EX-FCA-Spieler Alfred Finnbogason: „Der FCA ist mein absoluter Herzensverein“
FC Augsburg
Alfred Finnbogason: „Der FCA ist mein absoluter Herzensverein“
Alfred Finnbogason bleibt auch nach seiner aktiven Karriere ein prägender Name beim FC Augsburg. Seine Zeit beim FCA beschreibt er als emotionalen Höhepunkt und Herzensangelegenheit.
Alfred Finnbogason im September 2025 in der WWK-Arena.Foto: Ulrich Wagner
Zuletzt war Alfred Finnbogason im September in der WWK-Arena zu Besuch. Der FCA hatte zum Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 seine „Europa-League-Helden“ eingeladen. Genau zehn Jahre nach dem bisher größten Vereins-Triumph mit dem Höhepunkt, den beiden Duellen mit dem FC Liverpool in der K.-o.-Runde im Februar 2016.
Dort war Finnbogason aber zwangsweise nur Zuschauer. Der FCA hatte Finnbogason erst wenige Tage vorher vom spanischen Erstligisten Real Sociedad ausgeliehen. Spielberechtigt war der Isländer für den FCA in der Europa League allerdings nicht, da er vor seinem Wechsel zum FCA von den Spaniern an Olympiakos Piräus verliehen und für die Griechen in der Hinrunde noch in der Champions League aktiv gewesen war.
Alfred Finnbogason ist immer noch der erfolgreichste Bundesliga-Torschütze des FC Augsburg
Trotzdem, als Finnbogason mit seinen Kollegen im September den Rasen betrat, war der Applaus der FCA-Fans für den Isländer besonders laut. Denn aus dem Leihgeschäft wurde eine sechsjährige Liebesbeziehung. Zwischen 2016 und 2022 erzielte Finnbogason in 115 Bundesliga-Spielen 37 Tore und ist damit immer noch der erfolgreichste Torschütze des FCA in der Bundesliga. Auf Platz zwei folgt Michael Gregoritsch mit 32 Toren.
Aber es waren nicht nur die sportlichen Leistungen, die für eine besondere Beziehung zwischen den Augsburger Fans und Finnbogason sorgten. Es war vorwiegend die Art und Weise, wie der Isländer auch mit schwierigen Situationen während seiner Augsburger Zeit umgegangen war. Der FCA hielt trotz vieler Verletzungen zu ihm, und Finnbogason verhielt sich dafür loyal. War keiner, der markige Töne spuckte. Und das schätzten die FCA-Fans besonders an ihm.
Alfred Finnbogason ist nun bei Rosenborg BK in der Verantwortung
Aber auch für den 37-Jährigen, der seit Januar als Sportdirektor beim norwegischen Traditionsklub Rosenborg BK die Fäden zieht, war Augsburg nicht nur eine Station in seiner Vita, sondern der prägende Ort seiner Karriere. „Die Zeit in Augsburg war für meine Familie und mich unglaublich schön. Für mich ist der FCA mein absoluter Herzensverein, auch dank der tollen Menschen in der Stadt und im Vereinsumfeld“, schwärmte er jetzt in einem Interview mit transfermarkt.de . „Jedes Spiel in der Bundesliga war für mich etwas Besonderes, weil nur wenige Isländer über einen so langen Zeitraum in Deutschland aktiv waren. Aber das absolute Highlight war, dass wir die ganzen Jahre immer in der Bundesliga geblieben sind und den Klassenerhalt gefeiert haben.“
Drei Tore gegen den 1. FC Köln und gegen den SC Freiburg
Finnbogason trug seinen Teil dazu bei. Zahlte das Vertrauen und die Geduld mit Toren zurück. Wie in der Spielzeit 17/18.
So liebten die FCA-Fans Alfred Finnbogason.Foto: Bern Thyssen, dpa
Alfred Finnbogason ist der erste WM-Torschütze für Island
Aber auch mit der isländischen Nationalmannschaft sorgte er in dieser Zeit für Furore. Island qualifizierte sich 2018 zum ersten Mal überhaupt für eine WM. Und es war Finnbogason vorbehalten, den ersten WM-Treffer zu erzielen.
