Alexis Claude-Maurice ist gerade dabei, dem FC Augsburg genau das zurückzugeben, was dem Offensivspiel in der Vorrunde phasenweise fehlte: Leichtigkeit, Ideen und Torgefahr. Nach Monaten mit durchwachsenen Leistungen macht der Franzose inzwischen wieder den Unterschied. In den vergangenen vier Spielen war er an vier Treffern direkt beteiligt, erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Zahlen, die zum aktuellen Aufschwung des Spielers und des FCA passen.
Claude-Maurice verkörpert wieder jene Version, die er in Augsburg schon war: beweglich zwischen den Linien, mit gutem Timing in engen Räumen, Torgefahr und einem Gefühl dafür, wie er Mitspieler in Szene setzen kann. Claude-Maurice, 27, wirkt locker, als er nach dem Training spricht. Dass er sein Formtief überwunden hat, dafür hat er mehrere Erklärungen. Eine davon: die Gesundheit. „Wenn ich mich im Körper wieder richtig gut fühle, weiß ich, dass ich Leistung bringen kann.“ Seine Knöchelverletzung vom Sommer ist auskuriert, in allen acht Spielen unter Trainer Manuel Baum stand der Franzose in der Startelf.
FCA-Profi Alexis Claude-Maurice genießt offensive Freiheiten
Einen einzelnen Wendepunkt macht Claude-Maurice nicht aus. Es sei eher so gewesen, dass er zuvor nicht bei hundert Prozent gewesen sei. „Irgendetwas hat mich gebremst“, betont der Franzose. Viele Dinge, die zu seinem Spiel gehören, konnte er nicht umsetzen. Neben der Fitness ist für ihn das Vertrauen des Trainers entscheidend. In der Defensive gibt es für ihn klare Vorgaben.
Trainer Baum honoriert das mannschaftsdienliche Vorgehen seines Unterschiedsspielers. „Beim Alexis ist toll, dass er sich in das Teamkonstrukt integriert hat“, sagt er. Man habe oft im Kopf bei Individualisten, dass die beim Verteidigen Probleme hätten, weil sie nicht mitmachen wollen. „Aber“, so Baum, „das ist bei ihm überhaupt nicht der Fall. Man sieht auch, wie er andere Spieler um sich herum besser machen kann.“
Wenn der FCA als Block verteidigt, verschiebt und presst, muss der offensive Freigeist Aufgaben erfüllen. „Mir hilft es enorm, wenn ich auf dem Platz gewisse Freiheiten habe“, erklärt er und fügt hinzu: „Wenn ich mich frei bewegen kann, spiele ich am besten.“ Genau darin liegt aktuell sein Mehrwert. Augsburg wirkt im letzten Drittel variabler, weil Claude-Maurice nicht starr eine Zone besetzt, sondern als Verbindungsspieler dort auftaucht, wo eine Szene kippen kann.
Vor dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 am Samstag (15.30 Uhr, Sky) bleibt bei allem Aufwind jedoch auch der kritische Blick. Defensiv wirkte der FCA im jüngsten Spiel gegen den FC St. Pauli (2:1) mitunter anfällig, offensiv war der Ertrag trotz etlicher Gelegenheiten überschaubar. „Da müssen wir kaltschnäuziger werden und das Spiel früher entscheiden“, erklärt Claude-Maurice. Sich selbst schließt er dabei mit ein. Zwar erzielte er gegen Union Berlin ein Traumtor, seinen zahlreichen Abschlüssen in aussichtsreicher Position fehlten zugleich Wucht und Präzision.
FCA-Profi Alexis Claude-Maurice stellt sich auf unterschiedliche Stürmer ein
Im Angriff hat der FCA in der Transferphase nachgelegt. Mit Michael Gregoritsch, Rodrigo Ribeiro, Uchenna Ogundu und Samuel Essende verfügt der FCA jetzt über vier Stoßstürmer, auch Anton Kade zählt zum erweiterten Kreis. Claude-Maurice beschreibt seine Rolle im Kontext unterschiedlicher Stürmertypen. „Natürlich macht es einen Unterschied, wer vorn spielt“, sagt er, und skizziert die Typen: den Tiefengeher, den Zielspieler, die Mischform. Claude-Maurice lächelt, ehe er sagt: „Ich ändere meinen Stil nicht. Aber ich passe mich an.“ Seine Aufgabe sieht er darin, das Beste aus seinen Mitspielern herauszuholen, damit sie ihre Stärken ausspielen können.
Im Sommer stand ein Wechsel zum VfB Stuttgart im Raum. In der jetzigen Form wird ein Transfer erneut Thema werden. Vor allem, weil sein Vertrag im Sommer 2027 ausläuft. Für den Profi liegen solche Themen weit in der Zukunft, er fokussiert sich aufs Sportliche. In Mainz kann der FCA den nächsten Schritt Richtung Ligaverbleib schaffen. Weil noch etliche Spiele anstehen, schaut Claude-Maurice nicht ständig auf die Tabelle. Entscheidend sei der Blick auf das, was man selbst beeinflussen kann. „Wenn wir unsere Spiele gewinnen, klettern wir automatisch.“
In Mainz wird sich zeigen, ob der FCA dieses Vorhaben umsetzen kann. Claude-Maurice jedenfalls klingt, als wüsste er genau, worauf es gerade ankommt.
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