Es gibt keinen anderen Verein in Deutschland, bei dem bereits nach zwei Niederlagen am Stück das Wort Krise verwendet wird. Und doch trifft es auf die derzeitige Situation des FC Bayern München zu. Weil der Rekordmeister innerhalb einer Woche eine komfortable Führung verspielt hat, einem Rückstand hinterherläuft und nicht weiß, wie er den Abwärtstrend stoppen soll.
Die Münchner wirken hilflos. Sie flüchten sich in Floskeln. Mehr laufen müsse man. Aggressiver wolle man zu Werke gehen. Alles richtig. Aber Gesagtes auch umzusetzen ist von jeher ein Problem. Zumal die mangelnde Laufleistung nur bedeutendere Probleme kaschiert. Der FSV Mainz 05 ist zwar sechs Kilometer weiter gelaufen als die Münchner, in der Vergangenheit brüsteten sich die Bayern aber wegen solcher Zahlen. Man habe eben einfach den Gegner laufen lassen, hieß es dann. Das Problem ist ein anderes.
Kroos hängt durch
Das ist der FC Bayern München
Der FC Bayern München ein Fußball-Club aus der 1. Bundesliga. Gegründet wurde der Verein am 27. Februar 1900. Seit 2002 ist die Profimannschaft aus dem Hauptverein ausgegliedert.
Rekordmeister: Der FC Bayern ist mit 23 Meistertiteln Rekordhalter der deutschen Bundesliga. Die Bayern wurden Meister in den Jahren 1932, 1969, 1972, 1973, 1974, 1980, 1981, 1985, 1986, 1987, 1989, 1990, 1994, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013.
Die Champions League haben die Münchner insgesamt fünf Mal (1974, 1975, 1976, 2001, 2013) gewonnen, fünf weitere Male waren die Bayern im Finale (1982, 1987, 1999, 2010 und 2012).
Franz Beckenbauer ist die "Lichtgestalt" des FC Bayern. Er spielte von 1964 bis 1977 als Libero und war gleichzeitig Kapitän. Der "Kaiser" war später auch Interimstrainer bei seinen Bayern und holte in dieser Position einen Meistertitel (1994) sowie den UEFA-Cup 1996. Von 1994 bis 2009 war Beckenbauer Präsident des FC Bayern. Seither ist er Ehrenpräsident.
Seit Mai 2005 ist die Allianz-Arena im München Norden das Heimstadion des FC Bayern. Lokalrivale 1860 München spielt ebenfalls in diesem Stadion. Vorherig Spielstätten des FC Bayern waren das Grünwalder Stadion (1925 bis 1972) und das Olympiastdion (1972 bis 2005). Spielt der FC Bayern, ist die Außenfassade der Allianz-Arena rot beleuchtet.
Mannschaftshymnen: Der FC Bayern hat mehrere Hymnen, darunter "FC Bayern, Stern des Südens" (komponiert von Kabarettist und Liedermacher Willy Astor) und "FC Bayern, forever number one". Inoffizielle Fan-Hymne ist "Mir san die Bayern."
Hohn und Spott gibt es genug für den FC Bayern: Meist singen gegnerische Fans "Zieht den Bayern die Lederhosen aus". Oft wird der Verein aufgrund seiner Extravaganz auch als "FC Hollywood" bezeichnet.
Vereinsführung: Präsident des FCB ist seit 2009 Uli Hoeneß, der zuvor lange Jahre Manager war. Vorstandsvorsitzender ist Karl-Heinz Rummenigge.
Zu den bekanntesten Ex-Spielern des Vereins gehören Gerd Müller und Lothar Matthäus. "Der Bomber der Nation" Müller erzielte in 15 Jahren beim FC Bayern 398 Tore (453 Spiele). Rekordnationalspieler Lothar Matthäus spielte insgesamt zwölf Jahre beim FCB und kam in 302 Partien auf 85 Tore.
