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FC Augsburg

14.03.2016

Zdenko Miletic: Der Mann, der hinter Marwin Hitz steht

Marwin Hitz (links) und sein Trainer: Zdenko Miletic ist seit 2007 für die Torhüter beim FC Augsburg verantwortlich.
Bild: Peter Fastl

Torhüter Marwin Hitz ist derzeit der überragende Spieler beim FC Augsburg. Dafür ist auch ein Trainer mitverantwortlich, den kaum einer kennt.

Sicher war es nur Zufall, dass Marwin Hitz, 28, und Zdenko Miletic, 47, fast gleich gekleidet waren bei der Wahl zum Sportler des Jahres. Einziger Unterschied am Montagabend: der Torhüter des FC Augsburg trug zum dunkelblauen Klubjacket, der Jeans und weißem Hemd einen grauen Pullover. Sein Torwarttrainer hatte einen blauen gewählt. Mit etwas Fantasie kann man aber daraus auch schließen, dass der Trainer und sein Schüler nicht nur bei der Kleiderwahl auf einer Wellenlänge liegen.

Die Chemie stimmte zwischen dem Trainer und seinem Zögling von Beginn an, seit Hitz 2013 vom VfL Wolfsburg zum FCA gewechselt war. Zwei Jahre später wurde der Erfolg ihrer harten Arbeit jetzt auch bei der Ehrung im Goldenen Saal im Augsburger Rathaus sichtbar. Die Augsburger Journalisten hatten den FCA zur Mannschaft des Jahres gewählt, und Hitz auch noch zum Sportler des Jahres. Der Torhüter trug mit seinen Paraden und auch einem Tor (!) viel dazu bei, dass 2015 mit der Europa-League-Qualifikation das erfolgreichste Jahr in der Vereinsgeschichte wurde.

Der FC Augsburg holte seine Torhüter fast immer zum Nulltarif

Und damit auch indirekt Zdenko Miletic. Denn er ist seit Oktober 2007, als er seine Torhüterkarriere beim damaligen Zweitligisten beendete, als Torwarttrainer für die Leistung seiner Schützlinge mitverantwortlich. Und da hat der gebürtige Kroate, der in Sarajevo geboren ist, in den vergangenen neun Jahren aus wenig viel gemacht.

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Denn während viele Vereine auf dieser wichtigen Position durchaus Geld investierten, um die Nummer eins von anderen Vereinen loszueisen, suchte der FCA bisher immer auf den Ersatzbänken oder sogar auf den Tribünen und holte die Torhüter zum Nulltarif.

Marwin Hitz hat prominente Vorgänger

Simon Jentzsch, heute Torwarttrainer bei Fortuna Düsseldorf, saß beim VfL Wolfsburg eineinhalb Jahre auf der Tribüne, ehe er im Juni 2009 zum FCA wechselte. Miletic führte den jetzt 39-Jährigen zurück zu altem Leistungsvermögen und der Hüne war ein Garant für den Bundesliga-Aufstieg. Auch Mohamed Amsif, 27, war mehr Laden-, als Torhüter, als er im Sommer 2010 von Schalke 04 zum FCA kam.

Als er vier Jahre später zu Union Berlin weiterzog, war Amsif marokkanischer Nationaltorhüter und hatte immerhin 25 Bundesligaspiele für den FCA absolviert. Alexander Manninger, 38, war vier Monate vereinslos, ehe ihn der FCA im November 2012 als Ersatz für den Verletzten Jentzsch holte. Miletic machte ihn bundesligatauglich.

Auf dem Notizblock von Jürgen Klopp

Und Marwin Hitz hatte vor seinem Wechsel von Wolfsburg zum FCA gerade mal 13 Bundesligaspiele in knapp fünf Jahren für den VfL bestritten. Jetzt steht Hitz nach seinen zwei bemerkenswert guten Auftritten gegen den FC Liverpool anscheinend dort auf dem Spickzettel von Trainer Jürgen Klopp. Zudem fährt er mit der Schweizer Nationalmannschaft im Sommer zur EM nach Frankreich.