Alfred Finnbogason bejubelt sein Tor zum 1:1 gegen Argentinien.Foto: Wang Yuguo, dpa
Beim ersten Gruppenspiel traf er zum 1:1-Endstand gegen Argentinien. „Es war das wahrscheinlich schönste Tor meiner Karriere. In dem Augenblick waren alle Schwierigkeiten, Probleme, Hindernisse und Verletzungen, die ich auf meinem Weg nach oben bewältigen musste, vergessen.“
Borussia Dortmund zeigte Interesse, doch dann kamen die Verletzungen
In dieser Zeit stand Finnbogason bei einigen anderen Bundesligisten auf der Scouting-Liste ganz oben. „Ich weiß, dass mich einige deutsche Top-Vereine, unter anderem Dortmund, auf dem Schirm hatten. Immer, wenn es kurz davor war, konkreter zu werden, habe ich mich verletzt. Ich hatte großen Ehrgeiz und habe mich immer wieder auf das höchste Niveau zurückgekämpft, aber es war schon teilweise frustrierend. Ich hätte mir schon einen Top-Verein zugetraut, wenn alles gestimmt hätte“, erzählte der Isländer. Aber im Nachhinein sei alles so passiert, wie es passieren sollte. „Ich bin sehr stolz, solange für den FCA aufgelaufen zu sein, bei dem ich ein Standing im Verein hatte. So etwas ist oft mehr wert als ein Transfer zu einem größeren Verein.“ Längst vergessen ist das etwas unglückliche Ende in Augsburg 2022, als der FCA ihn aus seiner Sicht bei den Vertragsgesprächen lange hinhielt, um dann den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.
Alfred Finnbogason muss nun selbst schmerzhafte Entscheidungen treffen
Jetzt muss Finnbogason solche manchmal schmerzhaften Entscheidungen selbst treffen als Sportdirektor beim norwegischen Traditionsklub Rosenborg BK: „Als Spieler bist du nur für dich selbst verantwortlich. Als Sportdirektor übernimmst du sehr viel Verantwortung, triffst Entscheidungen auch für andere Menschen. Mit der Folge, dass es positive wie negative Auswirkungen haben kann. Trotzdem macht es mir unheimlich viel Spaß, in dieser Position tätig zu sein.“
Alfred Finnbogason spricht sieben Sprachen
Finnbogason blickte schon als Profi über den Tellerrand hinaus. Wichtig war ihm, sich überall verständigen zu können. Auch in Augsburg lernte er schnell fließend Deutsch zu sprechen. Jetzt kann er sich in sieben Sprachen verständigen. Auch sonst bildete sich Finnbogason immer wieder fort. Als Spieler studierte er parallel zu seiner Karriere Psychologie, jedoch ohne Abschluss. Diesen holte er im Sportmanagement-Studium nach und legte direkt nach seinem Karriereende einen Bachelor of Business Administration obendrauf.
Aufbauend darauf durchlief er noch ein mehrmonatiges Programm bei der Uefa mit dem Fokus auf Sportmanagement, Scouting und Datenanalyse. „Für mich war es immer reine Zeitverschwendung, an der Playstation zu hocken, deshalb habe ich lieber ein Buch in die Hand genommen. Der Hintergrund, dass ich mich schon frühzeitig mit einem Plan B beschäftigt habe, liegt darin, dass ich ziemlich spät Fußballprofi geworden bin. Mit 21 Jahren bin ich erst nach Belgien gewechselt. In dieser Zeit habe ich auch gesehen, dass eine Fußballkarriere, egal, wie talentiert du bist, schnell zu Ende sein kann. Deshalb braucht man eben diesen Plan B“, sagt Finnbogason. „Ich kann jedem Spieler nur empfehlen, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen.“ Er hat es getan.
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