer vom Trainingsplatz nahe der Arena aus die Alpenkette erblicken. Der ehemalige Extremsportler und Bergliebhaber, der durch Fußballspielen, Skifahren und Mountainbiken insgesamt sieben Kreuzbandrisse erlitt, schätzt das alpine Umfeld, um Fußballprofis an Grenzen zu bringen. Als er in Mainz als Trainer fungierte, errichtete er mit den Spielern in 2500 Metern Höhe ein Biwak. Bei minus zehn Grad übernachtete der Tross auf dem Berg. Als Kind hütete Schmidt auf der Alp seines Großvaters Kühe, nun dient ihm die malerische Kulisse seiner Heimat Wallis als Ausgangspunkt für Erfolge als Bundesligatrainer.

Martin Schmidt mischt sich gerne unters Volk.
Bild: Ulrich Wagner

Schmidt selbst träumt davon, einmal mit einem Mehrmaster einen Segeltörn auf dem Meer zu machen. Man kann sich den Abenteuer lustigen Schweizer gut vorstellen, wie er sich gegen Wind und Wellen stemmt.

Zu seinen Spielern pflegt Schmidt ein lockeres Verhältnis, gehen er und seine Kicker ihrem Beruf nach, fordert er indes Regeln ein, an die sich alle zu halten haben. Disziplinlosigkeit der Spieler war ein Grund, der Vorgänger Baum den Job gekostet hatte.

Schmidt mischt sich gerne in Augsburg unters Volk

Fans und Verantwortliche schätzen die offene Art Schmidts, der oft in Augsburgs Innenstadt anzutreffen ist. Dort hat er eine Wohnung bezogen. Gerne mischt sich der frühere Besitzer eines Modelabels unters Volk, trinkt in einem kleinen Lokal eine Tasse Kaffee und liest genüsslich eine Zeitung.

Weil der Wahlaugsburger auf Gipfel und Almen als Rückzugsort verzichten muss, sucht er in der Stadt alternative Orte der Besinnung. Mitunter ist Schmidt in einer Kirche anzutreffen, dort kommt er zur Ruhe. Schöpft aber auch Kraft, die sich in Trainingseinheiten und während der Spiele Bahn bricht.

Schmidt lebt dann jene Leidenschaft vor, die er von seinen Spielern erwartet.

Lust auf noch mehr Fußball? Dann hören Sie sich hier unseren Podcast mit FCA-Kapitän Daniel Baier an:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

16.08.2019

Bei allem Bohei drumherum - frei nach Alfred Preißler "Grau ist alle Theorie - entscheidend ist auf dem Platz"
In diesem Sinne: spielen-kämpfen-punkten!

Permalink
16.08.2019

Wenn man nur die nackten Zahlen der Bundesliga-Tabelle am Ende der Saison betrachtet, hat sich durch den Trainerwechsel von Baum zu Schmidt, nach dem 28 Spieltag, beim FCA nichts verbessert!!

Der FCA logierte unverändert auf dem 15. Tabellenplatz.

Der Vorsprung auf den Relegationsplatz bestand weiterhin aus 4 Punkten.

Und das Torverhältnis hatte sich sogar noch einmal um 3 Tore verschlechtert.

7 Punkte aus 6 Spielen unter der Leitung von Martin Schmidt - eine echte Erfolgsbilanz sieht irgendwie auch ein bisschen anders aus.

Aber das allerwichtigste, der Klassenerhalt wurde immerhin geschafft, und das sogar vorzeitig!

Dass dieser vorzeitige Klassenerhalt nicht nur den Leistungen der Profi-Kicker und dem neuen Trainerteam zu verdanken ist, sondern auch der Schwäche der hinter dem FCA platzierten Teams, ist hinreichend bekannt.

In der neuen Saison wird es als Motivationshilfe auf jeden Fall nicht mehr ausreichen wenn Trainer Schmidt gegen die Trikot Kiste tritt



Permalink
Das könnte Sie auch interessieren