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Interview
01.08.2022

Reuter kritisiert Ablösesummen: "Nur ausgeben, was erwirtschaftet wird"

Stefan Reuter führt seit fast zehn Jahren die sportlichen Geschicke beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg. Seitdem ist der Klub nicht mehr aus der höchsten deutschen Spielklasse abgestiegen.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Exklusiv Stefan Reuter, Geschäftsführer des FC Augsburg, sieht die Ausgaben mancher Fußball-Klubs kritisch. Auch die WM-Vergabe nach Katar findet bei ihm nur wenig Verständnis.

Herr Reuter, Sie sind mitten in Ihrem Jubiläumsjahr beim FC Augsburg. Haben Sie sich für Ihr zehntes Jahr als Manager eine einfachere Situation gewünscht? Corona setzte auch der Fußball-Bundesliga zu, zudem hatten Sie im Verein große Unruhen nach den Rücktritten von Klaus Hofmann und Markus Weinzierl.

Stefan Reuter: Es gehört zu den ureigensten Aufgaben eines Managers, auch mal schwierige Zeiten zu meistern. Wir wollen in der neuen Saison wieder attraktiven Fußball spielen und unsere Fans mitnehmen und gemeinsam erfolgreich sein.

Immerhin beginnt die neue Runde unter anderen Voraussetzungen, die Stadien werden voll sein. Was erwarten Sie?

Reuter: Ich hoffe, dass schnell wieder Euphorie und Begeisterung entfacht werden. Es wird in meinen Augen aber dauern, bis die Stadien wieder richtig voll sind, weil sich die Menschen während Corona auch mit anderen Dingen beschäftigt haben. Sie haben sich zum Teil ein anderes Freizeitverhalten angewöhnt und setzen andere Prioritäten. Zudem bedrückt viele der Krieg in der Ukraine. Vieles wird im Alltag teurer, da bleibt bei vielen auch nicht unbedingt viel Geld für Fußball übrig.

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Zumal sich der Fußball immer mehr von der Basis entfremdet. Ein Blick auf die hohen Ablösesummen reicht doch.

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Reuter: Diese Entwicklung ist schon längere Zeit festzustellen. Wir müssen versuchen, dies wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Dabei sind wir alle gefordert. Es wäre wünschenswert, wenn alle nur das ausgeben würden, was sie vorher auch erwirtschaftet haben.

Und dann kommen Fälle wie der von Robert Lewandowski, der seinen Abschied aus München erzwingt. Gibt es in einem Geschäft wie Profifußball überhaupt noch Ehrlichkeit und Moral?

Reuter: Es ist wünschenswert, funktioniert aber nicht immer. Man kann mal unterschiedliche Auffassungen haben, aber man schließt Verträge, die es für alle Seiten zu akzeptieren gilt. Wenn ich an einer Vertragssituation etwas verändern will, muss ich mich mit den Parteien hinsetzen, intern sprechen und an einer vernünftigen Lösung arbeiten, die für alle Seiten passt.

Ab sofort ein Spieler des FC Augsburg: Elvis Rexhbecajm hier mit FCA-Trainer Enrico Maaßen (links) und Geschäftsführer Stefan Reuter.
30 Bilder
Das ist der Kader des FC Augsburg für die Saison 2022/23
Foto: FCA

Gelingt das beim FCA immer?

Reuter: Wir versuchen es zumindest immer. Wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt, sucht man das Gespräch. Natürlich können solche Gespräche auch mal hart und unangenehm sein, aber das gehört auch dazu.

Ist das etwas, was Sie in Ihren nun zehn Jahren als FCA-Manager lernen mussten?

Reuter: In der täglichen Arbeit ist vieles ähnlich geblieben. Durch die Krisen wie Corona wurde es natürlich komplizierter. Der große Vorteil bei uns ist, dass wir versuchen, gemeinsam durch schwierige Zeiten zu gehen. Anders hast du bei einem kleineren Verein wie dem FC Augsburg keine Chance, deine Ziele zu erreichen.

Ist der Verein mit den Rücktritten von Hofmann und Weinzierl noch einmal enger zusammengerückt?

