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WM-Finale 2014

12.07.2019

Mario Götze und die Bürde des WM-Tors

Mario Götze schießt den Ball an Torwart Sergio Romero vorbei zum Siegtor der deutschen Mannschaft im WM-Finale 2014. Der Höhepunkt einer Karriere – und das im Alter von 22 Jahren.
Bild: Marcelo Frias, Witters

Vor fünf Jahren schoss Mario Götze Deutschland zum Titel. Ein Treffer, der ihm viel aufbürdete. Doch die Karriere von Götze lässt sich nicht nur daran erklären.

Die Erinnerung trügt gerne einmal. Mario Götze war nicht der Goldene Ritter des deutschen Fußballs, als der er in der Rückschau gesehen wird. Im Nachhinein wirkt es so, als habe die Karriere dieses Irrsinnstalents zielgerichtet auf das WM-Finale zu geführt und sei danach vertikal abgefallen. Jenes Tor, das Deutschland vor fünf Jahren am 13. Juli 2014 zum Weltmeister machte, war aber alles andere als die logische Konsequenz Götzes bisheriger Laufbahn.

Niemandem, der jemals einen Ball hat über ein Feld hoppeln sehen, blieb die Jahrhundertbegabung Götzes verborgen. Wie er schwierigste Bewegungsabläufe einfach aussehen ließ, Lücken in verdichteten Abwehrreihen sah, die anderen für immer verschlossen bleiben. Natürlich wollten ihn die Bayern. Natürlich ging er 21-jährig zu den Bayern. Schließlich hatte sich dort mit Pep Guardiola der Gralshüter modernen Fußballs angekündigt. Und wieder trügt die Erinnerung. Götze nämlich ist nicht bei den Bayern gescheitert. In drei Jahren absolvierte er 114 Spiele. Das sind lediglich zwei weniger als sie Mats Hummels in seinen drei Münchner Spielzeiten machte. Zu einem Unersetzlichen freilich hat er sich unter Guardiola auch nicht entwickelt. Und auch nicht bei Joachim Löw.

Götze soll der Welt zeigen, dass er besser ist als Lionel Messi

Der Bundestrainer flüsterte Götze bei dessen Einwechslung gegen Argentinien im Finale zwar zu, er solle der Welt zeigen, dass er besser als Messi sei – wirklich daran geglaubt hat aber auch der Bundestrainer nicht. Das 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale verfolge Götze 90 Minuten lang von der Bank. Im Viertelfinale spielte er lediglich sieben Minuten gegen Frankreich. Götze wurde als Ergänzungsspieler zum WM-Helden. Ein Märchen – aber eben nicht logische Konsequenz. Genauso wie Folgejahre nicht ausschließlich aus trister Bankdrückerei bestanden. Nach der Weltmeisterschaft lief Götze in 32 von 34 Bundesligaspielen auf. Er war auf dem besten Weg, maßgeblicher Faktor im Spiel der Bayern zu werden. Dann aber: Krankheiten, Verletzungen, Formschwäche. Der Wechsel zurück nach Dortmund ein Schritt zurück nach vorne.

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Einer, der sich erst in der vergangenen Saison wirklich bezahlt gemacht hat. Anfangs von Lucien Favre außen vor gelassen, erkämpfte sich Götze einen Platz in der Stammelf. Seinem Spiel war die Schwere gewichen. Jenes Gewicht, das auch der Treffer am 13. Juli 2014 auf seine Schultern geladen hatte.

Schmelzer über Götze: "Er hätte das Tor lieber nicht geschossen"

Teamkollege Marcel Schmelzer sagte in der Dokumentation „Being Mario Götze“ des Streaminganbieters DAZN: „Ich könnte mir vorstellen, dass Mario nach der Karriere irgendwann sagt, er hätte das Tor lieber nicht geschossen, sondern für jemanden anderen vorbereitet.“ Mittlerweile aber scheint der 27-Jährige seinen Frieden mit dem Treffer gemacht zu haben. Zumal am Vorbereiter des Treffers zu sehen ist, wie steil ein Abstieg wirklich sein kann. Borussia Dortmund legt keinen Wert mehr auf das Angestelltenverhältnis mit André Schürrle. Vergangene Saison wurde der Offensivmann an Fulham ausgeliehen. Fulham stieg ab. Das nächste Ziel Schürrles: unbekannt.

Götze aber steht im Zentrum des BVB-Spiels. Zusammen mit Marco Reus, Jaden Sancho und Julian Brandt soll er das kreativste Offensiv-Quartett der Bundesliga bilden. Nicht weniger als die Meisterschaft ist das Ziel. Fünf Mal hat er diesen Titel bereits gewonnen. Doch ein sechstes Mal die Schale hochzuhalten, wäre zweifelsohne einer der größeren Triumphe in seiner Karriere. Übertroffen nur noch von jenem Abend in Rio. Als er ihn machen sollte – und ihn machte. Der Schuh aus dem Finale ist eine der Hauptattraktionen des Fußball-Museums in Dortmund. Die größere Attraktion ist, einen gesunden Götze auf dem Feld zu sehen.

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