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FC Bayern München

09.01.2020

Ist Alexander Nübel der große Verlierer im Torwart-Poker?

Wird Alexander Nübel künftig mehr neben als im Tor stehen? Sein Wechsel nach München sorgt für Unruhe.
Bild: Tim Rehbein/dpa

Bayerns Sportdirektor verteidigt den Wechsel des Torhüters von Schalke nach München. Eine Ausleihe kommt nicht infrage, eine Einsatzgarantie gibt es auch nicht.

Nun mag der FC Bayern andere Probleme haben. Dringendere. Schließlich übt mit Manuel Neuer nach wie vor ein exzellenter Könner den Posten zwischen den Pfosten aus. Und das noch längere Zeit, was Ruhe verschafft und die Möglichkeit, sich um offene Stellen im Kader zu sorgen. Damit sollte sich nach den Wünschen von Trainer Hansi Flick sein Sportdirektor Hasan Salihamidzic während der winterlichen Pause und der Vorbereitung in Katar beschäftigen.

Salihamidzic hat sich darüber aber am Donnerstag verwundert gezeigt: "Ich war überrascht über diese mediale Kaderplanung, die der Hansi betrieben hat", sagte der Sportdirektor. Der Verein prüfe aber Optionen.

Ein Problem könnte allerdings aus einer anderen Personalie erwachsen. Die Münchner haben sich für die neue Saison die Dienste von Alexander Nübel gesichert, der derzeit noch beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht. Ablösefrei kommt er nach München, allerdings auch mit dem Wissen, dass ihm Manuel Neuer nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Neuer ist ein ehrgeiziger Sportler, was gerade bei Torhütern des FC Bayern keine Seltenheit ist. Also hat der Nationaltorhüter dem Neuen schon mal ausgerichtet, dass er freiwillig keine Spiele verpassen werde. Was bedeutet der Wechsel für Nübel? Künftig, aber auch schon in der Rückrunde?

Ist Alexander Nübel der große Verlierer im Torwart-Poker?

Aus Sicht des FC Bayern ist der Transfer sinnvoll

Das Trainingslager der Schalker gibt erste Hinweise. Beim ersten Testspiel fehlte der 23-Jährige, was sich aus Schalker Sicht leicht erklären ließ. Da er nach einer Roten Karte in den ersten zwei Rückrundenspielen wegen einer Sperre fehlen wird, wollte man seinem Stellvertreter Markus Schubert Spielpraxis geben. Oder ist es schon ein Zeichen für die Partien danach? Sein Kapitänsamt hatte Nübel bereits zuvor verloren, nun vielleicht auch seinen Stammplatz. Es ist kein Geheimnis, dass die Schalker Nübels Entscheidung mit einer gewissen Verwunderung betrachtet haben.

Aus Bayern-Sicht ist der Transfer durchaus sinnvoll. Nübel ist ablösefrei, er scheint ein großes Talent zu sein, warum sich nicht also rechtzeitig die Dienste des 23-Jährigen sichern? Andererseits könnte Unruhe entstehen, wo sie gar nicht nötig ist. Sollten Nübel tatsächlich bei den Verhandlungen Spiele in Aussicht gestellt worden sein, könnten die Verantwortlichen in Not geraten, sollte er diese nicht bekommen. Oder im umgekehrten Fall könnte Manuel Neuer schlechte Laune bekommen, falls er gegen seinen Willen aussetzen soll. Salihamidzic erklärte allerdings: "Wir reden nicht von irgendwelchen Zusagen. Alexander Nübel wird sich unterordnen." Etwas anderes dürfte dem Torhüter kaum übrig bleiben.

Nummer eins und sein Stellvertreter: Neuer (l) und Sven Ulreich schwitzen derzeit in Doha im Bayern-Trainingslager.
Bild: Peter Kneffel/dpa

Sven Ulreich akzeptiert die Bankrolle beim FC Bayern - Nübel auch?

Nübel ist zwar erst 23 Jahre alt, also noch durchaus jung für einen Stammtorwart der Bundesliga, aber eben auch gewohnt, sich als Stammkraft zu sehen. Und das wird er beim FC Bayern zunächst definitiv nicht sein. Geduld ist von ihm gefragt, wie sie ein Sven Ulreich offenbar hat. Von der derzeitigen Münchner Nummer zwei ist kein Klagen zu hören, er akzeptiert seine Rolle, die ihm nur ganz gelegentlich Einsätze bietet. Die wenigen Aufgaben aber meistert er meistens zufriedenstellend. Ob aber ein Nübel so klaglos mitansehen wird, wie ihm ein Spiel nach dem anderen durch die Finger gleitet?

Ein junger Torwart ohne Spielpraxis kann ganz schnell zu einem Problemfall werden. In der Entwicklung sind Einsätze auf höchstem Niveau entscheidend. Da bietet ihm das Bayern-Training zwar gute Möglichkeiten, allerdings vor allem mental nicht die gleichen Herausforderungen wie die Bundesliga-Partien. Eine Ausleihe scheint sinnvoll, wobei sich die Frage stellt, ob Nübel das für sich angemessen sieht. Ihn scheint es zu den Bayern zu ziehen, ein Zwischenstopp wäre für ihn hinderlich. Zumal die Bayern eine Ausleihe auch nicht in Erwägung ziehen, wie der Sportdirektor bestätigte.

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Nübel könnte der große Verlierer sein

Zunächst aber muss sich Nübel einer neuen Herausforderung auf Schalke stellen. Trainer David Wagner wird in der Torwartentscheidung auf den besten der Kandidaten zurückgreifen. Das sollte nach den bisherigen Erfahrungen Nübel sein. Andererseits wird Markus Schubert wohl der Mann der Zukunft sein, den man in der Rückrunde auf die kommenden Aufgaben vorbereiten kann. Mit dem Wissen, dass Nübel einschreiten könnte, sollte Schubert patzen. Dem Bayern-Neuzugang droht also die Bank.

Nübel könnte der große Verlierer des Wechsels sein. Eventuell den Stammplatz auf Schalke verloren, wenige Spiele in München in Aussicht – vielleicht hat sich da einer verkalkuliert. Zumal Neuer bis 2023 verlängern möchte – ein Wunsch, den auch Salihamidzic gut findet. Wie überhaupt den gesamten Wechsel: "Die Konstellation, die wir ab Sommer haben, mit Manuel Neuer und dem größten Talent, das in Europa von allen Klubs gesucht wird, ist sehr überzeugend."

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