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FC Bayern

15.05.2019

Arjen Robben: Der Unverzichtbare geht

Es gibt Menschen, denen fehlt jeden Tag etwas anderes. Meist sind es Männer um die 50. Ein Alter, in dem sie furchtbar leiden. Die hängenden Augenlider, die mit den Mundwinkeln kollidieren. Die Haare, die, statt auf dem Kopf, aus Nase und Ohren sprießen. Der Speck, der sich Traktorreifen-förmig um die Hüften legt. Der Hintern, der flach wie die norddeutsche Tiefebene am Hosenboden hängt. Ja, das Dasein der Alten ist schlimm.

Schlimmer ist nur noch das der Jungen. Am häufigsten trifft es diejenigen, die angetreten sind, sich gesund und fit zu halten – die Sportler. Die wöchentlichen Ausfall-Listen der Bundesligisten lesen sich wie die ärztlichen Lageberichte von Seniorenheimen. Eines der zartesten Pflänzchen ist Arjen Robben. Ein offenes Fenster – und es droht eine Lungenentzündung. Dass Robben sich im Verlaufe eines Spiels irgendwann an die Leiste, den Oberschenkel oder den Rücken fasst, und dann mit gequältem Robben-Gesicht zur Auswechselbank schleicht, war Bayern-Fans schon vertraut, als der Holländer noch für den FC Chelsea und Real Madrid stürmte.

Das berühmteste Tor der jüngeren Vereinsgeschichte: Robbens Treffer zum 2:1 im Champions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dortmund machte ihn zum „Mister Wembley".
Bild: Kerim Okten, dpa

Schon das kleinste Robben-Zwicken setzte medizinische Abteilung in Bewegung. Syndesmoseband, Schambein, Muskelbündel, Hüftprellung waren typische Robben-Verletzung, ergänzt von geschätzt 50 Muskelfaserrissen, Bänderdehnungen und Fußpilzinfektionen aus dem erweiterten Schadenskatalog des Holländers. Der 35-Jährige hat den wohl anfälligsten Körper im Weltfußball, vergleichbar nur noch mit dem seines Stürmerkollegen Franck Ribéry. Trotzdem hat ihn der FC Bayern 2009 für 24 Millionen Euro Ablöse von Real Madrid übernommen. Die Bayern haben ihm eine lange Unterhose im Vereinsrot verpasst und ansonsten gehofft, die gute bayerische Luft werde das Mimöschen schützen – mit beschränktem Erfolg.

Dennoch lässt sich am Ende sagen: Robben hat deutlich mehr Freude und Erfolg als Jammer beschert. In 200 Bundesligapartien hat er 98 Mal für die Bayern getroffen. Viele Tore waren Kunstwerke. In schnellen Trippelschritten über den rechten Flügel zur Strafraumkante abgebogen und den Ball mit links in den Kasten gezwirbelt – so lief das. Wenn es allerdings nicht lief, wurde aus dem ansonsten sympathischen Kerl eine beleidigte Diva. Saß er unverletzt auf der Bank, was auch vorkam, war der 96-fache Nationalspieler tief getroffen. Andererseits war ein gesunder Robben auch im fortgeschrittenen Alter für den FC Bayern noch unverzichtbar. Also ist er nach jeder Verletzungspause wieder zurückgekehrt. Am Ende allerdings wurde es knapp. Wieder ein halbes Jahr Pause. Die große Abschiedstour fiel dem verzwickten Oberschenkel zum Opfer. Stattdessen Kurzeinsätze. Dem dreifachen Familienvater zum Trost: Jenseits der 50 wird für Männer vieles wieder besser.

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