Reuter: Wir haben die vergangene Saison kritisch analysiert und festgestellt, dass wir das ein oder andere sicher besser machen können. Eine solche Situation bringt aber die Chance mit sich, dass alle wieder in eine Richtung marschieren. Unser neuer Trainer Enrico Maaßen hat auch in seiner Antrittsrede gegenüber der Mannschaft gesagt, das wichtigste sei, dass wir eine gute Gemeinschaft werden. Da ist jeder Einzelne gefordert. Wir brauchen eine solche Einheit, um erfolgreich zu sein. Es werden auch Zeiten kommen, in denen der ein oder andere nicht zufrieden ist. Auch dann muss es uns gelingen, an einem Strang zu ziehen.

Neben dieser Einheit, was braucht es noch, um im Profifußball erfolgreich zu sein? Neben dem Geld....

Reuter: Unsere Möglichkeiten sind im Vergleich zu vielen anderen Vereinen einfach begrenzt. Das ist Fakt. Wir müssen daher immer ein paar Dinge besser machen als die Konkurrenz, weil wir wirtschaftlich mit etlichen nicht mithalten können. Ganz wichtig ist, dass ein Spieler an sich selbst, an das ganze Team und an die Dinge glaubt, die gemeinsam erarbeitet wurden. Mit dieser Überzeugung werden wir erfolgreich sein.

Die Bundesliga wird auch durch die Aufsteiger Schalke und Bremen immer reizvoller. Wie sehen Sie die Liga und die Transfers, die die Topmannschaften getätigt haben?

Reuter: Es ist beeindruckend, aber auch ein Zeichen dafür, dass die Schere immer weiter auseinandergeht. Schauen Sie auf die Kader von Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig. Dort ist unheimlich viel individuelle Qualität vorhanden. Trotzdem ist es für uns immer wieder reizvoll, gegen solche Mannschaften zu spielen und sie zu besiegen, was uns ja immer wieder gelungen ist. In der bevorstehenden Saison ist es so, dass es die sogenannten Kleinen in der Liga nicht gibt. Das macht die Liga sehr reizvoll.

Noch einmal zurück zum Geld. Ärgert Sie das nicht, wenn Sie sehen, was an anderen Standorten ausgegeben wird?

Reuter: Nein. Jeder hat an seinem Standort mit seinen Voraussetzungen unterschiedliche Herausforderungen. Wir waren uns vom ersten Tag an einig: Wir können und wollen nur ausgeben, was wir uns vorher auch erwirtschaftet haben. Uns war in der Entwicklung der letzten Jahre auch wichtig, dass wir das Geld nicht immer nur in den Kader investiert haben, sondern auch viel in die Infrastruktur.

Gibt es Gegenmaßnahmen, dass in der Bundesliga das finanzielle Ungleichgewicht wieder etwas gerade gerückt wird?

Reuter: Das geht nur, wenn das TV-Geld anders verteilt wird. Es gibt immer mal wieder Ausreißer nach oben wie zuletzt Freiburg oder Union Berlin. Aber wann gab es zuletzt mal einen Überraschungsmeister?

FC-Augsburg-Manager Stefan Reuter.
Foto: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

Und doch wissen Sie in Augsburg: Meister können wir nie werden.

Reuter: Trotzdem finde ich die Bundesliga sehr spannend. Manchmal kommt ein Verein überraschend ins internationale Geschäft, im Kampf gegen den Abstieg geht es auch immer eng zu. Wir möchten auch gerne mal wieder positiv überraschen und vielleicht einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Aber dafür muss vieles passen.

An der Spitze dürfte es wieder auf die Bayern hinauslaufen. Oder sehen Sie ernsthafte Konkurrenz?

Reuter: Dortmund hat sehr gut investiert, auch Leipzig und Leverkusen können eine gute Rolle spielen. Ich bin überzeugt, dass es im Meisterschaftskampf spannender wird. Am Ende aber werden sich die Bayern durchsetzen. Sie sind extrem stabil und lassen sich auch durch Niederlagen nicht aus der Bahn werfen.

