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FC Augsburg

16.07.2019

Tattoos, Geldstrafen, Ärger mit der Justiz: Die Akte Caiuby

Caiuby gehört zu den wichtigsten Spielern des FCA. Er ist aber auch derjenige, der die größten Probleme mit der Disziplin hat.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der Brasilianer ist der Skandalprofi des FC Augsburg. Innerhalb eines Jahres wurde er vom Leistungsträger zum Ausgestoßenen.

Eigentlich hätte dieser Sommer ein Neustart werden können für Caiuby Francisco da Silva, kurz Caiuby. Eigentlich. Der Brasilianer hat beim FC Augsburg zwar noch einen Vertrag bis zum Sommer 2020. Auf sein Mitwirken legt die Vereinsführung aber keinen Wert mehr. Der 31-jährige Mittelfeldspieler ist nach mehreren Eskapaden beim Verein in Ungnade gefallen und darf sich einen neuen Verein suchen. Am Training nimmt er nicht mehr teil.

Dass man Caiuby in Augsburg wieder sieht, hält FCA-Manager Stefan Reuter "für unwahrscheinlich", wie er beim Trainingsauftakt des Klubs sagte. Vor einem Jahr galt das noch als undenkbar: Der Südamerikaner galt als nahezu unverzichtbar fürs Spiel des FC Augsburg.

Ein Wechsel zu einem neuen Verein soll der endgültige Abschied sein. Die Interessenten dürften nach den Leistungen Caiubys in der vergangenen Saison aber nicht gerade Schlange stehen. Weder beim FC Augsburg noch bei den Grasshoppers Zürich, wo er in der Rückrunde auf Leihbasis gespielt hatte, wusste er zu überzeugen.

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Die Zeit in Zürich geriet für Caiuby zum Desaster

In der Schweiz wollte Caiuby wieder Spielpraxis sammeln - doch das Halbjahr bei den Eidgenossen geriet zum Desaster: Nur in neun Spielen lief Caiuby für Zürich auf, blieb darin aber ohne Tor und Assist und stieg am Ende mit der Mannschaft aus der ersten Liga ab. Es war das erste Mal, dass der Traditionsklub ins Unterhaus gehen musste. Der Tagesanzeiger aus Zürich schrieb am Saisonende über Caiuby und andere Neuzugänge, die ebenfalls floppten: "Mehr als einen Krater in der Buchhaltung haben sie nicht hinterlassen."

Damit ist Caiuby innerhalb eines Jahres vom Leistungsträger zum Ausgestoßenen geworden - einen derart rapiden Absturz hat lange kein Bundesligaspieler mehr hingelegt. Los ging alles beim Trainingsstart des FCA im vergangenen Sommer: Der Brasilianer hatte seinen Urlaub eigenmächtig verlängert. Der Ärger darüber hatte das Trainingslager des Bundesligisten überschattet. Trainer, Manager und Mitspieler zeigten sich genervt vom Verhalten Caiubys. Erst nach zehn Tagen tauchte er wieder auf. Der Verein begnadigte ihn nach einer saftigen Geldstrafe ein weiteres Mal.

Manager Stefan Reuter wollte damals keine Zahlen nennen, sprach aber davon, dass Caiuby den "teuersten Urlaub" seines Lebens gemacht hatte. Es war auch damals nicht das erste Mal, dass Caiuby länger als erlaubt in Brasilien blieb: Im Frühjahr 2017 hatte er nach einer schweren Knie-OP ohne Absprache seinen Heimataufenthalt verlängert.

Der FC Augsburg setzte darauf, dass Caiuby seine Extratouren wieder mit Leistung rechtfertigen würde, wie es in der Vergangenheit stets gewesen war. In der Vergangenheit hatte der Verein stets die schützende Hand über Caiuby gehalten - und dieser hatte mit Leistung zurückbezahlt. Der Mittelfeldspieler, der vor 30 Jahren in São Paulo geboren wurde und in der 32 Millionen Einwohner großen Metropole  auch aufgewachsen ist, war in Augsburg stets ein wichtiger Faktor.

Über die Umwege Duisburg und Ingolstadt landete "Kai-Uwe", wie ihn die Fans nennen, 2014 beim FCA. Seine Argumente für einen Stammplatz: Kein Spieler im Kader ist kopfballstärker, wenige sind für das Offensivspiel des FCA wichtiger als der Mann mit dem schwarzgelockten Wuschelkopf. Ist Caiuby fit, dann spielt er meistens auch. Das galt lange Zeit. Doch je länger die Hinrunde dauerte, desto schlechter spielte Caiuby. Beim Heimspiel gegen Schalke leitete er mit einem Fehler den Ausgleich der Westdeutschen ein.

Zusammen mit zwei Mitspielern ließ Caiuby einen Tätowierer aus Brasilien einfliegen

Dazu kam, dass der Brasilianer immer wieder für Schlagzeilen abseits des Platzes sorgte. So hatte er sich vier Tage vor dem Spiel gegen Schalke zusammen mit seinen Mitspielern Jonathan Schmid und Konstantinos Stafylidis einen Edel-Tätowierer aus Brasilien einfliegen lassen, um sich den Rücken mit einem Tigerkopf verzieren zu lassen. Zudem trägt er eine Maschinenpistole nun auf der Hüfte spazieren. Während der damalige Trainer Manuel Baum bei den Tattoos keinen Grund zum Eingreifen sah, hatte er Caiuby aus anderen Gründen zuvor sogar aus dem Kader gestrichen. Beim Auswärtsspiel in Hannover Ende Oktober durfte Caiuby nicht mitfahren, weil er zweimal zu spät zu Mannschaftssitzungen gekommen war. Damals übte auch sein Mitspieler Rani Khedira Kritik an Caiuby und sprach davon, dass dieser "letztendlich zu viele Fehler" gemacht habe.