Einen unvergessenen Auftritt lieferte der Italiener Giovanni Trapattoni bei seiner zweiten Amtszeit als Trainer der Bayern (1996 bis 1998). In der legendären Pressekonferenz vom 10. März beklagte er sich auf seine feurige italienische Art über die schlechte Arbeitshaltung einiger Bayern-Spieler. "Was erlaube Struuuunz?", "Spiele schlecht wie Flasche leer!" und "Ich habe fertig!" gehören seitdem zum deutschen Fußball-Jargon.
Spielrekorde: Den höchsten Heimsieg feierte der FC Bayern hatte den gegen Borussia Dortmund (11:1, Saison 1971/1972) der höchste Auswärtssieg gelang gegen den FC St. Pauli (1:8, Saison 2010/2011).
Den Münchnern fällt reichlich wenig ein, wenn der Gegner ein konsequentes Defensivkonzept verfolgt. So war es gegen Gladbach, Hannover, Dortmund und Mainz. Das sind nicht umsonst die Mannschaften, bei denen am ehesten so etwas wie die viel zitierte Handschrift des Trainers zu erkennen ist. Bereits in der vergangenen Saison lahmte das Spiel der Münchner, wenn Ribéry und Robben aus dem Spiel genommen wurden. Ähnliches widerfährt den Münchnern gerade wieder. Ein überragender Kroos und ein Schweinsteiger in Weltklasseform boten genügend Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Nach der Verletzung von Schweinsteiger hängt Kroos durch. Weil er noch mehr Verantwortung tragen muss und das Spiel durch Alaba und Gustavo im Zentrum an Wucht, Schnelligkeit und Präzision verloren hat.
Doch selbst als Schweinsteiger noch mitwirkte, war bereits eine Schwäche im Konstrukt der Münchner zu erahnen. Die Bayern haben in dieser Saison erst ein Spiel gewonnen, wenn sie nicht bereits zur Halbzeit vorne lagen. Das war am zweiten Spieltag (1:0 in Wolfsburg, Gustavo trifft in der 90. Minute).
Normalerweise greifen die Münchner in den ersten Minuten einer Partie überfallartig an. Oft führen sie bereits nach wenigen Minuten, spätestens aber bis zur Halbzeit. Geht dieses Konzept nicht auf, fehlt den Münchnern ein Ausweichplan. Hat sich ein Gegner erst einmal auf den Rekordmeister eingestellt, sind die Münchner hilflos. Impulse von der Bank bleiben aus oder verpuffen schnell.
Dabei ist es nicht so, dass sich Mainz oder Dortmund in der eigenen Hälfte eingeigelt hätten. Beide Mannschaften haben bereits in der Bayern-Hälfte den Zweikampf gesucht, verhinderten präzise Bälle auf Kroos oder die offensiven Außenspieler. Lange Bälle in die Spitze waren die Folge.
Das Spiel der Bayern leidet unter Arroganz
Doch auch dagegen gibt es Mittel. Wenn Situationen spielerisch nicht zu lösen sind, folgt eben der lange Ball. Das ist nicht schön, kann aber auch erfolgreich sein. Umso wichtiger ist dann aber der zweite Ball. Die Abpraller aus dem Defensivzentrum des Gegner landen nicht automatisch beim Gegner. Hier wäre Laufbereitschaft gefragt. Hier fehlt sie. Den Abpraller in der gegnerischen Hälfte zu erobern, ermöglichen Zeit und Raum im gegnerischen Abwehrdrittel - und somit Torchancen.
Hier allerdings leidet das Spiel der Bayern unter Arroganz. Es scheint so, als sei man nicht gewillt, sich auch auf die Stärken des Gegners einzustellen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die Münchner sind derart von ihren Fähigkeiten überzeugt, dass sie es für schlichtweg unmöglich halten, sie nicht zum Einsatz bringen zu können. Und wenn es dann doch mal nicht klappt, prangert man mangelnde Aggressivität und Laufleistung an. Schmälert somit den Gegner, der offenbar einen genauen Plan verfolgt. Einen Plan, der dem FC Bayern derzeit fehlt.