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Interview

17.10.2020

Raphael Framberger: "Der FCA hat immer an mich geglaubt"

Raphael Framberger und der FCA: eine lang anhaltende Verbindung.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Framberger ist nach vielen Verletzungen auf dem Weg zum Bundesliga-Stammspieler. Vor dem FCA-Spiel gegen Leipzig verrät er, wie er sich immer wieder motiviert.

Herr Framberger, Sie sind fester Bestandteil der derzeit besten Hintermannschaft der Bundesliga. Nur ein Gegentor in drei Spielen hat neben dem FCA nur der VfL Wolfsburg.

Raphael Framberger: Es ist schön, dass wir nach drei Spielen erst ein Gegentor bekommen haben. Aber daran ist die ganze Mannschaft beteiligt, alle, auch die Spieler, die eingewechselt werden, arbeiten mit, dass nach hinten wenig durchkommt.

Aber es muss doch ein ungewohntes Gefühl sein. In der abgelaufenen Saison gab es 63 Gegentreffer. Was hat sich geändert?

Framberger: Wir haben in der Vorbereitung einiges getan, um unsere Kompaktheit zu verbessern. Wir hatten viele Einheiten, in denen nur die Viererkette und die beiden Sechser zusammen trainiert haben. Es ist kein Hexenwerk, es sind keine schwierigen Übungen. Es werden einfach viele Situationen mit und ohne Gegner nachgestellt und geübt. Auch in den Testspielen haben wir uns eingespielt. Mit den Erfolgserlebnissen wächst natürlich auch das Selbstvertrauen.

Die Viererkette mit Ihnen, Jeffrey Gouweeleeuw, Felix Uduokhai und Iago steht sehr stabil. Alle Vier spielten bisher bei allen drei Punktspielen durch. Ist auch das ein Puzzleteil der Erfolgsgeschichte?

Framberger: Natürlich ist es von Vorteil, wenn man als Viererkette eingespielt ist. Aber auch Rafal hält derzeit gut und die beiden Sechser halten viel Arbeit von uns weg.

Wer ist Ihr Hauptansprechpartner in der Abwehr?

Framberger: In der Viererkette kommuniziere ich am meisten mit Jeff, weil der neben mir spielt. Er gibt klare, kurze Kommandos: rechts, links, Mann, komm – das ist nichts Großartiges, das wird jede Mannschaft ähnlich handhaben. Felix und Iago machen es genauso auf ihrer Seite.

Was auffällt, Sie sind derzeit auch als rechter Verteidiger sehr offensiv ausgerichtet, Sie haben sogar schon eine Vorlage gegeben. Spielen Sie mutiger als vergangene Saison?

Framberger: Nein. Ich versuche mich immer nach vorne einzuschalten.

Wann entscheiden Sie, nach vorne zu gehen? Gibt es da ein spezielles Kommando?

Framberger: Diesen Impuls muss man sich schon selbst geben. Es gibt aber Signale. Wenn es zum Beispiel links eine Ballerorberung gegeben hat und meine Seite ist komplett blank, dann versuche ich mich einzuschalten. Klar ist aber, dass die Absicherung stimmen muss. Wenn es bei mir auf der Seite abgeht, dann muss Iago zurückbleiben, wenn er nach vorne geht, bleibe ich zurück. So spielt es sich ein.

Rafal Gikiewicz zeigt im Tor des FC Augsburg bislang starke Leistungen.
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Bild: Tim Groothuis, Witters

Sie haben in dieser Saison mit Neuzugang Daniel Caligiuri einen Routinier auf ihrer Seite. Hilft das?

Framberger: Cali dirigiert mich und ich ihn. Er bringt seine ganze Erfahrung ein, und es ist von Vorteil, dass er auch schon als rechter Verteidiger gespielt hat und diese Position kennt. Aber auch Andre Hahn ist einer, der viel nach hinten arbeitet und mich unterstützt.

Nach der Corona-Pause haben sie sieben Spiele in Folge absolviert. Das gelang Ihnen in ihrer Profikarriere noch nie. Hat Ihnen die lange Unterbrechung geholfen?

Framberger: Ich weiß nicht, wie es ohne Corona gelaufen wäre. Ich habe meine Spiele gemacht, weil ich einfach durchgehend fit war.

Ihre Krankenakte hat sicher einige Zentimeter Durchmesser. Unter anderem sind da zwei Kreuzbandrisse vermerkt. Sie haben bisher 738 Tage gefehlt und 75 Spiele versäumt. Es hätte sicherlich Spieler gegeben, die aufgegeben hätten. Wie gelingt es Ihnen, sich immer wieder zurückzukämpfen?

