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FC Augsburg

11.06.2019

Paul Verhaegh im Interview: "Der FCA war eine meiner besten Entscheidungen"

2019: Paul Verhaegh beendet das Kapitel Wolfsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Verhaegh erklärt, wie er 2010 zum FCA kam, warum der Nichtabstieg 2013 für ihn mehr zählt als die Europa League und wie es gelang, Raul Bobadilla im Zaum zu halten.

Sie kehren zum FC Twente Enschede in Ihre Heimat zurück. Neun Jahre Bundesliga gehen damit zu Ende. Sind Sie nicht etwas wehmütig?

Paul Verhaegh: Es waren sehr intensive neun Jahre. Ich habe viele schöne Momente erlebt, aber jetzt kommt der Punkt, an dem es wieder zurück in die Heimat geht. Natürlich denkt man da schon etwas nach: Ich habe schließlich meine schönste Fußballzeit in Deutschland verbracht, vor allem in Augsburg.

2010 startete Ihr Deutschland-Abenteuer mit einem Anruf aus Augsburg.

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Verhaegh: So kann man es sagen. Trainer Jos Luhukay und Manager Andreas Rettig stellten den Kontakt her. Es war für mich ein Schritt, den in meiner Heimat nicht alle verstanden haben.

Warum?

Verhaegh: Ich war Erstliga-Spieler bei Vitesse Arnheim, habe gut gespielt. Viele verstanden nicht, warum ich in die 2. Liga in Deutschland wechseln wollte. Aber für mich war nach den ersten Gesprächen und den ersten Eindrücken, die ich in Augsburg gemacht hatte, klar, dass hier etwas Tolles entstehen kann. Der Wechsel zum FCA war eine meiner besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Kannten Sie Augsburg vorher?

Verhaegh: Nein. Ich musste mir das alles erst im Internet heraussuchen.

Hätten Sie gedacht, dass Sie sieben Jahre beim FCA bleiben?

Verhaegh: Nein. Im Fußball kann man nie so weit vorausplanen. Aber es zeigt ja auch, was für eine besondere Zeit meine Familie und ich in Augsburg hatten. Ich habe mich immer wohl und wertgeschätzt gefühlt. Ich verfolge den Verein weiter sehr intensiv. Ich habe auch noch regelmäßig zu Mitspielern, die zu Freunden geworden sind, wie Daniel Baier, Tobias Werner und Halil Altintop, Kontakt. Wir haben aber auch einen Freundeskreis, der nichts mit dem Fußball zu tun hat.

2013: Paul Verhaegh feiert mit Trainer Markus Weinzierl, Ja-Cheol Koo und Marcel de Jong den Klassenerhalt nach der famosen Aufholjagd.
Bild: Kolbert (Archiv)

Beim FCA gab es in dieser Saison viel Aufregung, Spieler wurden suspendiert, der Trainer entlassen. Wie haben Sie das erlebt?

Verhaegh: Es war sehr ungewöhnlich für Augsburg und es macht es nicht leichter, sportlich erfolgreich zu sein. Ich bin froh, dass der FCA dann mit dem neuen Trainer noch die Kurve bekommen hat und die Klasse gehalten hat.

Während Ihrer Zeit beim FCA als Führungsspieler hatten Sie auch schwierige Charaktere wie Raul Bobadilla in der Mannschaft. Da wurde vieles intern geklärt. Was war anders?

Verhaegh: Wir hatten einen unheimlich starken Kern mit Führungsspielern, die das große Ganze im Blick hatten. Die immer den Erfolg der Mannschaft und des Vereines in den Vordergrund gestellt hatten. Da musste jeder Einzelne mitziehen. Es ist einfach, wenn du einen Kern hast, der über Jahre zusammengespielt hat, der weiß, was notwendig ist, um Erfolg zu haben. Bei uns ging es immer nur in eine Richtung: bergauf.

2016: Paul Verhaegh verabschiedet sich nach dem Europa-League-Aus von den FCA-Anhängern an der berühmten Liverpooler Anfield Road.
Bild: Kolbert (Archiv)

Was war für Sie Ihr sportlich schönstes Erlebnis in Augsburg?

Verhaegh: Es gab einige. Der Aufstieg in die erste Liga zum Beispiel. Es war etwas ganz Besonderes, ein Teil der Mannschaft gewesen zu sein, die zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga aufgestiegen ist. Die Feier auf dem Rathausplatz war legendär. Auch die Teilnahme an der Euro League mit den Spielen gegen Liverpool war sensationell. Aber für mich war der Klassenerhalt im ersten Jahr mit Markus Weinzierl, als wir mit nur neun Punkten in die Winterpause gingen, der größte Erfolg.

Warum?

Verhaegh: Wir waren im Winter doch von allen abgeschrieben. Wir als Mannschaft haben uns gesagt, wir wollen uns nur nicht am Ende der Saison lächerlich machen. Und dann haben wir angefangen zu punkten. Dass wir das irgendwie gepackt haben, war unfassbar. Es zeigt aber auch, wenn man immer an sich glaubt, zusammenhält und nie aufgibt, kann man fast alles erreichen.

