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FC Bayern

27.10.2019

Bayern-Keeper Manuel Neuer erinnert an den Titan

Manuel Neuer schaute sich das Treiben seiner Mannschaftskollegen 53 Minuten lang an, ehe er seinem Zorn freien Lauf ließ.
Bild: Angelika Warmuth, dpa

Manuel Neuer macht den Kahn. Seine Vorderleute lassen jegliche Automatismen vermissen und der Trainer ist trotzdem zufrieden. Ist das der Anspruch des FC Bayern?

Manuel Neuer verzichtete darauf, einen seiner Mitspieler kahnesk durch den Strafraum zu schubsen. Ansonsten aber erinnerte der Torwart des FC Bayern frappierend an den Mann, den sie "Titan" nannten, und der im kommenden Jahr als Premium-Azubi im Vorstand der Münchner anfängt. Neuer gestikulierte wild, ließ sich gerade so von der begrenzenden Wirkung des Strafraums aufhalten und schimpfte mit seinen Mitspielern. Das Publikum nahm den Wachrüttler des drögen Kicks gegen Union Berlin dankbar zur Kenntnis und bedachte den Torwart mit Sonderapplaus.

Zuvor war eine Flanke der Berliner eher mäßig gefährlich durch den Münchner Strafraum gesegelt. Weil aber niemand auch nur zaghafte Versuche unternommen hatte, die Flanke zu unterbinden, wurde aus dem lieben Manu der zornige Neuer. "Das sind solche Momente, die an frühere, glorreiche Zeiten erinnern", erzählte Thomas Müller nach dem 2:1-Erfolg gegen die Berliner. Von jenen glorreichen Zeiten aber sind die Bayern derzeit so weit entfernt wie Müller von einem Stammplatz in der Nationalmannschaft.

Die Ansprüche des FC Bayern sind immer kleiner geworden

Die Münchner haben in den bisher rund eineinhalb Jahren unter Trainer Niko Kovac ihre Ansprüche Stück für Stück heruntergefahren. In der vergangenen Saison konnte der Trainer für sich noch reklamieren, den geforderten Umbau der Mannschaft vorangetrieben zu haben. Zudem gewann er Meisterschaft und Pokal – sein Team schied allerdings chancenlos im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool aus. Mittlerweile ist der Trainer "mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden, weil wir aus dem Spiel nichts zugelassen haben."

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Allerdings verursachten die Münchner zwei Elfmeter, von denen Neuer den ersten gegen Sebastian Anderson formidabel parierte. Gegen den zweiten, nun von Sebastian Polter getretenen, war er allerdings chancenlos (86.). Die Mannschaft musste gegen den fußballerisch limitierten Aufsteiger bis zum Schluss um den Erfolg bangen – und das hatte nur zum Teil mit den vergebenen Chancen zu tun, welche die Münchner in den vergangenen Wochen als arges Problem kommuniziert haben. Mindestens genauso augenscheinlich ist allerdings die spielerische Armut. Mit Thiago, Thomas Müller, Philippe Coutinho, Ivan Perisic und Kingsley Coman bot Kovac ein Mittelfeld auf, das über Technik, Cleverness, Finesse und Geschwindigkeit verfügen sollte, einen Abstiegskandidaten von der einen Verlegenheit in die nächste zu kombinieren.

Robert Lewandowski trifft und trifft - aber sonst?

Zum wiederholten Male aber bestanden nur lose Verbindungen zwischen den Spielern. War der einzige Automatismus, Robert Lewandowski zum Torerfolg zu gratulieren. Der Stürmer traf an jedem der ersten neun Spieltage, was zuvor noch keinem anderen Spieler in der Bundesliga gelang. Sein Treffer gegen Berlin entsprang der unfreiwilligen Vorarbeit von Unions Felix Kroos (53.). Für die Münchner Führung hatte in der ersten Halbzeit Benjamin Pavard mit einem sehenswerten Spannschlag in die verwaiste Tormitte gesorgt, nachdem eine Faustabwehr von Keeper Rafal Gikiewicz vor seinen Füßen gelandet war.

Vor nicht allzu langer Zeit schonten Gegner in Anbetracht der zu erwartenden Chancenlosigkeit ihre besten Spieler gegen die Münchner. Mittlerweile machen sich viele Gegner vage Hoffnungen. Am Dienstag gastiert man in der zweiten Pokalrunde in Bochum, Drittletzter der zweiten Liga. Ein zeternder Neuer ist da eher nicht zu erwarten.

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