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FC Bayern
25.05.2021

Der FC Bayern steht vor einer Zeit des Umbruchs

Mit Jerome Boateng, David Alaba und Javi Martinez verlassen bedeutende Akteure den FC Bayern München. Zuvor feierten sie nochmals die Meisterschaft.
Foto: Stefan Matzke, witters

Am letzten Spieltag erzeugt der FC Bayern München emotionale Bilder fürs Familienalbum. Nun erfindet sich der Klub neu und geht ein Wagnis ein.

Ob geplant oder spontan, Manuel Neuer bewies Gespür. Nachdem der Kapitän des FC Bayern München die Meisterschale empfangen hatte, drückte er die Silberware Jérôme Boateng, David Alaba und Javi Martinez in die Hand. Diese drei sollten die Trophäe in die Höhe stemmen, nicht er, der im Ablauf der Zeremonie dafür vorgesehen war. Neuer unterstrich, welchen Stellenwert diese Kollegen bei ihm genossen. Mit ihnen hatte der Torhüter Titel und Triumphe gefeiert, unter anderem 2013 und 2020 das Triple. Künftig finden bajuwarische Krönungen nach Ligaende oder Finalspielen ohne dieses Trio statt. Der FC Bayern steht vor einem gewaltigen Umbruch, den er offiziell mit Abschieden besiegelte.

Boateng, Alaba, Martinez, Gerland und Flick verlassen den FC Bayern

Reichlich Herz-Schmerz war geboten, als Alaba, Martinez und Boateng beim 5:2 gegen den FC Augsburg ein letztes Mal das Bayern-Trikot trugen. Kein rotes, sondern ein schwarz-goldenes, auf dem an einigen Stellen das Münchner Kindl verewigt ist. Heimatgefühl und Zugehörigkeit soll das Leiberl suggerieren. Wie passend, denn ein Gefühl von Heimat hatten ebenso Boateng, Martinez und Alaba entwickelt. Im schnelllebigen Profigeschäft verrichteten sie nicht als kurzzeitige Gastarbeiter ihr Tagwerk, sondern als verwurzelte Identifikationsfiguren für Bayern-Anhänger.

Co-Trainer Hermann Gerland mit der Meisterschale. Jetzt verlässt er den FC Bayern München.
Foto: Stefan Matzke, witters

Gleiches gilt in hohem Maße für Hermann Gerland. 25 Jahre betreute der Mann mit Kappe Mannschaften und Spieler, als Assistent bauten die Cheftrainer van Gaal, Guardiola oder zuletzt Hansi Flick auf ihn. Ihre Verbundenheit drückten die Spieler aus, indem sie Gerland gen Himmel warfen. Flick warfen sie nicht hoch, wobei es einige wohl gern getan hätten. Allen voran Alaba oder Boateng.

Einen letzten Gruß schickte Flick an Sportdirektor Hasan Salihamidzic, indem er betonte, wie gern Boateng doch geblieben wäre. Den Innenverteidiger hatte Flick zurück auf Weltklasse-Niveau gehievt, nachdem andere Münchner Granden dessen Qualitäten angezweifelt hatten. Warum das FC-Bayern-Synonym Alaba geht, bleibt ein Rätsel. Seinen wahrscheinlichen Wechsel zu Real Madrid begleitet das Gefühl, der Spieler ist schlecht beraten.

Nichts zu sehen von der Streiterei beim FC Bayern München

Abschiedstränen, Umarmungen, tollende Kinder auf dem Rasen – die Bayern schufen am Saisonende emotionale Bilder fürs Familienalbum. Von den Streitereien, die in den Wochen zuvor vorherrschten, war nichts zu sehen oder gar zu spüren. Diese könnten sie allerdings schneller einholen, als den Verantwortlichen um Karl-Heinz Rummenigge lieb ist. Sie haben sich auf ein Wagnis eingelassen. Auf eines mit ungewissem Ausgang.

Der FC Bayern hat nichts weniger vor, als sich neu zu erfinden. Alaba, Boateng, Martinez, Gerland und Flick waren sportlich wie menschlich Aushängeschilder des Klubs. Sie verkörperten Werte, die nun andere transportieren müssen.

Trainer Julian Nagelsmann soll beim FC Bayern München für Erfolge und Titel sorgen.
Foto: John Macdougall, dpa

Mit Julian Nagelsmann setzt der FC Bayern auf einen 33-jährigen Trainer, der trotz Stationen in Hoffenheim und Leipzig noch in einer Lernphase steckt. Bislang überzeugte Nagelsmann durch Taktikwissen, für das sich titellose Talente empfänglich zeigten. Zweite Plätze und Endspielniederlagen vertragen sich aber nicht mit dem Selbstverständnis des FC Bayern. 25 Millionen Euro Ablöse sind eine Wertschätzung, zugleich aber eine Investition, die sich auszahlen muss.

Größtmöglichen Erfolg erreichte der Münchner Fußballkonzern bislang, wenn er einem erfahrenen, eher väterlichen Trainertypus das Vertrauen schenkte. Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes und Hansi Flick überzeugten nicht unbedingt durch Fachwissen über Dreierkette oder abkippende Neun, vielmehr fanden sie in die Köpfe der Bayern-Stars. Wussten mit deren Befindlichkeiten umzugehen und griffen dabei auf den Erfahrungsschatz einer langen Trainer- und Spielerkarriere zurück.

Nagelsmann hingegen muss einen anderen Ansatz wählen.

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