Michael Ströll hatte sich in die hinterste Ecke des Pressekonferenzraums zurückgezogen. Zusammen mit FCA-Präsident Markus Krapf stand der Augsburger Geschäftsführer dort. Plötzlich mussten beide schmunzeln. Weil wieder die Frage an Manuel Baum gestellt worden war, die die Augsburger Fußball-Welt umtreibt. Geht es jetzt mit ihm als Trainer weiter oder wechselt er in seine ursprüngliche Position als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation zurück?
Ströll lächelte kurz, Baum antwortete wie immer. Man habe vereinbart, sich auf den Saisonabschluss zu konzentrieren und im Anschluss die Gespräche zu führen. Dieser finale Akt der Bundesliga-Spielzeit ging mit einem 0:4 bei Union Berlin krachend daneben. Das zarte Pflänzchen Hoffnung auf Europa war damit schnell zertrampelt, auch weil Freiburg seine Partie gegen Leipzig mit 4:1 gewann. „Natürlich hatten wir an das Spiel eine andere Erwartungshaltung“, sagte Baum, „wir können aber stolz sein auf die Saison“. Auf Rang neun haben die Augsburger diese beendet, es ist die drittbeste Platzierung ihrer Bundesliga-Geschichte.
Der Samstag trübte die Stimmung. „Das war wirklich ernüchternd“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber, „ein Tag zum Vergessen“. Vor allem sei eine solch schlechte Leistung nach zuvor sechs Partien ohne Niederlage völlig überraschend gekommen. „Damit hat keiner gerechnet“, sagte Weber. Ihm war in den Katakomben des Berliner Stadions deutlich die Enttäuschung anzumerken. Wirkt sich aber dieser letzte Eindruck auf die Trainerentscheidung aus?
Sicherheit kann zu einem Thema werden
Bleibt Baum oder nicht, das ist die Frage. Noch sind die Antworten ausweichend, geben aber eine Richtung vor. Baum selbst habe für sich ein Gefühl entwickelt, will aber die anstehenden Gespräche in den nächsten Tagen abwarten. Am Sonntag standen die letzten medizinischen Tests mit den Spielern an, ehe Baum für sich die Saison Revue passieren lassen wollte. Auch dieses Resümee wird er mit in die Gespräche nehmen.
Sicherheit kann ein Thema werden. Seine Position als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation sieht mehr strategisches Arbeiten vor und bietet mehr Schutz vor einer schnellen Entlassung als als Trainer. Baum ist das bewusst. „Sicherheit braucht jeder in seinem Job, um Hochleistung zu bringen. Die Frage ist, worauf ist Sicherheit bezogen? Auf den Job oder hat man in seinem Leben ein paar Vorkehrungen getroffen, um etwas mehr Risiko eingehen zu können?“, meinte Baum. Klingt danach, als könne er sich ein weiteres Wirken als Cheftrainer durchaus vorstellen.
Auch bei Weber scheint eine Tendenz erkennbar. „Wenn man das große Bild anschaut, wird man sehen, dass vieles gut war“, sagte der Sportdirektor. Auch dank Baum. „Es war richtig gut, was wir erreicht haben. Trotzdem werden wir das besprechen und uns in die Augen schauen. So haben wir das auch im Winter gemacht“, ergänzte Weber. Als aus der Übergangslösung für Baum eine Trainerstelle bis zum Sommer wurde. Klar sei aber, „dass wir sehr zufrieden mit seiner Arbeit sind, das sieht auch jeder.“
Vor allem auch die Spieler. Am Samstag sprachen sich Fabian Rieder und Michael Gregoritsch für ein weiteres Wirken Baums als Cheftrainer aus. „Wenn eine Mannschaft mit einem Trainer so erfolgreich zusammenarbeitet, wäre es müßig, etwas anderes zu sagen. Und auch völlig falsch“, sagte Gregoritsch. Die Rückrunde sei „besser aufgegangen, als ich es mit mir erhofft habe, als wir im Winter telefoniert hatten“, so der Österreicher.
Der FCA hat seine Ziele erreicht
Was aber denkt Michael Ströll? Der Geschäftsführer sprach am Samstagabend bei der Saisonabschlussfeier fast 20 Minuten zu den geladenen Gästen. Er lobte die Entwicklung des Klubs und hob hervor, dass alle Ziele erreicht worden seien, „auch wenn der Weg nicht immer geradlinig ist und Entscheidungen nicht immer passen“, so Ströll. Wie wohl die Wahl für Sandro Wagner im vergangenen Sommer als Cheftrainer.
Dennoch habe sich der FCA weiterentwickelt, bei der Mannschaft, in der Transferstrategie und im Nachwuchsbereich. Zudem sei der Fußball deutlich aktiver und attraktiver als in den vergangenen Jahren. Lohn ist Platz neun. In die Top Ten streben die Augsburger auch in den kommenden Jahren immer wieder mal. „Es ist elementar, dass wir ambitionierte Ziele an den Tag legen und diese auch kommunizieren“, erklärte Ströll, „vielleicht haben wir in den kommenden Jahren auch mal wieder die Möglichkeit, europäisch zu spielen. Ich würde es mir wünschen.“ Es brachte ihm langen Applaus der Gäste.
Und die Trainerfrage? Nichts Neues, zumindest nicht offiziell. „Wir werden die nächsten Tage zu Gesprächen nutzen“, sagte Ströll am Samstagabend, „wir fühlen uns in der Konstellation sehr wohl. Es wird nicht lange dauern, wir werden die beste Lösung für den FCA finden.“
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