Doch wie schafft es Miletic, seine Spieler so weit nach vorne zu bringen. „Ich lasse ihnen ihre Eigenheiten und nehme sie mit in die Verantwortung. Es liegt an jedem Spieler selbst, Tipps und Ratschläge anzunehmen und umzusetzen.“

Miletic ist keiner, der nur seine Meinung gelten lässt. Er ist ein Teamarbeiter und auch für Vorschläge seiner Spieler offen. So sagte er gleich Ja, als Hitz ihn bat, ihn vor jeder Halbzeit noch einmal warm zu machen. Eine wohl in Europa einmalige Angewohnheit. „Es ist eine total gute Idee. Mich hat die Pause auch immer rausgebracht. Wenn du in der zweiten Halbzeit wieder ins Tor kommst, brauchst du doch wieder ein bisschen Anlauf, bis du auf Betriebstemperatur bist. Diese gefährlichen Minuten sind jetzt weg.“

Es ist diese eigene Erfahrung, die Miletic zu seiner natürlichen Autorität verhilft. 21 Jahre war er Profi. Absolvierte 34 Bundesligaspiele für Arminia Bielefeld, lernte aber auch die Schattenseiten des Profisportes kennen, als er plötzlich Uli Stein oder später Georg Koch Platz machen musste. Er fühlte sich nicht immer korrekt behandelt. Darum gibt es für ihn einen Leitsatz. „Der Konkurrenzkampf muss mit fairen Mitteln geführt werden, über die Leistung, alles andere zählt nicht.“

Sein Training ist von der italienischen und jugoslawischen Torhüterschule geprägt. „Technik, Fangsicherheit, Geschmeidigkeit, Stellungsspiel – darauf lege ich Wert. Gewisse Sachen müssen in Fleisch und Blut übergehen und das geht nur mit vielen Wiederholungen.“ Die fordert er auch bei den täglichen Passübungen ein, auch wenn er den ganzen Hype um das moderne Torhüterspiel übertrieben findet.

Die Psyche ist wichtiger als die Ballbehandlung

Noch wichtiger als eine perfekte Ballbehandlung ist für ihn die Psyche des Torhüters. Darum verzichtet er darauf, jeden Fehler akribisch per Videoanalyse aufzuarbeiten. „Ich setze mich bewusst nicht mit ihnen hin und zerstückle jedes Spiel. Letztendlich bringt das den Torhüter nur unnötigerweise zum Nachdenken. Und je mehr du beginnst, nachzudenken, desto unsicherer wirst du in den nächsten Aktionen.“

Doch damit hat er bei Hitz keine Probleme, auch wenn der Abstiegskampf gerade für die Torhüter eine extreme nervliche Belastung ist: „Die Tabellensituation macht den Druck, der beim Torwart von Haus aus größer ist, weil jeder Fehler meist ein Gegentor bedeutet, noch größer. Aber da haben wir mit Marwin einen Torwart, der wirklich klar im Kopf ist und mit solchen Situationen relativ gelassen umgeht.“

Trainer kommen und gehen, Miletic bleibt

Gelassenheit, die strahlt auch Miletic selbst aus. Sein Vertrag läuft bis 2017. Dann wären die zehn Jahre voll. Rainer Hörgl, Ralf Loose, Holger Fach, Jos Luhukay gingen, Miletic blieb. Sein Schicksal ist nicht so eng mit dem des Cheftrainers verbunden, wie das der Co-Trainer. Er ist nicht für die spielerische Ausrichtung des Teams mitverantwortlich. Er arbeitet weitgehend autark.

Abwerbungsversuche gibt es keine, auch wenn die guten Leistungen von Hitz und Co auch auf ihn zurückfallen. Einen Wechsel kann sich Miletic derzeit nur schwer vorstellen. Für ihn, seine Frau Dubravka und seine Töchter Ana und Barbara, die beide an der Uni Augsburg studieren, ist das Einfamilienhaus in Königsbrunn längst zu Heimat geworden. Miletic sagt: „Würde der FCA mir eine Lebensbeschäftigung anbieten, würde ich annehmen. So ist es wie in einer guten Ehe. Es gehören immer zwei dazu.“

Eine gute Ehe – der Vergleich ist auch für die Beziehung von Hitz und Miletic gar nicht mal so schlecht. Derzeit läuft es perfekt. Eine Trennung ist aber dennoch nicht ausgeschlossen. Und sollten sich die Spekulationen um Hitz, dessen Vertrag bis 2018 datiert ist, bewahrheiten, wird Miletic mit einem möglichen Nachfolger das tun, was er immer gemacht hat: versuchen, ihn zu verbessern.

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