In Augsburg wurden Sie zum Nationalspieler. Trainer Louis van Gaal nahm Sie 2014 sogar mit zur WM nach Brasilien. Sie wurden mit Holland dort Dritter.

Verhaegh: Diese zehn Wochen, wenn man die Vorbereitung hinzunimmt, waren etwas ganz Spezielles für mich. Wenn man für sein Land bei einer WM, die auch noch in Brasilien stattfindet, spielen darf, ist das die größte Ehre, die man als Fußballer bekommen kann. Es war für mich sehr lehrreich.

Ihr Ende beim FCA kam für Außenstehende unerwartet. Sie wechselten im Sommer 2017 wenige Tage vor Ende der Transferperiode zum VfL Wolfsburg. Waren Sie die treibende Kraft, oder hatte Ihnen der Verein den Wechsel nahegelegt?

Verhaegh: Das war ich. Ich hatte schon in der Saison zuvor das Gefühl, dass ich unbedingt noch einmal etwas anderes machen wollte. Und dieses Gefühl wurde im Laufe der Vorbereitung immer stärker. Ich war 33 – wenn noch etwas anderes möglich ist, dann jetzt. Das habe ich dem FCA auch so kommuniziert, dass ich nach sieben Jahren offen für etwas Neues bin.

2017: Paul Verhaegh und seine Kinder Mila und Fenn bei den Fans.
Bild: Kolbert (Archiv)

Und dann kam das Angebot des VfL Wolfsburg…

Damals hatte ich nicht geplant, noch einmal innerhalb Deutschlands zu wechseln. Ich wollte eigentlich noch eine Auslandserfahrung machen. Die USA oder Australien waren meine Favoriten. Aber dann kam die Anfrage von Wolfsburg und ich bin ins Grübeln gekommen. Das gesamte Paket, wirtschaftlich wie sportlich, konnte ich einfach nicht ausschlagen.

Was hat der FCA dazu gesagt? Sie hatten ja noch ein Jahr Vertrag.

Verhaegh: Natürlich versucht jeder in den Verhandlungen das Beste für sich herauszuholen, aber es lief alles sehr harmonisch ab. Am Ende hat es für alle gepasst und ich bin ja nicht umsonst gegangen.

Es lief aber in Wolfsburg nicht so, wie Sie es geplant hatten.

Verhaegh: Das erste Jahr war schwer. Uns gelang der Klassenerhalt erst in der Relegation. Das war keine einfache Situation, wenn man mit einem Verein wie Wolfsburg gegen den Abstieg kämpft. Diese Saison war es für mich sportlich überhaupt nicht zufriedenstellend. Man sollte immer den Anspruch haben zu spielen, aber der Trainer hat eine andere Entscheidung getroffen. Mir war bewusst, dass es passieren kann, dass man in meinem Alter nicht Woche für Woche spielt. Trotzdem finde ich, dass ich zu wenig gespielt habe.

Ihren Unmut müssen Sie Bruno Labbadia deutlich zu verstehen gegeben haben, danach wurden Sie freigestellt.

Verhaegh: Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber ja, es gab einen internen Vorfall. Und dann war das die beste Lösung.

Sie kennen den neuen FCA-Trainer Martin Schmidt ja auch. Er war beim VfL Wolfsburg allerdings nur fünf Monate Ihr Trainer. Er löste im September 2017 Andries Jonker ab, verließ aber schon fünf Monate später auf eigenen Wunsch wieder den VfL.

Verhaegh: Es war in dieser Saison für keinen Trainer einfach. Ich habe ihn als einen sehr engagierten Trainer, der viel Zeit in seine Arbeit steckt, kennen gelernt, der eine Mannschaft zusammenschweißen kann, der aus einem 25-Mann-Kader eine Einheit formen kann. Er sucht Charaktere, Jungs, die arbeiten wollen. In Wolfsburg hat das einfach nicht gepasst. Aber ich fand die Zusammenarbeit mit ihm interessant und ich finde, dass der FCA mit ihm sehr gut gerüstet ist für die Zukunft.

Wie haben Sie denn die besondere Beziehung zwischen Deutschen und Holländern erlebt?

Verhaegh: Ich bin da vor neun Jahren ziemlich offen rangegangen. Gerade im Fußball ist die Rivalität ja besonders stark. Ich habe Deutschland als ein sehr offenes und freundliches Land kennen und lieben gelernt. Aber natürlich musste ich mir neun Jahre Wohnwagen-Witze anhören (lacht).

Sie haben da viel Selbstironie gezeigt und mit dem damaligen FCA-Hauptsponsor Alko, der auch Fahrgestelle für Wohnwagen herstellte, einen Wohnwagen-Werbespot gedreht.

Verhaegh: Ja. Sie haben mich gefragt, ob ich als Holländer das machen würde. Ich habe ja gesagt. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich es besser nicht machen sollen (lacht). Das habe ich immer mal wieder zu hören bekommen. Das ist auch okay. Aber wenn ich jetzt an schönen Tagen durch Holland fahre, sehe ich immer mehr Deutsche mit Wohnwagen Richtung holländische Küste fahren.

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