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FC Augsburg

09.09.2019

Stephan Lichtsteiner hat längst noch nicht genug

„Andere Länder, andere Sitten, da gilt es, sich anzupassen.“ Stephan Lichtsteiner ist keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält.
Bild: Ulrich Wagner

Lichtsteiner will mit der Schweiz noch einmal zur EM. Doch Trainer Petkovic stellt ihn bisher in der Nationalmannschaft nicht auf. Das sorgt für Schlagzeilen.

Natürlich hat Stephan Lichtsteiner, 35, in der Länderspielpause gespielt. Eine Halbzeit. Am Donnerstag, mit dem FC Augsburg gegen den FC Schaffhausen, einem Zweitligisten aus seiner Schweizer Heimat. 1:1. Nur – sagen die Augsburger Fußball-Interessierten, die die Findungsphase des Bundesligisten nach dem großen personellen Umbruch kritisch beobachten.

Lichtsteiner fand den Test aufschlussreich: „Schaffhausen war sehr defensiv gestanden im 5-4-1 oder 3-4-3. Das war eine sehr gute Challenge für das Frankfurt-Spiel.“ Allerdings wird er am Samstag (15.30 Uhr) in der WWK-Arena auf der Tribüne sitzen.

Der FC Augsburg braucht Lichtsteiner als Stabilisator

Wie das ganze Team hat auch der Routinier noch Anpassungsprobleme. Er sah bei der 2:3-Niederlage in Bremen nach etwas mehr als einer halben Stunde Gelb-Rot. Bei der ersten Gelbe Karte hätte er den Einwurf schnell ausführen wollen, dann habe sich sein Gegenspieler fallen lassen und er bekomme gleich Gelb. „Das war aus meiner Sicht übertrieben, denn vorher war ja überhaupt keine Gehässigkeit im Spiel. Bei der zweiten Aktion sehe ich meinen Gegenspieler gar nicht. Aber das muss man akzeptieren.“

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In England galt Lichtsteiner, so schrieb die Süddeutsche vor kurzem, als Spezialist im Shithousery, in der Kunst, Spiele auf die gerade noch erlaubte Weise gewinnen zu wollen. In der Bundesliga funktioniert das noch nicht. Er sagt: „Andere Länder, andere Sitten, da gilt es, sich anzupassen.“ Und zwar schnell.

Lichtsteiner wird als Stabilisator gebraucht, das FCA-Konstrukt ist auch nach dem dritten Spieltag noch fragil. Die Spieler, die in der Defensive für die notwendige Qualität sorgen sollen, haben erst vor kurzem unterschrieben.

Der FCA profitiert von Lichtsteiners Nichtberücksichtigung

Spieler wie Tin Jedvaj, kroatischer Vizeweltmeister, oder wie Lichtsteiner, sieben Mal Meister mit Juventus, der auch erst andere Optionen prüfte: „Es ist Fakt, dass Mannschaften wie der FCA ihre Spieler in der langen Transferperiode oft erst zum Schluss bekommen. Wenn du dann nur fünf oder sagen wir zehn Trainingseinheiten zusammen gemacht hast, ist klar, dass Details noch fehlen. Bis alles stimmt, braucht es etwas Zeit.“ Doch Lichtsteiner weiß: „Die haben wir eigentlich nicht, aber wir haben die Qualität, dass wir in relativ kurzer Zeit große Fortschritte machen können.“

Darum war es für den FCA nicht gerade abträglich, dass Lichtsteiner wieder nicht für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Zum zweiten Mal in Folge verzichtete Nationaltrainer Vladimir Petkovic auf den 35-jährigen Rechtsverteidiger. Diesmal für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Gibraltar.

Lichtsteiner verteidigt Petkovic nach Nationalelf-Absage

Das letzte seiner 105 Länderspiele bestritt der Kapitän außer Dienst im März beim erfolgreichen Auftakt zur EM-Ausscheidung in Georgien (2:0). Petkovic setzt auf Jüngere wie den Wolfsburger Kevin Mbabu, 24. Doch der patzte beim 1:1 gegen Irland. Die EM-Qualifikation scheint in Gefahr. Es rumort im Team und in der Öffentlichkeit. Deshalb sorgt Lichtsteiners Nichtberücksichtigung für riesengroße Schlagzeilen, egal ob in den Boulevardblättern oder auch in den seriösen Zeitungen.

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Bild: Urich Wagner

Der Generationentausch geht auch in der „Nati“, so wird die Nationalmannschaft in der Schweiz genannt, nicht reibungslos vonstatten. Lichtsteiner selbst gibt dazu gerne Auskunft. Auch gegenüber unserer Redaktion. Er spricht diplomatisch, aber er lässt keinen Zweifel, dass er überzeugt ist, dass er dabei sein müsste. Sein Verhältnis zu Trainer Petkovic bezeichnet er als sehr gut: „ Er hat mir seine Absage persönlich erklärt.“ Er verteidigt Petkovic sogar: „Es ist einfach so im Fußball, dass, wenn jemand 35 ist, viele Leute sagen, der kann nicht mehr, man muss die Jungen spielen lassen. Das kommt aber nicht vom Trainer. Der Druck kommt von außen.“ Lichtsteiner weiter: „Vor der Nations League hat er klar gesagt, er werde nur mit Jungen spielen. In diesem Jahr hat er sich bisher auch so entschieden. Das kann ich nicht beeinflussen und ich akzeptiere es auch.“

FCA-Spieler Lichtsteiner hofft weiterhin, bei der EM 2020 zu spielen

Lichtsteiner hat auch als 35-Jähriger noch nicht genug: „Mein großes Ziel ist es nach wie vor, bei der EM 2020 dabei zu sein. Dann hätte ich jeweils drei Europameister- und drei Weltmeisterschaften gespielt. Auf das arbeite ich hin.“ Mit viel Ehrgeiz, vielleicht sogar Verbissenheit. Lichtsteiner ordnet dem Erfolg alles unter. Er hat nach seinem Aus bei Arsenal beim FCA unterschrieben, um zu spielen. Darum pendelt er jetzt zwischen seiner Familie in Zürich und Augsburg.

Er sagt, er könne nur seine persönlichen Leistungen beeinflussen: „Natürlich bin ich schon etwas älter, aber ich persönlich hoffe, dass das keine große Rolle spielt, sondern dass die Leistung im Vordergrund steht. Ich denke nach wie vor, dass ich meine Chance bekomme, wenn ich beim FCA gut spiele.“

Vielleicht ist er dann ja schon in der nächsten Länderspielpause Mitte Oktober nicht mehr gegen Schaffhausen, sondern gegen Dänemark und Irland im Einsatz.

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11.09.2019

PS. Leistung und Leistungsbereitschaft zählen für das Management ganz offensichtlich nicht, sondern Wohlverhalten und Unterwürfigkeit gegenüber Hr. R. Hr. Hofmann, es ist schon klar, gute Manager fallen nicht vom Himmel, aber Sie sollten mal darüber nachdenken, ob mit solider Basisarbeit nicht mehr zu erreichen ist als mit narzisstischer Selbstüberschätzung.

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11.09.2019

Es sei "Fakt", sagt Lichtsteiner, "daß Mannschaften wie der FCA ihre Spieler ... erst zum Schluss bekommen". Heißt: Man kommt nur zum FCA, wenn's nicht mehr anders geht. Das war vor zwei, drei Jahren nicht ganz so krass. Aber heute hat sich die kopflose Planung des Managements in der Szene herum gesprochen: Dass man ungeeignete Trainer verpflichtet, drittklassige Torwarte aufstellt, gute Spieler, wenn sie auf Fehler hinweisen, rauswirft, dafür aber vereinsschädigende, disziplinlose lange gewähren lässt, kurz, dass individuelle Leistung für die Vereinsführung nicht zählt. Die Folge: Es wollen nicht nur gute Leute kaum mehr zu uns, sondern viele verbliebene gute Spieler wollen weg. Bleibt nur zu hoffen, dass am Samstag eine Wende beginnt.

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