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FC Bayern gegen Paris: Kompanys Bitte an die Bayern-Fans nach dem Spektakel

FC Bayern vs. Paris

Ein Fußballfest in neun Akten: Bayerns Jahrhundertspiel gegen Paris und dessen Folgen

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    Den Schlusspunkt einer fulminanten Partie setzte Luis Diaz: Der Kolumbianer traf zum 5:4-Endstand.
    Den Schlusspunkt einer fulminanten Partie setzte Luis Diaz: Der Kolumbianer traf zum 5:4-Endstand. Foto: Aurelien Morissard/AP, dpa

    Auch das hat es wohl noch nie gegeben: Nach einer Niederlage in einem Halbfinale der Champions League dürfte die Mannschaft des FC Bayern selten mit Applaus auf dem Mitternachtsdinner begrüßt worden sein. Am Dienstagabend gab es für die Spieler und Trainer der Bayern aber sogar stehende Ovationen. Das, was sich zuvor auf dem Rasen des Pariser Prinzenparks ereignet hatte, hatte es aber auch noch nie gegeben: Neun Tore und damit so viele wie noch nie in einem Halbfinale der Königsklasse fielen in dem Spiel, das hin und her wogte. 5:4 hieß es am Ende nach diesem Rausch von einem Spiel – für Paris. Der eigentliche Gewinner waren aber all jene, die das Spektakel sehen konnten. Die Beteiligten und Beobachter überschlugen sich mit Lobeshymnen für dieses Fußballfest. PSG-Trainer Luis Enrique, der in seiner Laufbahn schon das ein oder andere Spiel erlebt hat, sagte: „Es war unglaublich. Ich habe eigentlich keine Worte. Ich glaube, das war das beste Spiel, das ich als Trainer je erlebt habe.“ Ex-Profi Christoph Kramer sagte bei DAZN: „Das hätte heute auch 9:9 ausgehen können, ohne Probleme.“

    Das wiederum war vielleicht etwas zu sehr der Euphorie geschuldet. Aber tatsächlich schien es wenig zu geben, was nicht in diesem Spiel steckte. Der Vollständigkeit halber deswegen hier mal der Ablauf des „Jahrhundertspiels“ (11 Freunde): Harry Kane verwandelt den von Luiz Diaz herausgeholten Foulelfmeter (17.). Der Georgier Khvicha Kvaratskhelia lässt Stanisic stehen und schließt zum Ausgleich ab (24.). Joao Neves köpft nach einem perfekten Eckball zur Pariser Führung ein (33.). Michael Olise tankt sich gegen drei Gegenspieler in den Strafraum, sein kraftvoller Schuss schlägt zentral zum Ausgleich ein (41.). Taktische Zwänge sind zu diesem Zeitpunkt längst abgelegt, das Spiel geht hin und her. Ein Schlagabtausch, sagte Joshua Kimmich, sei zwar durchaus eingepreist gewesen. „Dass es so offen wird, war eher nicht zu erwarten.“ Kurz vor der Pause Elfmeter-Ärger für die Bayern: Vom Oberschenkel springt der Ball an die Hand von Alphonso Davies. Den Strafstoß, der laut Trainer Vincent Kompany „höchst diskutabel“ sei, verwandelt Ousmane Dembelé zur 3:2-Pausenführung (45.+4).

    Als Paris plötzlich 5:2 führt, droht den Bayern ein Debakel

    Nach der Halbzeit sieht es so aus, als ob die Bayern erledigt sind: Innerhalb von drei Minuten stellen Kvaratskhelia (56.) und Dembelé (58.) mit ihren jeweils zweiten Toren auf 5:2. Es ist eine Phase des Spiels, in der auch ein Debakel für die Bayern möglich ist. Bayern-Trainer Kompany, der wegen seiner Gelbsperre zum Zusehen von der Pressetribüne aus verdammt ist („eine Katastrophe“ sei das gewesen, sagte der Belgier dazu) und sichtlich mitleidet, kommentierte das nach Abpfiff so: „Wenn du fünf Gegentore bekommst, ist es eigentlich vorbei. Aber wir haben ja auch vier Tore geschossen.“

    Paris ist nach dem 5:2 am Drücker, aber tatsächlich kommen die Bayern auf fulminante Weise zurück – und brauchen selbst nur vier Minuten dafür: Zuerst köpft Dayot Upamecano einen Freistoß von Kimmich aus dem Halbfeld ins Pariser Tor (65.). Dann erreicht ein langer Ball von Kane Diaz. Der Kolumbianer tanzt Marquinhos im Strafraum aus und trifft mit dem Außenrist (68.). Dass der Treffer danach wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung überprüft wird und um Haaresbreite regulär ist, passt ins Bild. Chancen für weitere Tore gibt es noch sowohl für Paris, das durch Mayulu die Latte trifft (87.), als auch für die Bayern, bei denen der Ex-Frankfurter Willian Pacho einen Kimmich-Kopfball auf der Linie klärt (90.+4).

    Bayerns Vorstandchef Jan-Christian Dreesen: „Mannschaft hat Charaktertest bestanden“

    Der Dienstag war für Bayerns Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen folglich „ein außerordentlicher, ein historischer Tag“, wie er auf dem Mitternachtsbankett sagte. Ein Knackpunkt sei auch für ihn die Situation beim 5:2 für Paris gewesen. „Da bist du eigentlich tot. Aber wir haben gesehen, dass diese Mannschaft Charakter hat. Sie hat diesen Charaktertest bestanden.“ Zur Wahrheit gehöre es aber auch, dass die Niederlage bestehen bleibt, so Dreesen: „Wir sind ein Tor zurück, das gilt es aufzuholen.“

    Dass dies klappt, davon ist Bayern-Coach Kompany überzeugt: „Der Glaube ist zu 100 Prozent da.“ Der Belgier setzt beim Rückspiel in München am Mittwoch ganz entschieden auf das Publikum: „Wir brauchen unsere Fans.“ Beim Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid hätten diese schon ein Feuer geliefert. „Wir brauchen nicht weniger, eher mehr.“ Eine Bitte richtete der Coach noch in der Pressekonferenz an die Münchner Zuschauer: „Wenn einer eine Karte gekauft hat und er fühlt sich am Spieltag nicht wohl, dass er zu Hause bleibt. Und seine Karte weitergibt an die fittesten Leute, die diese Wucht der Allianz-Arena mit 75.000 Zuschauern mitnehmen können.“ Ein Spektakel werde es auch in München geben: „Es wird genauso weitergehen.“

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