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FC Bayern
24.10.2021

Joshua Kimmichs Nein zum Impfstoff und dessen Folgen

Löste eine Debatte aus: Joshua Kimmich bestätigte, dass er ungeimpft ist.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Joshua Kimmich will sich nicht gegen Corona impfen lassen – und löst damit eine Diskussion aus. Ein Mitspieler Kimmichs hofft, dass er seine Meinung noch ändert.

Als seine Mitspieler sich bei den Zuschauern für das 4:0 gegen die TSG Hoffenheim feiern ließen, war für Joshua Kimmich der deutlich kniffligere Teil des Arbeitstages im Gange. Im Interview mit Sky-Reporter Patrick Wasserziehr sprach der Nationalspieler darüber, warum er noch nicht gegen das Coronavirus geimpft ist und das zumindest vorerst nicht ändern wolle.

Der Grund seien "persönliche Bedenken" bezüglich der Langzeitfolgen einer Impfung, wie der 26-Jährige sagte. Dass er unverantwortlich handele, sehe er nicht so, schließlich werde er regelmäßig getestet und befolge die Hygieneregeln. Deswegen stehe seine Haltung auch in keinem Kontrast zu seiner Initiative "We kick Corona". Mit dem Projekt, das er gemeinsam mit Leon Goretzka angestoßen hat, sammelt der Mittelfeldspieler Spenden für soziale Projekte. Unter anderem landet die Hilfe in Ländern, in denen es zu wenig Impfstoff gibt.

Bayerns Joshua Kimmich (r), Leroy Sane (hinten) und Thomas Müller halten den Ball hoch. Co-Trainer Dino Toppmöller beobachtet das Warm-Up.
Foto: Matthias Balk/dpa

Thomas Müller zu Kimmich: "Impfen wäre besser"

Kimmichs Aussagen schlagen seitdem hohe Wellen – zumal die Verantwortlichen des FC Bayern und auch einige Spieler das offenbar anders sehen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte: "Der FC Bayern empfiehlt, sich impfen zu lassen, genau so wie ich persönlich, um unter anderem vielleicht allen ein normaleres Leben zu ermöglichen." Aber weil es in Deutschland keine Impfpflicht gebe, habe der Verein "die Empfehlung ausgesprochen und jeder darf das selber entscheiden". Thomas Müller sagte nach Schlusspfiff zwar, dass er den Entschluss seines Mitspielers respektiere, fügte aber an: "Impfen wäre besser". Als "Teamkollege" und hinsichtlich einer etwaigen Quarantäne, die bei Ungeimpften länger dauern würde, würde er sich dies wünschen.

Der langjährige Vorstandschef des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, hofft hingegen auf ein zeitnahes Umdenken bei dem Spieler. "Als Vorbild, aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft", sagte Rummenigge dem TV-Sender Bild. Die Entscheidung Kimmichs habe eine hohe Symbolkraft. Dass der Defensivspieler nicht der einzige ungeimpfte Bayern-Spieler ist, ist bekannt. Dem Vernehmen nach sollen fünf Münchner Profis bislang auf einen Pieks verzichtet haben.

Ein Immunologe warnt vor einem "Missverständnis" bezüglich Langzeitfolgen

Im Zentrum der Kritik steht vor allem Kimmichs Argumentation bezüglich der Langzeitfolgen. Carsten Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einem "Missverständnis, das sich bei vielen Menschen hartnäckig hält". Nebenwirkungen einer Impfung träten immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf. "Danach ist die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden. Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten", so der Experte.

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In Deutschland seien mehr als 100 Millionen Dosen verabreicht worden, weltweit mehr als sechs Milliarden. Daher kenne man bereits mögliche seltene Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen. "Wenn überhaupt sind die Covid-19-Impfstoffe in Bezug auf Langzeitfolgen (seltene Nebenwirkungen) also bereits besser erforscht als andere Impfungen", sagte Watzl am Sonntag, als das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 106,3 angab. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei exakt 100 gelegen, vor einer Woche bei 72,7. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 13.732 Corona-Neuinfektionen – rund 5000 mehr als eine Woche zuvor.

Karl Lauterbach äußerte sich zur Nicht-Impfung von Joshua Kimmich.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Lauterbach zu Kimmich: "Dürfen keinen Druck aufbauen"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach würde sich angesichts der Infektionszahlen deswegen noch eine Impfung Kimmichs wünschen, wie er gegenüber Sport1 sagte: "Am besten wäre es, wenn die Impfung noch käme und dass man jetzt keinen großen Druck aufbaut." Letztlich sei es Kimmichs eigene Entscheidung. "Wir dürfen keinen Druck aufbauen, aber es wäre sehr wertvoll – davon geht eine enorme Symbolwirkung aus."

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