Es sind besondere, fast intime Bilder aus der FCA-Kabine, die auf diesen Fotos festgehalten sind. Nach dem Sieg gegen Köln lehnen die abgekämpften, aber sichtlich gut gelaunten Yannik Keitel und Cedric Zesiger aneinander. Das cremefarbene Trikot von Anton Kade ist im Schulterbereich komplett verdreckt – und Kade guckt erstaunt in die Kamera, als einer seiner Mitspieler das dreckige Trikot in die Kamera rückt, um davon ein Foto zu machen. Der Fotograf wiederum ist einer, der selbst als Spieler auf dem Platz stand: Han-Noah Massengo. Der Mittelfeldspieler des FC Augsburg lädt die Fotos auf seiner Instagram-Seite hoch und überrascht seine Follower immer wieder mit Einblicken ins Innenleben der Bundesliga-Mannschaft, die der Öffentlichkeit verwehrt bleiben – eigentlich.
Massengo zeigt die Vorbereitungen auf ein TV-Interview, das Durcheinander aus Socken und Plastiktüten in der Kabine, Szenen aus dem Mannschaftsbus. Mads Pedersen ist bei einer Massage zu sehen, Mert Kömür beim Signieren eines Trikots. „Mit meinen Fotos möchte ich einen Blick hinter die Kulissen geben. Und ich will kleine Geschichten erzählen. Die sollen zeigen, dass wir als Profifußballer auch nicht anders sind als alle anderen Menschen“, sagt der 24-Jährige. Das Besondere an den Fotos: Massengo fotografiert auf einer analogen Kamera und damit ganz altmodisch per Film.
Mit einer kleinen Analog-Kamera ist Han-Noah Massengo in der FCA-Kabine im Einsatz
„Ich habe am Anfang digital fotografiert und dann versucht, die Bilder am Computer zu verbessern. Ich habe aber gemerkt, dass mir der analoge Prozess und der Look mehr gefallen“, erklärt er. Irgendwann kam der Schwenk auf die Analog-Fotografie: „Ich mag den Look der Analog-Fotografie einfach.“ Über 50 Kameras habe er ausprobiert, bis er bei zwei Modellen geblieben ist. „Die allermeisten Fotos mache ich mit einer Point-and-Click-Kamera. Die ist ideal dafür, um sie in der Kabine zu verwenden, man muss nichts einstellen und sie ist handlich.“ Die Filme schickt Massengo nach Paris, wo ein Freund sie für ihn entwickelt.
Seit Beginn der Saison ist Massengo, der im Sommer zum Verein kam, damit so etwas wie das Auge in der FCA-Kabine. Wie viele Fotos er genau gemacht hat, weiß er selbst nicht genau. Mindestens 600 dürften es aber locker sein, schätzt der Mittelfeldspieler. „Ich habe zu Beginn der Saison noch wenige gemacht, weil ich neu war und keinen nerven wollte. Ich habe dann gesagt, dass ich in der Kabine fotografiere und sich keiner wundern muss, wenn mal ein Blitz zu sehen ist.“ Genervt habe sich noch keiner seiner Mitspieler gezeigt, im Gegenteil: „Manchmal sagen sie nach dem Spiel sogar, dass sie von mir fotografiert werden möchten.“ Am liebsten sei es ihm allerdings, wenn die FCA-Profis vergessen, dass die Kamera ihres Mitspielers dabei ist.
Die Liebe für Fotos entdeckte FCA-Spieler Han-Noah Massengo in England
Seine Leidenschaft für das Fotografieren entdeckte Massengo während seiner Zeit bei Bristol City, wo er von 2019 bis Januar 2023 unter Vertrag stand. „In dieser Zeit ist meine Schwester aus Frankreich zu mir nach England gezogen. Ich habe ihr dann, weil sie gerne fotografiert, eine Kamera geschenkt. Sie hat aber dazu weiterhin nur ihr Handy benutzt, deswegen habe ich die Kamera dann genommen.“ Zuerst war die Kamera nur im Urlaub dabei, bis irgendwann die Liebe fürs Fotografieren entflammte. „Ich habe dann einen Fotografen getroffen, der auch noch Bristol-City-Fan war. Er hat mich auf die Idee gebracht, dies auszubauen.“
Was mit den all den Bildern aus dem Maschinenraum des FC Augsburg passiert? Massengo lächelt: „Irgendwas müssen wir damit schon machen. Mal sehen.“ Am naheliegendsten wäre eine Foto-Ausstellung der besten Motive. Zwei Ausstellungen hatte Massengo bereits, in Paris und in Nizza. Ob es in Augsburg vielleicht eine Schau seiner Bilder gibt – das hängt natürlich auch vom sportlichen Erfolg ab.
Einen wesentlichen Schritt dazu könnten Massengo und seine Mitspieler schon am Samstag machen, wenn Eintracht Frankfurt in die WWK Arena kommt. Gelingt dem FCA ein Sieg, wäre er bis auf drei Punkte an den Tabellennachbarn gerückt, der derzeit auf Rang acht rangiert, was unter Umständen noch für einen Europapokalplatz reichen könnte. Von Europa will Massengo noch nicht reden: „Das Wichtigste ist es, erstmal die Klasse zu halten, dann sehen wir weiter.“ Bei zehn Punkten Abstand wäre ein Sieg gleichbedeutend mit dem rechnerischen Klassenerhalt. Danach soll es aber weitergehen, so Massengo: „Wir gehen in jedes der vier Spiele, um es zu gewinnen.“ Das wiederum wäre keine schlechte Voraussetzung für eine Bilderbuchsaison des FC Augsburg – im wahrsten Sinne des Wortes.
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