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24.09.2017

Das letzte Prosit für Ancelotti?

Die Krüge hoch! Karl-Heinz Rummenigge, Susi und Uli Hoeneß sowie Carlo Ancelotti üben sich in der Ein-Liter-Klasse und somit der Königsdisziplin auf dem Münchner Oktoberfest.
Bild: Alexandra Beier/FC Bayern München, dpa

Weil die Mannschaft sich nicht an die taktische Devise des Trainers hält und noch dazu die Ergebnisse fehlen, wird für Ancelotti nach dieser Saison wohl Schluss sein in München.

Carlo Ancelotti dürfte sich wohlgefühlt haben. Der Mann ist weltlichen Gelüsten gegenüber nicht abgeneigt und wenn es so etwas wie eine Leistungsschau größerer und kleinerer Sünden gibt, so findet sie zwei Herbstwochen lang auf der Münchner Theresienwiese statt. Oktoberfest nennt sich die Veranstaltung zugunsten notleidender Festzeltwirte, der Münchner nennt das Treiben schlicht Wiesn. Jene Wiesn wird am mittleren Samstag hauptsächlich von Italienern bevölkert. Unter dem Begriff „Italiener-Wochenende“ firmiert es bei Kennern des Volksfestes zwischen „fremdbusseln“ und dem „Kotzhügel“. Der Eingeborene weiß um den Auflauf der Italiener und spart sich entweder den Besuch an jenem Samstag oder rückt erst zum späten Nachmittag an, wenn ein Großteil der Italiener aus den Zelten komplimentiert („schleich di“) wurde, weil sie dem Umsatz nicht mehr zuträglich sind.

Ancelotti nun dürfte also viele seiner Landsleute gesehen haben, als er sich mit Spielern und Verantwortlichen am Samstag auf den Betriebsausflug auf die Wiesn begab. Und doch hat sich möglicherweise ein wenig Wehmut eingestellt, als er den Krug beim „Prosit der Gemütlichkeit“ an die Trinkgefäße seiner Vorgesetzten Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge führte. Denn immer mehr zeichnet sich ab, dass es für Ancelotti wohl keinen weiteren Wiesnbesuch zusammen mit dem FC Bayern geben wird.

Das Verweigern taktischer Vorgaben gehört zur Tagesordnung

Zu fahrig sind die Leistungen der Münchner, als dass sich die Verantwortlichen ein drittes Jahr unter Ancelotti anschauen mögen. Man ist dem Trainer persönlich zugetan, schützt ihn in der Öffentlichkeit gegenüber Angriffen, und doch mehren sich die Anzeichen, dass dieser Trainer mit dieser Mannschaft keine großen Erfolge wird feiern können.

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Was unter Pep Guardiola noch undenkbar schien, gehört mittlerweile zur Tagesordnung: das Verweigern der taktischen Vorgaben. Nach dem 2:2 gegen Wolfsburg klagte Thomas Müller: „ Wir haben uns in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz als Mannschaft bewegt, sondern hatten größere Lücken, die wir so nicht haben wollen.“ Ähnlich sah es Mats Hummels: „Das größte Problem war, dass wir gepresst haben. Wir wollten, wir wollten, wir wollten, aber wir waren dafür irgendwie taktisch nicht gut aufgestellt, wir standen nicht richtig. Dabei waren die taktischen Vorgaben eigentlich relativ klar.“ Ebenso klar ist aber auch, dass die Münchner die Partie auch trotzdem hätten gewinnen müssen. Der Punktverlust war nicht dem von Gästetrainer Martin Schmidt exklusiv bemerkten „Riesenspiel“ seiner Mannschaft geschuldet, sondern der Nachlässigkeit der Bayern. Einige vergebene Torchancen und ein absurder Patzer von Sven Ulreich beließen die Wolfsburger im Spiel, die dann mit ihrer einzigen Chance zum Ausgleich diesen auch erzielten.

Spielerisch hat sich die Mannschaft zurückentwickelt

In der vergangenen Saison setzten die Münchner noch darauf, dass sich Ancelottis antiautoritäre Führung zumindest in der Champions League förderlich auf gruppendynamische Prozesse auswirkt. Sie tat es nicht. Spielerisch hat sich die Mannschaft seit Ancelottis Ankunft zurückentwickelt. Konnten das im ersten Jahr noch Ergebnisse übertünchen, bleiben die nun immer häufiger aus.

Eine sofortige Alternative zu Ancelotti gibt es nicht, noch dazu ist der Leidensdruck nicht groß genug. Dass der italienische Coach aber auch in der kommenden Saison zusammen mit Hoeneß und Rummenigge auf der Wiesn anstößt, ist ebenso unwahrscheinlich wie eine Reduzierung des Bierpreises.

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