Und wo landet der FCA?

Reuter: Wir werden nach der Saison in unser 13. Bundesliga-Jahr gehen, wollen dafür so schnell wie möglich Klarheit haben und eine beruhigtere Saison spielen.

Sie waren selbst Spieler, haben die WM gewonnen, Meistertitel. Ist die damalige Zeit mit der heutigen zu vergleichen?

Reuter: Man kann die Zeiten kaum vergleichen. Der Fußball wurde deutlich wissenschaftlicher. Heutzutage ist der Spieler gläsern, er ist im Training mit einem GPS-System ausgestattet, auf dem alle Daten nachvollziehbar sind. Es wird alles schneller und dynamischer. Auch die Medienwelt hat sich verändert. Zu meiner Zeit gab es zwei oder drei Journalisten, die einen Verein begleitet haben. Mittlerweile sind es deutlich mehr, die über die Vereine und die Bundesliga berichten. Außerdem werden Nachrichten durch die sozialen Medien viel schneller verbreitet, oft auch völlig ungefiltert.

Haben Sie sich in Ihren zehn Jahren als Manager beim FCA verändert?

Reuter: Man muss sich immer selbst reflektieren, sich weiter entwickeln und auch über den Tellerrand hinausschauen, um neue Ideen zu bekommen. In meinen Wesen bin ich aber gleich geblieben.

Die Bundesliga geht in eine spezielle Saison, auch wegen der WM im Winter in Katar. In einem Land, das stark in der Kritik steckt. Was halten Sie davon?

Reuter: Ich finde das sehr unglücklich. Warum vergibt man die WM in ein solches Land? Jetzt gilt es auch für uns als Verein, das Beste daraus zu machen. Die Pause im Winter wird lang, für die Nationalspieler dagegen ist es eine enorme Belastung.

Hätte man das Turnier absagen müssen?

Reuter: Ich hätte mir gewünscht, dass man es erst gar nicht dorthin vergibt. Die Spieler können nichts dafür, für sie ist eine WM ein Höhepunkt, vielleicht der Höhepunkt der Karriere. Von ihnen kann man nicht erwarten, dass sie absagen. Ein solches Turnier zu boykottieren, ist nicht der richtige Weg. Da ist die Politik gefragt.

Was erwarten Sie sportlich von der deutschen Mannschaft?

Reuter: Wichtig wird sein, dass die Topspieler beim Turnier in einer guten Verfassung sind. Dann hat die Mannschaft eine Chance, um den Titel zu spielen.

Bundestrainer Hansi Flick besucht das Trainingsgelände.
Foto: Marco Steinbrenner, dpa

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bundestrainer Hansi Flick?

Reuter: Er hat viel bewirkt bisher. Man spürt eine starke Geschlossenheit und Gruppendynamik. Auch die Spieler haben erkennbar viel Spaß mit ihm.

Sie kennen Flick sehr gut. Wie würden Sie ihn als Typen beschreiben?

Reuter: Ich war drei Jahre lang mit ihm in einem Doppelzimmer beim FC Bayern. Er ist keiner, der groß um die Häuser zieht. Er ist sehr offen und bescheiden. Es ist einfach schön, solche Menschen wie Hansi als Freunde zu haben.

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01.08.2022

Das nennt sich Zusammenrücken unter dem altbekannten Motto "Augsburg hält zusammen"

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01.08.2022

Wieso führt man ein Interview, wenn man nur Fragen stellt, deren Antworten hinlänglich bekannt sind? Nur um die Seiten zu füllen? Das ist zu wenig.

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01.08.2022

So war einmal der Gedanke und es war ein guter Gedanke. Aber in Zeiten wo der Bürger immer mehr auf Pump kauft und die Pro Kopf Verschuldung Jahr für Jahr steigt wohl veraltet.
Der Motor muss laufen, die Wirtschaft muss jedes Jahr mehr Gewinne machen. Und wenn statt 10 Millionen nur 9 Millionen Gewinn erzielt wurden, dann waren das 1 Millionen Verlust.

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