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Kritik am FC Bayern

09.08.2011

Geht's auch mal ne Nummer kleiner?

Hat mit dem FC Bayern noch viel Arbeit vor sich: Trainer Jupp Heynckes
Bild: dpa

Die Kritik am FC Bayern ist überzogen und faktisch in weiten Teilen falsch. Wo ist die Professionalität der Berichterstatter geblieben?

Die Münchner haben das erste Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach verloren. Der deutsche Rekordmeister hat dabei nur in wenigen Phasen wirklich überzeugt. Was viele Medien aus der Pleite machen, ist allerdings geradezu lachhaft. Da wird vom "bröckelnden Mythos" schwadroniert. Die Bayern seien trotz ihrer Transfers keinen Schritt weiter im Vergleich zur Vorsaison.

Zur Erinnerung: Die neue Spielzeit ist gerade mal einen Spieltag alt. Möglicherweise machen sich die nun gestillten Entzugserscheinungen im Hang zur Hyperaktivität bemerkbar. Natürlich hat der FC Bayern eine enorme Erwartungshaltung geschürt. Millionen-Transfers, zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein - Gegenwind wird so provoziert. Dass die Windmühlen aber gleich in einer derartigen Intensität das Rotieren beginnen, ist verwunderlich.

Der Vorwurf: Kein zeitgemäßer Fußball

Zumal die Kritik am Spielstil des FC Bayern zu Teilen ins Leere läuft. Das tatsächlich größtenteils statische Offensivspiel wird immer noch Louis van Gaal zur Last gelegt. Wegen der beinahe zweijährigen Regentschaft des Niederländers seien die Spieler von ihrem faden Positionsspiel kaum mehr zu kurieren. Immer nur Ballbesitz, das sei einfach kein zeitgemäßer Fußball. So wie Dortmund muss man es machen. Dabei wird gerne unter den Tisch gekehrt, dass der FC Bayern unter van Gaal auch berauschenden Party-Fußball gespielt hat. Als die Münchner unter dem Holländer Meister und Pokalsieger wurden sowie ins Champions-League-Finale eingezogen sind, wurde nicht selten von einem "Offensivspektakel" gesprochen. Aus. Vorbei.

Der Kader des FC Bayern München für die Saison 2011/12. Auf dem Bild fehlt noch Jerome Boateng. Der letzte Transfer der Münchner kam wenigstens für dieses Foto zu spät.
13 Bilder
FC Bayern: Wer kam, wer ging

Seit der vergangenen Saison alles passé. Dass die Münchner am Ende der Saison mit 81 geschossenen Toren den bei weitem erfolgreichsten Angriff der Liga hatten, egal. Das Offensivspiel der Münchner war einfach nicht mehr zeitgemäß. Schwachsinn. Es war das große Problem von van Gaal, dass er es nicht schaffte Stabilität in die Defensive zu bringen. Daran orientierte sich die Transferpolitik des FC Bayern. Daran schraubte Jupp Heynckes. Das Spiel gegen Gladbach ließ erahnen, dass er damit erfolgreich sein könnte.

Die Saison 2010/11 war aus Münchner Sicht von Gegnern geprägt, die sich einen Spaß daraus machten, munter zu kontern und die hüftsteife Viererkette vor unlösbare Probleme zu stellen. Gladbach kam kaum zum Kontern. Was zu einem großen Teil an der Mittelfeldzentrale Schweinsteiger-Gustavo lag. Kamen Reus und Co. doch mal in die Nähe des Strafraums, bereinigte oft Neuzugang Jerome Boateng mit viel Übersicht die Situation.

Ribéry und Robben für Außergewöhnliches zuständig

Ohne den Lapsus von Manuel Neuer wären die Gladbacher in den 90 Minuten nicht zum Torerfolg gekommen. Die Münchner scheinen in dieser Hinsicht also auf jeden Fall einen Schritt weiter zu sein. Richtig ist allerdings, dass das Offensivspiel an einer scheinbaren Schwäche der Vorsaison litt. Fällt Ribéry und Robben nichts ein, fällt dem FC Bayern nichts ein. Ist es allerdings nicht so, dass gerade Ribéry und Robben für Außergewöhnliches zuständig sind?

Selbstverständlich muss der Ball schneller vertikal bewegt werden. Natürlich braucht es mehr Risiko und Geschwindigkeit im Passspiel. Die Spieler des FC Bayern besitzen aber die Klasse, das umzusetzen. Und so schwierig es zu verstehen ist: Die Herren Profis sind trotz Millionengehälter Menschen. Sie brauchen Zeit, die Vorstellungen eines neuen Trainers umzusetzen. Genauso, wie anderswo Arbeiter Zeit brauchen, um das neue Konzept des Chefs umzusetzen.

Der FC Bayern hat nicht gut gespielt. Geduld gibt es beim Rekordmeister nicht. Dass nach dem ersten Spieltag einer Saison die Medien allerdings dermaßen in Hysterie verfallen, ist unverständlich. Das sowieso schon schnell drehende Hamsterrad Profi-Fußball braucht niemanden, der es nochmal brachial anschubst.

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