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FC Augsburg

17.01.2019

Thomas Helmer: "Ich würde Caiuby sofort abholen lassen"

Thomas Helmer zeigt sich im Interview beeindruckt von der Leistung von Borussia Dortmund in der Hinrunde. Beim FC Augsburg sieht er den Wirbel um Caiuby kritisch.
Bild: Uwe Speck, Witters

Plus Der Ex-Nationalspieler spricht über die Lage der Bundesliga - und über den FCA-Brasilianer. Er berichtet von einem FC-Bayern-Mitspieler, der es noch bunter trieb.

Herr Helmer, am Freitag startet die Bundesliga in die Rückrunde. Bleibt der Meisterschaftskampf endlich mal wieder bis zum Schluss spannend?

Thomas Helmer: Es kann ja auch mal in die andere Richtung gehen nämlich, dass der BVB den Vorsprung auf die Bayern hält oder sogar ausbaut. Aber ich glaube, wir sind alle glücklich, dass die Hinrunde so gelaufen ist. Die Spannung gehört einfach dazu.

Sie haben sowohl bei Bayern als auch bei Dortmund gespielt. Haben Sie denn eine Präferenz?

Helmer: Nein, das nicht. Es gibt immer Kontakt zu beiden Seiten. Ich halte mich da raus und tippe immer auf ein 2:2, wenn die Klubs gegeneinander spielen. Das hat nur noch nie geklappt (schmunzelt).

Dortmunds Marco Reus bejubelt das 1:0 per Elfmeter gegen Freiburg.
Bild: Ina Fassbender, dpa

Was macht den BVB in dieser Saison so stark?

Helmer: Da gibt es einige Faktoren. Sie haben einige Spieler in der Hinrunde gehabt, die überragende Leistungen gezeigt haben. Der Spieler der Hinrunde ist Marco Reus, Jaden Sancho ist ein Shootingstar, den vorher keiner auf der Rechnung hatte. Dazu haben sie Mentalität eingekauft, der Wechsel von Axel Witsel war für mich ein ganz wichtiger Mosaikstein. Dann haben sie mit Lucien Favre auch jemanden, der diese neu zusammengestellte Mannschaft gleich in die Spur gebracht hat. Die Dortmunder waren oft in Rückstand und haben Spiele umgebogen.

Vieles hängt von Marco Reus ab, der endlich mal verletzungsfrei spielt. Würde eine Verletzung des Kapitäns das Ganze doch noch zum Kippen bringen?

Helmer: Er ist schon der Schlüsselspieler der Mannschaft und geht als Kapitän vorne weg. Das wäre ein herber Rückschlag. Aber ich traue Dortmund zu, dass sie selbst seinen Ausfall vorübergehend kompensieren könnten.

Der BVB hat seinen Spielern ein Wechselverbot zum FC Bayern erteilt. Sie selbst sind genau diesen Schritt gegangen und 1992 von Dortmund zu den Bayern gegangen. Ist das denn realistisch?

Helmer: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich bin kein Jurist und schon früher gab es auch Passagen in den Verträgen, die meines Erachtens nicht so wasserdicht waren. Aber Dortmund muss ja nur nicht zustimmen, wenn ein Vertrag aufgelöst werden soll.

Ihr Wechsel vom BVB zum FC Bayern verlief Anfang der 90er auch nicht gerade harmonisch, oder?

Helmer: Nein.

Was ist genau damals passiert?

Helmer: Bayern wollte mich haben. Ich hatte aber nur eine Ausstiegsklausel für einen Wechsel ins Ausland. Dann gab es die Idee, dass ich für ein halbes Jahr nach Auxerre und dann erst zu den Bayern hätte gehen können. Aber das wollten weder ich noch die Bayern. Dementsprechend teuer wurde ich dann, ich habe damals acht Millionen D-Mark gekostet – und das in einer Zeit, in der man sich Abwehrspieler noch selbst geschnitzt hat.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp trifft in der Champions League auf den FC Bayern.
Bild: Jon Super, AP/dpa

Der FC Bayern ist nach einem Durchhänger zurück in der Spur. In der Champions League geht es gleich gegen Liverpool. Wenn es da eine Klatsche gibt, hängt der Haussegen wieder schief, oder?

Helmer: Wenn Bayern früh ausscheidet ist das grundsätzlich eine Enttäuschung. Aber ich sehe sie nicht so chancenlos wie manch andere. Die englischen Mannschaften werden bis dahin auch wieder schon gefühlt 70 Spiele gemacht haben. Und das ist einfach ein Spiel, das den Bayern liegt. Die Konstellation ist eher für Kloppo eine Belastung. Und wenn man tatsächlich gegen den Ersten der Premier League rausfliegen sollte, wäre das jetzt auch keine Schande.

Es käme eben auf die Art und Weise an.

Helmer: Wenn man jetzt gar keine Chance hätte, dann kommen sicher die ganzen Fragen auf den Tisch, die es zur Mitte der Hinrunde gab.

