1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Augsburg
  4. Schon 44 Gegentore: Die FCA-Abwehr sorgt für schlechte Stimmung

FC Augsburg

09.02.2020

Schon 44 Gegentore: Die FCA-Abwehr sorgt für schlechte Stimmung

FCA-Torhüter Tomas Koubek lässt beim Debakel in Frankfurt seinen Frust an seiner Wasserflasche aus.
Bild: Jan Huebner

Plus 44 Treffer hat der FC Augsburg in dieser Bundesliga-Saison bereits kassiert - fünf zuletzt in Frankfurt. Nicht alle Spieler haben den Ernst der Lage erkannt.

Gerne würden die Worte aus ihm heraussprudeln. Keine angenehmen Worte wären das. Jeff Gouweleeuw aber hat sich im Griff. "Ich bleibe ruhig, auch das habe ich gelernt", sagt der Verteidiger des FC Augsburg. Das 0:5 bei Eintracht Frankfurt hat ihm mächtig zugesetzt. Es ist schon die vierte Partie in dieser Saison, in der die Augsburger fünf Gegentore kassieren. Zweimal gegen Dortmund, einmal gegen Mönchengladbach und nun Frankfurt. Es ist eine Gegentorflut, die es einzudämmen gilt. Nur wie?

"Das darf uns natürlich nicht passieren", sagt Gouweleeuw. Als Innenverteidiger war er am Freitagabend nicht zu beneiden. "Wenn die Mitte ganz offen ist und sie laufen auf uns, was sollen wir da machen?", sagt er. Er betont aber auch: "Es ist nicht Offensive gegen Abwehr, wir haben heute als Mannschaft verloren. Genau wie wir als Mannschaft gewinnen. Wir haben das aber einfach scheiße gemacht heute."

Zum Ende hin fiel die Abwehr des FC Augsburg auseinander

Vor allem in Hälfte zwei. Der 0:3-Rückstand führte nicht bei allen Augsburgern zu der Erkenntnis, dass an diesem Abend nichts zu holen sein wird. Defensive Stabilität wäre gefragt gewesen. Nicht alle aber hatten das realisiert. "Vielleicht denken ein paar Spieler, es ist noch was drin, vielleicht machen wir noch das 3:3 oder sogar 3:4. So darf man aber nicht denken, jetzt sieht es einfach blöd aus", sagt der Innenverteidiger. Vor allem die beiden Gegentreffer durch Filip Kostic haben starke Zweifel an der Einstellung einiger Spieler gebracht - unter anderem zweifelte Trainer Martin Schmidt daran, ob alle Spieler mit der richtigen Mentalität zu Werke gingen.. Zu einfach gestaltet sich in den Schlussminuten das Toreschießen für die Gastgeber, das 0:5 legt Felix Uduokhai sogar selbst mit einem schlimmen Fehler auf. Es ist der Tiefpunkt der Augsburger Abwehrschwächen.

Schon 44 Gegentore: Die FCA-Abwehr sorgt für schlechte Stimmung

Stürmer Alfred Finnbogason, nach langer Zeit mal wieder in der Startelf, meint: "Wir müssen nun intensiv analysieren, warum wir so viele Gegentore kassieren." Er selbst hätte das Spiel in eine andere Richtung drehen können. Hätte er kurz vor der Pause zum 1:1 getroffen, die Partie des FCA in Frankfurt hätte wohl kein so bitteres Ende genommen. "Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt", sagt der Isländer. Freitagabendspiele sind immer etwas besonderes. Flutlicht, gute Stimmung und die Aussicht auf ein entspanntes Wochenende. Auch beim FCA haben sie davon geträumt. "Gemütlich auf der Couch schauen, was die anderen machen", sagt Finnbogason. Aber freilich nur, wenn der eigene Auftritt mit Punkten gekrönt wird. Doch davon war der FCA am Freitagabend so weit entfernt wie der SC Paderborn von der Meisterschaft. Vor allem Hälfte zwei treibt den Augsburgern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.

Verkehrte Welt: Florian Niederlechner, Stürmer beim FC Augsburg, blieb beim 0:5 in Frankfurt torlos. Eintracht-Verteidiger Timothy Chandler traf hingegen doppelt.
Bild: Thomas Frey, dpa

FCA-Trainer Martin Schmidt kritisierte Finnbogason

Finnbogason stellt sich den Fragen der Journalisten. Obwohl auch der Stürmer weit weg von seiner Topform war. "Natürlich habe ich mir mein erstes Spiel in der Startelf nach langer Zeit anders vorgestellt", sagt er. Wegen einer Schulterverletzung hatte er mehrere Monate gefehlt. Vor einer Woche gegen Werder Bremen war er eingewechselt worden, diesmal sah ihn Trainer Martin Schmidt bereit für die Startelf. Und hätte Finnbogason kurz vor der Pause den Ball am starken Eintracht-Torwart Kevin Trapp vorbeigebracht, hätte ihm jeder zu dieser Entscheidung gratuliert. So aber war es ein Abend zum Vergessen. Nicht nur die vergebene Chance ärgerte Finnbogason, auch sein Verhalten beim 0:2 (46. Minute) gab Anlass zur Kritik. "Er war Chandler zugeteilt, lässt sich dann aber abkochen", kritisiert Schmidt. In der 65. Minute nahm er Finnbogason vom Platz. Der musste von außen mitansehen, wie sich seine Kollegen in der Schlussphase noch völlig blamierten und die Frankfurter zu leichten Treffern einluden. So darf sich ein Bundesligist nicht präsentieren.

Finnbogason: "Was im Gedächtnis haften bleibt, ist die zweite Hälfte. Und die war ernüchternd"

Die Hoffnung war groß gewesen, dass der FC Augsburg in seiner Entwicklung schon weiter ist. Auch bei Finnbogason. Er meint aber auch: "Heute war auch nicht alles schlecht. Wir werden sicherlich was Positives rausfinden." Das könnte allerdings etwas länger dauern. Denn was im Gedächtnis haften bleibt, ist die zweite Hälfte. Und die war ernüchternd. "Wir müssen alle in den Spiegel schauen und uns verbessern", sagt Finnbogason.

Große Probleme hatten die Augsburger vor allem mit der starken linken Frankfurter Angriffsseite um Filip Kostic. Tin Jedvaj hatte große Mühe, seine rechte Abwehrseite dicht zu halten, was nicht sehr oft gelang. Der eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselte Stephan Lichtsteiner hatte gar noch mehr Probleme mit dem Tempo und der Wucht von Kostic. Einmal landete der Schweizer gar auf dem Hosenboden, als er den Bewegungen von Kostic einfach nicht mehr hinterherkam. Die rechte Abwehrseite bleibt eine große Baustelle im FCA-Team. Am Freitagabend war das auch die Effektivität. "Chandler hat eine Chance und macht direkt das Tor", sagt Gouweleeuw, "bei uns war dagegen der Killerinstinkt nicht da". Dabei war allen klar gewesen, dass ein Kampfspiel warten würde. Eines, das auf einem rutschigen Rasen stattfand. "Der Platz war eine Katastrophe, aber deswegen haben wir sicher nicht verloren", sagt Gouweleeuw.

Dann verschwindet er mit grimmiger Miene in die Frankfurter Nacht. Immerhin blieb er bei seiner Wortwahl besonnen.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren