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FC Augsburg

12.02.2019

Verteidiger Reece Oxford war für den FCA nicht die erste Wahl

Reece Oxford kam, sah und spielte. Der junge Engländer ist in der Innenverteidigung schon gesetzt.
Bild: Ulrich Wagner

Auch in Augsburg hofft man, dass eines der Talente aus England dem Verein im Abstiegskampf helfen kann. Dabei hatte man andere Spieler auf der Wunschliste.

Vor etwas mehr als zwei Wochen hätte Reece Oxford, 20, wohl nicht gedacht, dass er Mitte Februar im Mixed-Bereich der WWK-Arena sitzt und sein erstes größeres Interview für den FC Augsburg geben würde. Erst einen Tag vor Ende der Wechselfrist am 31. Januar hatte der Bundesligist den jungen Innenverteidiger von West Ham United kontaktiert. „Am nächsten Tag bin ich hierher geflogen und habe den Vertrag unterschrieben“, erzählt der gebürtige Londoner.

Und in diesem rasanten Tempo ging es dann gleich weiter. Kurzeinsatz gegen Mainz beim 3:0-Sieg, dann Startelf-Debüt beim 1:0-Pokal-Dusel-Erfolg in Kiel und dann 90 Minuten Lehrstunde bei der 0:4-Pleite in Bremen. „Es war eine harte Woche für uns, wir hatten drei Spiele in sieben Tagen und wir haben die ersten beiden Spiele gut gespielt. Gegen Bremen waren wir dann wohl müde und auch etwas träge“, sagt Oxford.

Beim FC Augsburg fielen plötzlich beide Stamm-Verteidiger weg

Dass nun auf einmal die Leihgabe aus West Ham eine tragende Rolle im wilden Auf und Ab des Augsburger Abstiegskampfes spielt, hat zwei Gründe. Zum einen fällt der Chef der Abwehr, Jeffrey Gouweleeuw, seit dem Rückrundenstart mit Adduktorenproblemen aus. Und dann wurde der FCA von der Causa Hinteregger überrascht, der sich unerwartet nach Frankfurt wegkritisiert hatte. Plötzlich fehlten die beiden gesetzten Innenverteidiger.

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Dieses Problem wollte der FCA eigentlich nicht mit Oxford lösen. Zuerst versuchte man Jeffrey Bruma vom VfL Wolfsburg nach Augsburg zu lotsen, doch der 27-jährige Niederländer ließ sich lieber nach Schalke verleihen. Dann scheiterte der FCA dem Vernehmen nach mit einem Vier-Millionen-Euro-Angebot für Diego Gonzalez vom spanischen Zweitligisten FC Malaga. Der 24-jährige Innenverteidiger war 2017 mit der spanischen U21 immerhin Europameister geworden.

Am Ende gelang es wenigstens, Oxford für ein halbes Jahr auszuleihen. Wohl auch mit einer Kaufoption. So weit will der junge Brite aber noch nicht nach vorne schauen: „Ich konzentriere mich hier auf die nächsten Monate und dann werden wir sehen, ob ich zurückgehe oder vielleicht sogar hierbleibe. Zuerst will ich mithelfen, dass der FCA in der Liga bleibt.“ Das wäre wohl die Grundvoraussetzung. Die umzusetzen wird aber schwer genug. Zusammen mit dem nur drei Monate älteren Kevin Danso bildet er zwar ein talentiertes, aber eben auch noch sehr störungsanfälliges Innenverteidiger-Duo. Eine Situation, die der FCA wohl gerne vermieden hätte.

Die Bundesliga profitiert vom Exodus der englischen Talente

Oxford gehört nämlich zu der jungen englischen Spielergeneration, die zwar bestens ausgebildet ist, aber für die es kaum möglich ist, in der englischen Premier League richtig Fuß zu fassen. Mit 16 avancierte er zum jüngsten Premier-League- Spieler in der Geschichte von West Ham United. Doch das war es dann auch. Spielpraxis? Nur in der U23.

In der finanzkräftigsten Liga des Kontinents setzen die Klubs lieber auf fertige Spieler, die sie in der ganzen Welt für viel Geld einkaufen, als auf die eigene Jugend zu vertrauen. „In der Premier League ist viel Geld unterwegs. Die Manager verlieren ihren Job schneller. Um ihn zu behalten, können sie von überall her Spieler holen. Darum ist es schwer für uns junge Spieler, ins Team zu kommen“, erklärt Oxford.

Die Bundesliga profitiert vom Exodus der jungen Engländer. Jadon Sancho (Dortmund) und Reiss Nelson (Hoffenheim) sind schon durchgestartet. Oxford selbst hat vergangene Saison in Gladbach einen ersten Anlauf als Leihspieler genommen, ehe es im Sommer zurück zu West Ham ging. Beim Spiel in Augsburg (2:2) saß er auf der Bank. Von der Atmosphäre in der WWK-Arena war er begeistert.

Darum fiel es ihm auch nicht schwer, die Last-Minute-Chance zu ergreifen, über den FCA in die Bundesliga zurückzukehren. Die soll ihm im zweiten Anlauf noch mehr als Bühne und Fortbildungsmaßnahme dienen. Oxford: „Die Bundesliga ist eine großartige Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.“

Die nächste Chance dazu hat er schon am Freitag (20.30 Uhr, Eurosportplayer). Dann gastiert mit dem FC Bayern einer seiner Lieblingsvereine in Augsburg. Sein Berater hat vor wenigen Tagen gleich mal öffentlich gemacht, dass sich Reece Oxford gut vorstellen könne, da mal zu spielen. Man weiß ja nie. Darauf angesprochen, muss er schmunzeln: „Bayern ist eines der besten Teams der Welt. Ich würde nicht sagen, ich will gleich dahin. Vielleicht irgendwann in der Zukunft.“

Ein erstes gehaltvolles Bewerbungsschreiben wäre es schon mal, wenn er Bayern-Star Robert Lewandowski stoppen könnte. Das würde ihm helfen und dem FCA.

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