Framberger: Ich bin einfach der Typ, der sich bei Rückschlägen nicht so viele Gedanken macht. Zudem hat der FCA immer an mich geglaubt und mir immer wieder die Chance gegeben, nach meinen Verletzungen wieder Bundesliga spielen zu können.

Und er hat während ihrer Rehaphase nach ihrem Kreuzbandriss im Juni 2019 ihren Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Framberger: Das war eine sehr große Geste, die ich sehr zu schätzen weiß. Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn sie mich nicht so unterstützt hätten. Ob mich woanders noch einmal der Ehrgeiz gepackt hätte, kann ich nicht sagen. Hier hatte und habe ich immer das Gefühl, der FCA setzt auf mich. Darum war es immer mein einziges Ziel, so schnell wie möglich wieder auf den Platz zurückzukehren.

Haben Sie aufgrund der Verletzungen bei Ihrem persönlichen Training etwas geändert?

Framberger: Ich habe von den Physios und Ärzten ein spezielles Programm erstellt bekommen, das ich vor und nach dem Spiel abarbeite. Das sind Dehnübungen und Übungen, von denen ich meine, dass sie mir guttun. Das dauert vielleicht 20 Minuten, und dann setze ich mich noch ein bisschen auf das Fahrrad. Das ist jetzt nichts Dramatisches, gehört einfach dazu.

Am Samstag kommt es nun zum Spitzenspiel in der WWK-Arena. Der FCA als Zweiter empfängt den Tabellenführer RB Leipzig.

Framberger: Auf dem Papier sieht es nach Punkten ausgeglichen aus, aber Leipzig ist der klare Favorit. Sie haben individuell klare Vorteile, aber wir wollen ihnen die Punkte nicht kampflos überlassen. Wir wollen, wenn es möglich ist, an ihnen vorbeiziehen.

Das wäre ein genauso großer Coup wie der Sieg gegen Dortmund. Sind die Rollen genauso verteilt?

Framberger: Die Rollen sind ähnlich verteilt. Leipzig hat wie Dortmund Spieler, die eine Partie allein entscheiden können. Da müssen wir genauso kompakt stehen wie gegen Dortmund und wir brauchen auch ein wenig Spielglück.

Fehlen wird Ihnen und ihrem Team aber die Unterstützung der Fans.

Framberger: Auf jeden Fall. Gegen Dortmund war die Stimmung super. Es war toll, nach langer Zeit mal wieder vor Publikum zu spielen. Es hat sich angefühlt, als wäre das Stadion ausverkauft. Das hätten wir gegen Leipzig auch gerne gehabt.

Können Sie die Entscheidung der Stadt nachvollziehen, angesichts der steigenden Infektionszahlen die Zuschauer auszusperren?

Framberger: Als Laie würde ich schon sagen, dass es vernünftig ist. Es wäre schwer zu vermitteln, dass man 6000 Zuschauer in solch einer Situation ins Stadion lässt. Andererseits hat man gegen Dortmund gesehen, dass die Hygienekonzepte der DFL und des FCA greifen. Ich hoffe, die Fans fiebern bei dem Spiel vor dem Fernseher mit, drücken uns die Daumen und dürfen gegen Mainz wieder ins Stadion.

Hat sich Ihr Verhalten jetzt verändert? Sind Sie noch vorsichtiger geworden?

Framberger: Für mich persönlich hat sich nichts großartig verändert, weil ich mich auch vorher an die Regeln gehalten habe. Es ist schon krass, wenn man in der Stadt auch im Freien eine Maske tragen muss, aber wenn es nicht anders geht, müssen wir das jetzt so durchziehen.

Haben Sie jetzt zusätzliche Verhaltensregeln vom Verein mitbekommen?

Framberger: Da bekommen wir immer wieder Tipps, Hinweise und Regeln. Wir sind auch sehr vernünftig. Das sieht man auch daran, dass bei uns noch nichts Großartiges passiert ist.

Was tippen Sie am Samstag?

Framberger: Ich tue mich bei eigenen Spielen immer schwer. Aber es wäre toll, wenn wir weiterhin mit nur einem Gegentor die beste Abwehr der Liga hätten.

Wann hat die Tabelle nach Ihren Vorstellungen einen gewissen Aussagewert?

Framberger: Ich denke, in der nächsten Länderspielpause ist die erste kleinere Tendenz abzulesen.

Torhüter Rafal Gikiewicz hat in einem Interview erzählt, dass er seinen Kühlschrank voll mit kleinen Zetteln klebt, auf denen er seine persönlichen Ziele schreibt, um sie zu visualisieren. Machen Sie so etwas auch?

Framberger: Nein, da würde ich sicher Ärger mit meiner Freundin bekommen, wenn ich den Kühlschrank vollkleben würde. Ich bin nicht der Typ, der das plakativ darstellen muss.

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