Es war ein Transfer, bei dem Sportdirektor Marinko Jurendic im Sommer 2024 ein besonderes Händchen bewies. Allerdings gab es auch Skepsis, als Dimitrios Giannoulis ablösefrei vom englischen Zweitligisten Norwich City zum FC Augsburg wechselte. Würde sich der Grieche nach der physisch anspruchsvollen Championship in England schnell an das taktische Niveau der Bundesliga gewöhnen? Würde er das Personalproblem des FCA auf der linken Abwehrseite lösen? Die Antwort gab Giannoulis auf dem Platz. Er stabilisierte die linke Abwehrseite und wurde zu einer Konstanten beim FCA. Der inzwischen 30-Jährige lieferte ab. Egal, ob der Trainer Jess Thorup, Sandro Wagner oder Manuel Baum hieß. Wenn Giannoulis nicht verletzt oder gesperrt war, spielte er.
Doch diese Verlässlichkeit weckt nun Begehrlichkeiten. In der griechischen Super League wird sein Name derzeit heiß gehandelt. Vor allem sein Ex-Klub PAOK Thessaloniki sucht händeringend nach defensiver Qualität mit internationalem Format. Der entscheidende Faktor in diesen Überlegungen ist nicht allein das Gehalt, sondern die sportliche Perspektive: Während der FCA in der Bundesliga um einen stabilen Mittelfeldplatz kämpft, bietet PAOK die realistische Chance auf die Teilnahme an der Champions League oder der Europa League. Angeblich soll der FCA-Profi schon mündlich zugesagt haben.
Giannoulis: „Gerüchte und Spekulationen gehören zum Fußballgeschäft“
Giannoulis selbst gibt sich angesichts der medialen Unruhe gewohnt besonnen. Auf die Gerüchte um eine Rückkehr nach Griechenland reagiert er in dieser Woche beim Interview mit der Routine eines Profis: „Gerüchte und Spekulationen gehören zum Fußballgeschäft. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag, das ist zurzeit das Wichtigste. Ich fokussiere mich jetzt nur auf den FCA.“ Was in ein paar Wochen ist, oder in ein paar Monaten, das lässt er auf sich zukommen. Er weiß, dass er seinen Marktwert – der aktuell auf etwa drei Millionen Euro taxiert wird, nur durch konstante Leistungen in einer der stärksten Ligen der Welt halten kann.
Dazu gehören auch Tore. Seinen zweiten Treffer in dieser Saison erzielte er am 13. Spieltag, ausgerechnet beim 2:0-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen. Beim Meister der Saison 2023/24 tritt der FCA am Samstag (15.30 Uhr) an.
Giannoulis traf im ersten Spiel unter Trainer Manuel Baum gegen Bayer Leverkusen
Damals am 6. Dezember, am Nikolaustag, war es auch das erste Spiel für Giannoulis unter dem neuen Trainer Manuel Baum, der kurz vorher Sandro Wagner abgelöst hatte. „Es hat sich viel verändert seit diesem Spiel. Wir haben gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können. Es ist aber noch nicht vorbei. Wir haben noch fünf Spiele zu spielen und wir geben unser Bestes, um so viele Punkte wie möglich zu holen und um so gut wie möglich in der Tabelle abzuschneiden.“
Zwar wartet Giannoulis mit dem FCA seit fünf Spielen auf einen Sieg, doch die Unentschieden in Hamburg (1:1) und gegen Hoffenheim (2:2) haben das Selbstvertrauen wieder gestärkt: „Leverkusen ist eines der besten Teams in der Bundesliga und wir werden versuchen, die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.“ Dass er gegen absolute Top-Teams bestehen kann, bewies er bereits im Hinspiel, als er mit einem sehenswerten Treffer für Furore sorgte. „Es war ein sehr gutes Spiel von uns und ich hoffe, dass wir diese Leistung wiederholen können.“
Der Grieche mahnt aber auch zur Bodenhaftung. Die Erfahrung des letzten Saisonendspurts, als der FCA nach dem Klassenerhalt mit vier Niederlagen in Folge den guten Eindruck der gesamten Spielzeit fast verspielte, sitzt tief im kollektiven Gedächtnis der Mannschaft. „Es war nicht der beste Weg, die Saison zu beenden“, erinnert sich Giannoulis. „Ich denke, wir haben viel daraus gelernt, um es nicht zu wiederholen.“
Dimitrios Giannoulis ist auch neben dem Platz ein Sympathieträger
Giannoulis ist aber auch neben dem Platz Sympathieträger, auch wenn er seine Interviews immer noch lieber auf Englisch gibt. Ein Beispiel hierfür war sein jüngster Besuch beim FCA-Fanklub „Jettinger Moosdeifl“ zusammen mit Michael Gregoritsch. „Es macht Spaß, die Fans zu treffen und sie ein wenig glücklich zu machen. Sie sind das Herz des Klubs“, erzählt Giannoulis. Diese Nähe ist in der oft unterkühlten Welt des Profifußballs keine Selbstverständlichkeit mehr.
Dennoch: Für Giannoulis und seine Lebensgefährtin ist die Heimat einfach Griechenland. Darum war Giannoulis der Besuch einer griechischen Taverne nach dem Fantreffen mehr als nur eine Mahlzeit. Er nahm sich viel Zeit: „Das Essen war wirklich gut und es war toll, Griechisch sprechen zu können.“ Vielleicht lässt die Heimatverbundenheit das Pendel im Sommer in Richtung Griechenland ausschlagen. Zuletzt nutzte er auch ein paar freie Tage zu einem Besuch eines Spiels von PAOK, was in den griechischen Medien die Spekulationen wieder anheizte.
Am Ende wird es eine Abwägung zwischen sportlichem Wert und wirtschaftlicher Vernunft sein beim FC Augsburg. Sollte ein griechischer Top-Klub tatsächlich die kolportierten drei Millionen Euro Ablösesumme auf den Tisch legen, wäre dies für den FCA – angesichts des ablösefreien Wechsels 2024 – ein glänzendes Geschäft.
FCA hat Personalproblem auf der linken Außenbahn
Allerdings wäre dann der Handlungsbedarf auf der linken Abwehrseite noch größer. Zwar läuft der Vertrag von Mads Pedersen noch bis 2027, doch der Däne spielt in den mittelfristigen FCA-Planungen keine Rolle mehr. Schon jetzt sitzt der 29-Jährige, der lange verletzt war, zwar auf der Ersatzbank. Doch wenn es nötig ist, spielen entweder Robin Fellhauer oder Marius Wolf auf der linken Außenbahn. Es bleibt spannend, was die Zukunft bringt.
Auch für Dimitrios Giannoulis. Die Aussicht auf ein Länderspiel zwischen Deutschland und Griechenland in der Augsburger Arena im September sorgt bei ihm für Gänsehaut: „Das habe ich nicht gewusst. Es wäre toll, hier zu Hause für Griechenland gegen Deutschland zu spielen.“ Ob er dann noch das FCA-Trikot trägt? Bei dieser Frage lacht Giannoulis.
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