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FC Augsburg

18.06.2018

Raphael Framberger: Ein Jungprofi, der keine Klischees erfüllt

Raphael Framberger will sich nach vier Monaten Verletzungspause wieder in den Blickpunkt spielen.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Rechtsverteidiger Raphael Framberger kehrt nach seiner Sprunggelenks-OP zurück. Von seinen zahlreichen Verletzungen lässt sich der 22-Jährige nicht unterkriegen.

Direkt vor dem Fanshop, unterhalb der Geschäftsstelle des FC Augsburg an der WWK-Arena, gibt es keine Fahrradabstellplätze. Darum lehnt Raphael Framberger sein gebrauchtes Damenrad einfach an die Wand. Der 22-jährige Fußball-Profi des FC Augsburg bedient keines der Klischees, die jungen Bundesliga–Kickern nachgesagt werden. Er fährt keinen auffälligen PS-Schlitten, er fährt die eher solide Mercedes A-Klasse und teilt das Auto mit Freundin Isabell. Auch weil er vor seiner Wohnung in Augsburgs Altstadt nur einen Stellplatz zur Verfügung hat.

Diesmal braucht seine Freundin das Auto, deshalb kommt Framberger mit dem Rad von einem Arzttermin in der Hessinpark-Clinic. Seit Februar laborierte er an einer Sprunggelenksverletzung. Jetzt war seine Abschluss-Untersuchung. „Ich bin froh. Endlich habe ich grünes Licht bekommen und kann voll belasten. Ich will jetzt die zwei Wochen bis zum Saisonstart nützen, um vollkommen fit zu werden“, sagt er erleichtert. Zum Trainingsauftakt am 1. Juli will er wieder angreifen. Wieder einmal.

Der Moment, als das Band riss: BVB-Spieler Marco Reus (l) und Raphael Framberger (r) im Zweikampf.
Bild: Ina Fassbender, dpa

Rückblick. 26. Februar. Es läuft die 37. Minute beim Spiel Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg. Framberger blockt einen Schuss von Marco Reus mit dem rechten Fuß. Beim Aufkommen knickt er mit dem Sprunggelenk um. Zehn Minuten spielt er noch nach der Halbzeit, ehe er sich auswechseln lassen muss.

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Framberger: "Da war mir klar, dass die Saison gelaufen war"

Framberger fliegt mit dick bandagiertem Sprunggelenk nicht mit seinen Kollegen heim, sondern muss mit dem Mannschaftsbus fahren. „Auf der Rückfahrt hatte ich mir die Fernsehbilder angesehen. Darum konnte ich mich schon ein wenig drauf einstellen. Als mir der Arzt gesagt hat, dass ein Innenband und zwei Außenbänder gerissen sind und die Außenbänder mit einer Sehne fixiert werden müssen, war mir klar, dass die Saison gelaufen war.“

Wieder einmal ist Framberger verletzt. Seit er 2013 Profi wurde, fehlte er fast 500 Tage, das sind mehr als 16 Monate. 2013 musste er am Syndesmoseband operiert werden, 2015 am rechten Außenmeniskus. Im Januar 2016 riss im Training das Kreuzband, irgendwann folgte eine Kniereizung. Einige der Verletzungen waren Pech, trotzdem stellt sich die Frage, hält sein Körper den harten Bundesliga-Alltag durch? Framberger ist vorbereitet: „Ich hatte nie das Gefühl, ich bin hier am falschen Platz mit der Sportart. Dafür bin ich viel zu ehrgeizig“, sagt er bestimmt. „Ich habe in dieser Saison gesehen, dass ich in der Bundesliga mithalten kann. Das hat so viel Spaß gemacht, das überwiegt einfach alles, auch wenn ich jetzt wieder ein paar Wochen draußen war.“

Nach dem Sieg gegen Mainz stand der Klassenerhalt fest. Mit dem Schriftzug  obACHT feierte der FCA seine achte Erstligasaison in Folge.
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Ein Blick zurück: Die FCA-Saison in Bildern
Bild: Stefan Puchner, dpa

Seinen manchmal ungestümen Spielstil will er nicht ändern. „Ich habe schon vor den letzten Verletzungen versucht, dass ich nicht in jeden Zweikampf blöd reinspringen muss, sondern dass ich das mit Auge und Schnelligkeit wettmachen kann. Aber komplett umstellen kann und will ich mich nicht.“ Diese Kompromisslosigkeit ist sein Markenzeichen. Und es schien in dieser Saison perfekt für das Augsburger Eigengewächs zu laufen.