Die letzten Fehler als FCA-Spieler leistete sich Caiuby Anfang des Jahres 2019. Als das Flugzeug des Bundesligisten zum Trainingslager flog, war er erneut nicht dabei. Er war zwar nicht der einzige Spieler im FCA-Kader, auf den das zutraf. Im Gegensatz zu Alfred Finnbogason, der tags zuvor zum zweiten Mal Vater geworden war, und Philipp Max, den eine Erkrankung bremste, hatte er aber keinen besonders guten Grund für sein Fehlen vorgebracht. "Er muss zu Hause noch private Angelegenheiten regeln", erklärte ein sichtlich angesäuerter FCA-Manager Stefan Reuter kurz vor dem Einchecken. Nachdem Caiuby dreieinhalb Wochen nichts von sich hören ließ, kam er Ende Januar nach Augsburg zurück - und ging erst einmal feiern. Das brachte das Fass zum Überlaufen: Der FCA stellte Caiuby frei.

 

Im Sommer war Caiuby zehn Tage verschwunden.
Bild: Ulrich Wagner

Wegen Körperverletzung erließ das Amtsgericht Augsburg einen Strafbefehl

Auch bei der Augsburger Justiz war und ist Caiuby ein Dauerthema. Weil er ohne gültiges Ticket vom Münchner Oktoberfest nach Augsburg gefahren war und einen Mann im Augsburger Nachtleben mit einem Kopfstoß verletzt haben soll, liefen die Ermittlungen an. Im Herbst wurde das Verfahren um die Schwarzfahrt abgeschlossen. Caiuby und sein Anwalt akzeptierten eine Geldstrafe in Höhe von 22.500 Euro.

Mit der Justiz wird Caiuby auch zukünftig zu tun haben: Weil er im Augsburger Nachtleben einen Mann per Kopfstoß verletzt haben soll, erließ das Augsburger Amtsgericht einen Strafbefehl wegen Körperverletzung. Das Gericht hatte es als erwiesen gesehen, dass Caiuby einen 26-Jährigen im Mai 2018 per Kopfstoß verletzt hat. Dieser soll daraufhin mehrere Tage arbeitsunfähig gewesen sein. Laut Strafbefehl muss Caiuby eine Strafe in Höhe von 135 Tagessätzen zahlen - das entspricht einer Geldbuße von 101.250 Euro bei einer Tagessatzhöhe von 750 Euro. Mit einbezogen ist in dieser Strafe die Schwarzfahrt, wegen der Caiuby Mitte Oktober bereits verurteilt worden war.

Wird Caiuby verurteilt, gilt er als vorbestraft

Bleibt es beim selben Tagessatz wie bei der Schwarzfahrt, müsste Caiuby mindestens 67.500 Euro (entspricht 90 Tagessätzen zu jeweils 750 Euro), also zusätzlich 45.000 Euro zahlen. Aus juristischer Sicht noch heikler: Ab einer Strafe von mehr als 90 Tagen bekommt der Verurteilte einen Eintrag ins Bundeszentralregister und gilt damit als vorbestraft. Weil Caiuby gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben hatte, steht eine Gerichtsverhandlung noch an.

Warum der Profi immer wieder auffällig wird? Personen, die den Brasilianer seit Jahren kennen, beschreiben ihn als ausgesprochen freundlich, sehr sorglos, etwas naiv – und verlieren selten ein gutes Wort über sein Umfeld. Von der Mutter seines Sohnes lebt Caiuby getrennt. Der Brasilianer, der aus armen Verhältnissen kommt, umgibt sich gerne mit einer Gruppe Männer, die sich selbst wohl als seine Freunde bezeichnen würden.

In seiner Augsburger Penthouse-Wohnung feierte die Gruppe oft laute Partys und nahm keine Rücksicht auf die Mitbewohner. Die Beschwerden häuften sich – bis sein Vermieter ihm den Mietvertrag kündigte. Mittlerweile hat er eine neue Wohnung bezogen. Caiuby scheint das Schicksal vieler anderer Kicker zu teilen: Souverän bewegte er sich lange Zeit nur auf dem Fußballplatz. Mittlerweile hat er aber auch diese Leichtigkeit verloren.

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05.01.2019

Seh ich nicht ganz so! Solche wie Caiuby gibt es immer wieder,der wird nach dem Ende seiner Aktivenzeit,ins Nirwana versinken, da gibt es leider genügt Beispiele. Der FCA muss schauen das er Ihn so schnell wie möglich los bringt.

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05.01.2019

ja so ist es nun mal , ein Faules ei verdirbt den Kuchen !! und so ein Spieler dient allen anderen als Super Entschuldigung !! dann ist noch der Andre Hahn dazugekommen und schon ist der weg zum Abstieg frei gemacht worden !!!

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