Zum Beispiel die nach dem Trainer. Wie sehen Sie die Arbeit von Niko Kovac?

Helmer: Ich finde ihn gut, auch als Typ. Er zieht seine Linie durch. Was mir gefällt: Er sagt jetzt nicht, dass er keinen Fehler gemacht hat. Zum Beispiel hat er die Rotation abgestellt, mit der er sich anfangs noch in die Bredouille gebracht hat. Für mich hat er schon ganz viel gelernt aus dieser nicht so guten Phase.

Andererseits: Wenn der FC Bayern Liverpool packt, wäre das auch ein Zeichen an die übermächtig erscheinenden englischen Klubs.

Helmer: Klar. Wobei die Bundesliga ja sogar drei dreimal gegen England spielt. Ich sehe auch Dortmund gegen Tottenham mit Chancen. Bei Schalke (gegen Manchester City, Anm. d. Red.) wird es am schwierigsten, da sind wir uns einig. Aber da können auch die anderen beiden viel für die Bundesliga tun.

Der FC Bayern machte in dieser Saison viel abseits des Platzes von sich reden. Ribéry gönnte sich ein goldenes Steak. Können Sie die Aufregung darüber nachvollziehen?

Helmer: Nein. Die Äußerungen danach dürfen ihm natürlich nicht passieren. Was er im Urlaub macht, ist seine Sache. Ich glaube, er war sich nicht bewusst, was er da gemacht hat.

Was war das teuerste Essen, das Sie sich bislang geleistet haben?

Helmer: Meine Frau und ich haben eine Vorliebe für stone crabs. Das ist Fleisch aus Krabbenscheren. Das gibt es in Miami nur zu besonderen Monaten. Die sind jetzt nicht ganz so billig, aber das gönnen wir uns ab und an mal.

Wie teuer ist so etwas?

Helmer: Das kommt auf die Größe an, aber mit 100 Dollar kann man da schon hinkommen.

Caiuby fehlt dem FC Augsburg bereits seit zwei Wochen.
Bild: Ulrich Wagner

Kommen wir zum FC Augsburg: Dort macht derzeit einer Schlagzeilen, der gar nicht da ist: Caiuby. Wie würden Sie als Verantwortlicher des FCA mit ihm umgehen?

Helmer: Ich würde ihn sofort abholen lassen, aber so einfach geht das wahrscheinlich nicht. Für das Mannschaftsgefüge kann das nicht gut sein. Für Augsburg geht es ja wieder um einiges, es ist eine wichtige Phase gerade. Wenn einer dann so ausschert, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Mannschaft das noch mitmacht.

Haben Sie in ihrer aktiven Laufbahn etwas Vergleichbares erlebt?

Helmer: Nein. Als ich bei Bayern gespielt habe, gab es bei Dortmund Julio Cesar. Der kam mal zwei, drei Tage zu spät.

Kompromisslos auf und neben dem Platz: der ehemalige Bayern-Spieler Jan Wouters, hier 1993 im Zweikampf mit Stefan Reuter.
Bild: Witters

Sie haben in ihrer Karriere mit einigen Brasilianern gespielt. Sind die Südamerikaner wirklich so besonders in ihrer Mentalität?

Helmer: Gar nicht mal so. Wenn es um besondere Mentalitäten geht, habe ich eher den Franzosen Bixente Lizarazu oder den Holländer Jan Wouters vor Augen. Wenn es nicht so ging ,wie sie wollten, konnten die richtig ungemütlich werden. Lizarazu ließ sich grundsätzlich nur von seinem eigenen Arzt behandeln. Jan Wouters hat zum damaligen Bayern-Trainer Erich Ribbeck einfach gesagt: „Du hast keine Ahnung, ich gehe jetzt nach Hause.“

Und das hat er dann gemacht?

Helmer: Das hat er dann auch wirklich gemacht.

Der FCA legte den besten Saisonstart der Bundesliga hin und stürzte dann ab. War man sich in Augsburg vielleicht lange Zeit zu sicher?

Helmer: Das kann ich mir nicht vorstellen, das lassen Stefan Reuter und Manuel Baum nicht zu. Gegen Dortmund zum Beispiel waren sie ebenbürtig und haben nur viele blöde Gegentore kassiert. Sie konnten diese Leistung danach lange nicht mehr abrufen.

Packt der FC Augsburg den Klassenerhalt?

Helmer: Ich glaube, beim FC Augsburg weiß man, was zu tun ist. Das hat der Verein in den letzten Jahren immer bewiesen. Darauf können sie bauen. Natürlich ist es immer schlecht, wenn man mit so einer Negativwelle in die Winterpause geht. Aber in Augsburg kennt man diese Situation.

Zur Person: Thomas Helmer kommt als Innenverteidiger auf 390 Bundesliga- und 70 Länderspiele. Der 53-Jährige präsentiert als Moderator das TV-Format „Doppelpass“ auf Sport1. Jeden Sonntag ab 11 Uhr diskutiert er dort mit Experten über das aktuelle Fußballgeschehen.

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