FCA-Trainer Manuel Baum setzt auf das junge Talent

FCA-Trainer Manuel Baum setzte auf ihn, er spielte die ersten beiden Spiele, ehe er mit Knieproblemen pausieren musste. Daniel Opare eroberte sich einen Stammplatz. Doch als der im Januar suspendiert wurde, war Framberger in der Rückrunde wieder zu Stelle. Vier Mal in Folge stand er in der Startelf. Seine Geduld schien sich auszuzahlen. Dann kam der Schuss von Marco Reus. „Unmittelbar nach der Nachricht ist es schon niederschmetternd, aber dann spricht man mit der Freundin, den Eltern, dem Bruder und denkt nicht mehr den ganzen Tag daran“, sagt Framberger. Und der Satz, denn er dann anfügt, zeigt, wie stark sein Charakter ist: „Es gibt schlimmere Sachen als so eine kleine OP.“

Vier Monate hat Framberger sich geschunden, gelitten, sich gefreut, als er endlich den Spezialschuh und die Krücken zu Seite stellen durfte, als er auf den Hometrainer steigen durfte, als er endlich auf dem Laufband langsam gehen durfte. „Die kleinen Schritte in der Reha sind für den Kopf enorm wichtig“, sagt er. Er muss es wissen. Selbst in seinem Urlaub war die Reha ein Thema. Mit seiner Freundin machte er zwei Städtereisen. Barcelona und London, beziehungsweise Cambridge. „Es war super, als ich zwei Tage zuvor das Okay bekam, draußen laufen zu dürfen. Das konnte ich in den Parks von Cambridge dann auch tun“, erzählt er.

Auf den Mannschaftstrip nach Las Vegas verzichtete Framberger

Auf den Mannschaftstrip nach Las Vegas verzichtete er: „Ich bin nicht der Typ, der da groß Geld ausgeben will. Außerdem hatte ich noch einen Arzttermin, den ich nicht verlegen wollte.“ Framberger wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Welt in diesem Fußball-Zeitalter, in dem es viel um die Selbstdarstellung der Spieler geht, um Transfers in schwindelerregenden Höhen, um Investoren, Geschäftsanteile oder TV-Gelder. Natürlich verdient auch er nach seiner Vertragsverlängerung im März 2017 bis 2021 deutlich mehr Geld als Millionen seiner Altersgenossen. „Ich weiß aber, dass es mit dem Fußball jederzeit vorbei sein kann. Da ist es nicht schlecht, wenn man eine kleine Grundlage aufgebaut hat.“

Der junge Mann ohne Tattoos, ohne exzentrischen Haarschnitt vermittelt den Eindruck, dass es doch tiefere Werte im Fußball. Einer, der noch um des Spieles Willen spielt. „Es macht unheimlich Spaß, in den Stadien zu spielen, von denen ich schon als kleiner Junge geträumt habe. Mit der Mannschaft und den Fans nach einem Sieg zu feiern, ist einfach ein geiles Gefühl. Da kann ich gar nicht genug davon bekommen.“

Den Rest der Saison musste Raphael Framberger von der Tribüne aus verfolgen.
Bild: Ulrich Wagner

Ob er seinen Durst nach Emotionen auch in dieser Spielzeit stillen kann? Die Konkurrenz ist groß. Simon Asta, Felix Götze und Jonathan Schmid wollen spielen. Framberger bleibt gelassen. „Ich kann es nicht beeinflussen. Ich weiß, was ich drauf habe, wenn ich fit bin. Ich brauche mich nicht verstecken.“ Selbst wenn der Verein noch einen erfahrenen Rechtsverteidiger holen würde, würde er „deswegen nicht schlecht schlafen.“

Framberger hat in der vergangenen Saison nur neun Spiele absolviert, doch die haben seinem Selbstbewusstsein gutgetan. Das Trikot vom Raphael Framberger wird sicher nicht der Verkaufsschlager in der neuen Saison, doch genau solche Profis sind es, die dem Image des Vereins guttun. Als er den Fan-Shop verlässt und sein Rad in die Hand nimmt, lehnt er die Bitte nach einem Foto ab. Er geniert sich. Und dann radelt er weg.

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